Wie bei König Artus ...

Vreden Mit ganz viel Gefühl und Ehrfurcht zieht der grün uniformierte Mann das Kurzschwert aus der Scheide, auf dem kunstvoll "Hubertus" geschrieben steht. Hebt an, setzt auf die Schulter seines niederländischen Gegenübers, schlägt ihn zum (Ehren-)Ritter - jetzt ist die Gründung des "St. Hubertusordens im internationalen Münsterland" perfekt.

23.11.2007 / Lesedauer: 3 min

Wie bei König Artus ...

<p>Sieberen Bert Bosch (l.) schlägt Heins van Dyken zum Ehrenritter. - Das ausgestopfte Wiesel an der Wand schaut dabei zu.</p>

Aus Sieberen Bert Bosch, der Rittermacher in Försteruniform und Jäger, sprudelt es nur so heraus: "20 Jahre sammle ich Informationen über den Heiligen Hubertus von Aquitanien und viele Jahre bin ich schon dabei, diesen Orden zu gründen." Und schnell merkt der Zuhörer, wie sehr sich der Enscheder mit dem Schutzpatron der Jäger verbunden fühlt: "Am 3. November, dem Hubertustag und meinem Geburtstag, habe ich endlich den Orden gegründet."

Ziel: Völkerfreundschaft

An einem Tisch der Gaststätte "Zum Jägerhaus" in Lünten wohnen deutsche und niederländische Jagdkollegen - von dem pathetischen Schauspiel begeistert - in einer Art Tafelrunde der Gründungszeremonie bei. Nicht viel anders dürfte es bei König Artus auf der sagenumwobenen englischen Burg Camelot gelaufen sein, abgesehen von den Umständen und dem Ziel: "Internationale Völkerfreundschaft für die Jägerschaft" - mit Deutschen und Niederländern zusammen.

Und das kam so: Eine Nacht im Januar 2002, irgendwo an der Grenze bei Alstätte, es herrscht tiefster Winter bei minus sechs Grad. Sieberen Bosch, von seinem Forstrevier kommend, hat einen Unfall - doppelter Unterschenkelbruch. Hilflos muss er fünf Stunden im Niemandsland um das blanke Überleben kämpfen, auf unwahrscheinliche Rettung warten. Was er nicht ahnt: Gleichzeitig sind drei Alstätter auf dem Weg zu einem Viehtransport, kommen zufällig vom Weg ab - und entdecken ihn.

Lebensretter

"Die haben mir das Leben gerettet. Da musste ich handeln", dachte Bosch, sprach's, gab im Sommer ein internationales St.-Hubertus-Dankfest und gründete aus tiefer Dankbarkeit schließlich den Orden - für verdienstvolle Jäger, alle mit der Jagd befassten Leute: Wegen der Hubertusmesse auch Priester, Kranke und Lebensretter. "Das Besondere daran ist, dass auch Frauen Mitglied werden können. Und nur absolut zuverlässige Personen", betont der 52-Jährige ausdrücklich.

Grenze spielt keine Rolle

Und schließlich spielen im Ordensraum "internationales Münsterland" politische Grenzen auch keine Rolle. Das umfasst nämlich das "Ost-, Mittel-Münsterland und Westmünsterland im Westen von Deutschland und die Region Twente im Osten der Niederlande. Das geht zurück auf 1648, den Westfälischen Frieden in Münster", erklärt der weltgewandte Bosch. "33 Jahre bin ich Jäger und 32 Jahre Ehrenratsmann für Brasilien...", der Diplom-Ingenieur könnte noch Stunden weitererzählen. Aber die zwölf Jagdhornbläser (allesamt jetzt Ehrenritter) aus Alstätte, Wessum, Ottenstein und Graes setzen zum Minikonzert an und geben der Zeremonie ihren feierlich-waidmännischen Abschluss. Tobias Kempkes

Lesen Sie jetzt