Vredener soll vor seiner 12-Jährigen Tochter masturbiert haben - Verfahren eingestellt

hzAmtsgericht Ahaus

Eine 23-jährige gebürtige Vredenerin wirft ihrem Vater sexuellen Missbrauch vor. Der widerspricht vehement. Zum entscheidenden Faktor wird ein medizinisches Gutachten.

Vreden

, 11.02.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Schwere Vorwürfe gegen einen 52-jährigen Vredener: Seine Tochter (23) wirft ihm vor, im Herbst 2010 zweimal in ihrer Gegenwart masturbiert zu haben. Angeblich so offensichtlich, dass er es zumindest billigend in Kauf nahm, dass die damals 12-Jährige ihn dabei erwischte. „Sexueller Missbrauch von Kindern“ lautet daher der Vorwurf in der Anklageschrift. Die 23-Jährige erschien allerdings trotz Ladung nicht zum Termin vor dem Amtsgericht Ahaus.

Und so war es dem Vater vorbehalten, zumindest etwas Licht ins Dunkel zu bringen. Der sichtlich mitgenommene 52-Jährige schilderte, dass er sich diese Vorwürfe nicht wirklich erklären könne. Er habe sich seiner Tochter nie unsittlich genähert oder sich vor ihr angefasst. Sein Verteidiger räumte lediglich ein: „Mein Mandant schließt nicht gänzlich aus, dass sie irgendwann mal etwas mitbekommen haben könnte, das sie nicht sehen sollte. Allerdings war es von ihm dann sicher nicht beabsichtigt.“

Missverständis kann ausgeschlossen werden

Ein Missverständnis zwischen beiden Parteien konnte durch die sehr belastende Aussage der Tochter allerdings ausgeschlossen werden. Diese hatte erklärt, dass nicht nur sie, sondern die ganze Familie das unsittliche Verhalten beobachten konnte. Der Anwalt des Vredeners zweifelte hingegen grundsätzlich an der Verwertbarkeit ihrer Aussagen. Denn die 23-Jährige habe in der jüngeren Vergangenheit unter anderem ihre Kandidatur für ein politisches Amt zurückgezogen. Laut ihres Vaters ebenfalls wegen vermeintlicher sexueller Übergriffe im Umfeld ihrer Partei, die jedoch nicht bewiesen werden konnten.

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Als weiteren Beleg für die Unschuld seines Mandanten führte der Verteidiger das Gutachten des Universitätsklinkums Münster an. Drei Professoren, die die 23-Jährige untersucht haben, erklären darin ihren Befund. „Sie weiß manchmal nicht, ob etwas Realität ist oder nicht. Sie vertraut ihrer Wahrnehmung nicht mehr. Sie spricht mit Menschen im Raum, die nicht da sind. Außerdem berichtet sie von Insekten, die an ihrem Körper hochkrabbeln“, heißt es dort unter anderem.

Auch Vergewaltigungserinnerungen werden im Bericht erwähnt: „Die Patientin ist antriebslos und spricht von sexueller Grenzverletzung im Alter von 11 bis 20 Jahren. Sie hat lebensmüde Gedanken, hat optische Halluzinationen und weist Anzeichen einer Psychose aus dem schizophrenen Formenkreis auf.“ Für Richter und Staatsanwaltschaft Grund genug, die Ausführungen der 23-Jährigen zumindest in Zweifel zu stellen.

Verhältnis innerhalb der Familie sehr schwierig

Ihr Vater erklärte im Gerichtssaal, dass die Gesamtsituation seine Familie extrem belaste. „Das Verhältnis zu meiner Tochter war schon immer schwierig und ist durch die Scheidung von ihrer Mutter nicht besser geworden“, sagte er. Die 23-Jährige mache gerade auch persönlich einen Wandel durch, habe bei Behörden ihren Namen offiziell ändern lassen. „Sie möchte kein Mädchen mehr sein und fühlt sich als Transgender“, sagte er vor Gericht.

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Dass sie selbst zur Verhandlung nicht erschienen war, könnte auch damit zusammenhängen. Denn Anschrift und ihr aktueller Name waren dem Gericht nicht bekannt. Richter und Staatsanwalt sahen allerdings keine Notwendigkeit, die Verhandlung zu vertagen und die 23-Jährige zu einem weiteren Termin polizeilich vorführen zu lassen. „Für eine Verurteilung bleiben bei mir zu viele Fragezeichen. Ich könnte mir eine Einstellung des Verfahrens gegen eine Auflage vorstellen“, erklärte der Vorsitzende.

Nach langer Beratung mit seinem Verteidiger stimmte der Angeklagte schließlich zu. „Auch wenn es mir schwer fällt. Ich möchte einfach einen Strich drunter haben. Es macht mich krank“, sagte der 52-Jährige. Die insgesamt 5000 Euro, die er als Bedingung für die Einstellung zahlen muss, gehen an die Kinderkrebshilfe.

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