Vredener spenden 95.000 Euro für eine neue Vitrine für das Hungertuch

hzStiftskirche Vreden

Das Vredener Hungertuch hat zu seinem 400. Geburtstag wieder einen Platz in der Stiftskirche gefunden. Eine neue, hochmoderne Vitrine wurden komplett aus Spenden finanziert.

Vreden

, 22.11.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Fünfeinhalb Meter hoch und fünf Meter breit ist die neue Vitrine, die seit Kurzem ihren Platz in der Vredener Stiftskirche gefunden hat. Darin hängt eines der wertvollsten Kunstwerke, das die Stadt Vreden besitzt: das 400 Jahre alte Hungertuch.

Doch nicht nur die Größe der Vitrine und die Bedeutung des Inhalts sind beeindruckend. Vor allem eine Zahl macht das Ganze zu etwas Besonderem: 95.000 Euro. So viel hat die Vitrine gekostet – komplett aus Spenden finanziert.

Jetzt lesen

Eineinhalb Jahre lang hat die Bürgerstiftung Geld gesammelt, um das Projekt unterstützen zu können. 37.500 Euro hat sie schließlich übernommen, plus Kosten für die Planungen. Hinzu kommen Spenden der Sparkassenstiftung und von privaten Spendern. Den Rest hat die Gemeinde aus eigener Tasche gezahlt.

Vitrine ist eine Sonderanfertigung

Jetzt also stehen Vertreter der Gemeinde, der Zentralrendantur, der Bürgerstiftung und des Heimatvereins vor der riesigen Vitrine in der Stiftskirche. Vier lange Glasplatten ragen in die Höhe. „Alle Teile sind Sonderanfertigungn: die Länge der Scheiben, die Bänder, die Schienen“, erklärt Stephan Bengfort von der Zentralrendantur Ahaus-Vreden.

Vredener spenden 95.000 Euro für eine neue Vitrine für das Hungertuch

Die neue Vitrine für das Hungertuch in der Stiftskirche ist fünf Meter breit und fünfeinhalb Meter hoch. © Victoria Garwer

Die Vitrine ist luftdicht verschlossen, um das Hungertuch zu schützen. Ursprünglich war geplant, eine Belüftung einzubauen. „Aber weil das Klima hier in der Kirche recht beständig ist, war das nicht notwendig“, sagt Stephan Bengfort. Theoretisch kann die Vitrine also dauerhaft geschlossen bleiben. Wenn aber das Tuch in ein paar Jahren mal gereinigt werden muss, ist es auch möglich, sie zu öffnen.

Von oben wird das Tuch beleuchtet – mit schonenden LED-Leuchten. In den Scheiben ist zudem ein UV-Schutz integriert. „Wir haben aber jetzt gemerkt, dass durch ein Kirchenfenster Sonnenstrahlen auf die Vitrinen fallen. Deswegen sollten wir überlegen, ob wir an dem Fenster auch noch einen UV-Schutz anbringen“, sagt Stephan Bengfort.

Extra ein Fundament gegossen

Drei Monate hat der Bau der Vitrine gedauert, der Aufbau in der Stiftskirche eine Woche. „Der Boden wurde 35 Zentimeter tief ausgeschachtet für ein Fundament. Immerhin wiegt die ganze Konstruktion 4,5 Tonnen“, erzählt Hermann Breuersbrock von der Zentralrendantur.

Vredener spenden 95.000 Euro für eine neue Vitrine für das Hungertuch

Die Vitrine für das wertvolle Hungertuch ist luftdicht verschlossen. © Victoria Garwer

Das Hungertuch findet damit zu seinem 400. Geburtstag in diesem Jahr seinen Weg zurück in die Stiftskirche. Bis 2012 hing es in einer Vitrine hinten im Kirchenschiff. Doch die Vitrine war nicht mehr zeitgemäß, das Hungertuch in keinem guten Zustand. „Außerdem wollten wir nach der Profanierung der Marienkirche die Orgel retten. Sie hat den Platz hinten in der Stiftskirche eingenommen“, erzählt Pfarrer Christoph Theberath.

Hungertuch stammt aus dem Jahr 1619

Das Hungertuch wurde saniert und seitdem fachmännisch eingelagert. Nach sieben Jahren hängt nun wieder das Original von 1619 in der Stiftskirche. Es besteht aus Leinenbahnen und geknüpften Leinennetzen. Auf elf großen Passionsdarstellungen sind Stationen des Kreuzweges zu sehen.

Das Hungertuch wird inhaltlich in einer Messe am Samstag, 23. November, um 9.30 Uhr besprochen. Dann wird auch die neue Vitrine eingesegnet. Allerdings nur mit Weihrauch, Weihwasser würde unansehnliche Flecken auf den riesigen Glasscheiben hinterlassen.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt