In einer Umfrage der Münsterland Zeitung gab es oft gute Noten für die Vredener Verwaltung. Doch bei Bauarbeiten, Wohnungsnot, Rathaus-Mitarbeitern und Digitalisierung kommt auch Kritik.

Vreden

, 09.09.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Die Vredener Verwaltung wird bald einen neuen Chef haben. Bürgermeister Dr. Christoph Holtwisch tritt nach zehn Jahren im Rathaus nicht mehr zur Kommunalwahl an. Doch vorher muss er noch einmal Stellung nehmen zu den Ergebnissen einer Umfrage der Münsterland Zeitung.

320 Vredener haben die Fragen zur Verwaltung und zum Leben in der Stadt und den Kirchdörfern beantwortet. Den Bürgermeister haben wir mit zehn Aussagen aus dieser nicht repräsentativen Umfrage konfrontiert.

60 Prozent sind mit der Arbeit der Verwaltung zufrieden

Grundsätzlich scheint die Vredener Verwaltung einen durchaus guten Job zu machen. Knapp 60 Prozent sind laut Umfrage sehr zufrieden, zufrieden oder eher zufrieden. 4,7 Prozent aber haben auch die Option „sehr unzufrieden“ angekreuzt.

Das Gesamtergebnis freut Christoph Holtwisch natürlich: „Ich bin überzeugt davon, dass wir in der Tat eine sehr leistungsfähige und motivierte Verwaltung haben.“

Lob, aber auch viel Kritik an Verwaltungsmitarbeitern

In der Umfrage kommt vor allem das Bürgerbüro gut weg. Mehr als 70 Prozent nennen es kundenfreundlich und serviceorientiert, die Wartezeiten seien angemessen.

Doch es gibt auch Kritik an den Rathausmitarbeitern. In einer offen gestellten Frage konnten die Teilnehmer der Umfrage ihre Meinung frei formulieren. Von „groben Fehlern“ ist da die Rede und von „Klüngelei und Vetternwirtschaft“. Die Mitarbeiter würden teilweise „von oben herab“ agieren, Transparenz in den Entscheidungen fehle komplett.

„Wo viel gearbeitet wird, läuft sicherlich nicht immer alles rund“, muss Bürgermeister Christoph Holtwisch zugeben. Aber: „Ich jedenfalls habe vollstes Vertrauen zu meinen Kolleginnen und Kollegen, die unter manchmal nicht einfachen Rahmenbedingungen und unterschiedlichen Erwartungshaltungen eine super Arbeit leisten.“

Wenn sich ein Bürger mit seinem Problem an ihn wende, können seiner Erfahrung nach die Kritikpunkte meist entkräftet werden. Jedoch könne die Verwaltung naturgemäß nicht jedem individuellen Interesse nachkommen, „was bei Einzelnen dann zwangsläufig manchmal zu Unzufriedenheit führt“.

Beim Thema Transparenz muss er der Kritik aber entschieden widersprechen. Die Stadt habe die Öffentlichkeitsarbeit in den vergangenen Jahren massiv ausgebaut. Die Verwaltung führe bei Entscheidungen ganz viele Gespräche mit Betroffenen und die Bürgerbeteiligung gehe weit über das gesetzlich geforderte Maß hinaus.

75 Prozent fühlen sich in Vreden sicher

Das Thema Sicherheit ist in Vreden scheinbar kein Problem. 75 Prozent der Umfrage-Teilnehmer geben an, dass sie sich in Vreden sicher fühlen. In den Ortsteilen sind es sogar 81 Prozent.

Und trotzdem würden sich viele über mehr nächtliche Kontrollen – auch vom Ordnungsamt – am Busbahnhof und an Spielplätzen, eine besetzte Polizeiwache und Laternen an den roten Wegen freuen.

Auch Christoph Holtwisch wünscht sich eine ständig besetzte Polizeiwache. „Doch dafür ist nicht die Stadt Vreden zuständig und ich kenne natürlich auch die Personalnot der Polizei.“ Mehr Kontrollen des Ordnungsamtes wären auch nur möglich, wenn das Personal aufgestockt würde. Sinnvoll sei das aber nicht, meint der Bürgermeister. Schließlich sei Vreden bereits eine sichere Stadt.

Zwei Drittel prangern große Wohnungsnot an

Die Wohnungsnot ist für viele ein Problem. 65 Prozent geben an, dass es schwierig sei, in Vreden eine geeignete Wohnung zu finden. Nur 12 Prozent sehen dieses Problem nicht, der Rest möchte oder kann die Lage nicht beurteilen.

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53 Prozent wollen, dass die Stadt selber Wohnraum schafft

Bei den Lösungsvorschlägen zur Wohnungsnot finden drei Optionen breite Zustimmung. Die Stadt sollte mehr Bauflächen ausweisen (40 Prozent), selbst bezahlbare Wohnungen bauen (53 Prozent) und die Genehmigungsverfahren vereinfachen (33 Prozent). Dass die Stadt bereits genug macht, finden hingegen nur 7,8 Prozent.

Nach Angaben des Bürgermeisters geht die Stadt Vreden solche Projekte bereits an. An der Beatrixstraße zum Beispiel habe die Stadt ein Gebäude gekauft und baue derzeit Wohnungen. „Das nimmt tendenziell zu“, so Christoph Holtwisch. Grundsätzlich sei es aber eher Aufgabe der Stadt, Flächen für Bauprojekte zur Verfügung zu stellen, statt selber welche umzusetzen.

Vreden ist grundsätzlich sauber, aber nicht an den Altglascontainern

65 Prozent finden, dass es in Vreden insgesamt sauber genug ist. Das gilt vor allem für Beete und Grünstreifen, aber auch für die Schulen. Eine knappe Mehrheit ist zudem der Meinung, dass die Stadt genug unternimmt gegen Kaugummiflecken, Verschmutzungen und Vandalismus.

Für den Zustand rund um die Altglascontainer aber gibt es Kritik. 77 Prozent finden es hier zu schmutzig. Das Problem ist Christoph Holtwisch bekannt. „Unzulässigerweise wird dort oft auch anderer Müll entsorgt“, meint er. Die Stadt würde diesen bei Leerung der Container entfernen, aber bis zur nächsten Leerung sei oft schon wieder neuer Müll da.

Bauarbeiten in Vreden dauern zu lange und sind schlecht koordiniert

Mit der Art und Weise von Bauarbeiten sind die Vredener nicht wirklich zufrieden. Arbeiten an öffentlichen Gebäuden und Straßen dauern zu lange (79 Prozent Zustimmung), der Zustand der Straßen sei schlecht (54 Prozent) und die Baustellen seien schlecht koordiniert (58 Prozent).

Bürgermeister Christoph Holtwisch sieht das anders: „Die öffentlichen Bauvorhaben werden meist innerhalb des Zeitplans fertiggestellt. Wenn es zu Verzögerungen kommt, liegt das in der Regel daran, dass wir die Maßnahmen ausschreiben müssen und der Markt dafür im Moment schwierig ist.“

Öffentlicher Nahverkehr in Vreden bekommt ganz schlechte Noten

Der Aussage „In Vreden gibt es ein gutes Netz von Bussen“ stimmen nur 15 Prozent der Umfrage-Teilnehmer zu. 70 Prozent hingegen finden, dass das gar nicht zutrifft, 15 Prozent können die Situation nicht beurteilen.

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Christoph Holtwisch weist in diesem Zusammenhang auf seine Bemühungen in Sachen Baumwollexpress hin. Die Stadt Vreden befürwortet die geplante Buslinie zwischen Gronau und Bocholt, auf Kreisebene hapert es gerade an der Frage der Finanzierung.

Fast die Hälfte ist mit digitaler Ausstattung der Schulen unzufrieden

47 Prozent finden die Ausstattung der Schulen mit digitalen Medien und IT nicht zeitgemäß. Nur 21 Prozent sind anderer Meinung, der Rest möchte sich zu dieser Frage nicht äußern.

Dieses Meinungsbild kann der Bürgermeister nicht ganz nachvollziehen: „Schon seit Jahren sind alle Vredener Schulen an das Breitbandnetz angebunden und wir verabschieden in regelmäßigen Abständen mit den Schulen zusammen einen Medienentwicklungsplan, der auch konsequent umgesetzt wird.“

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Die Corona-Krise habe aber nun für eine Verschiebung der Prioritäten gesorgt, sodass nun für den Bereich Fernunterricht nachgerüstet werden muss. Das Problem: Alle Kommunen bestellen gerade zum Beispiel Tablets, sodass es zu Lieferproblemen kommt.

Vredener vermissen kulturelle Angebote

Spielplätze, Sportstätten, Freibad – davon bietet die Stadt laut Umfrage genau das richtige Maß an. Bei den kulturellen Angeboten hingegen gibt es Nachholbedarf. Theater, Konzerte, Comedy, Kleinkünstlerprogramme, ein Kino und Musicals stehen auf der Wunschliste. Viele wünschen sich zudem mehr Möglichkeiten zum Feiern gehen für Jugendliche.

„Im Verhältnis zu ihrer Größe bietet die Stadt Vreden meiner Meinung extrem viel“, sagt dazu Bürgermeister Christoph Holtwisch. In diesem Jahr sei aber fast alles wegen Corona-Pandemie ausgefallen.

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