Wintergang endet mit einer Schlägerei in Gaststätte und dann vor dem Amtsgericht

hzSchlägerei in Gaststätte

Schnäpse und Bier gab es reichlich beim Wintergang von Ellewick nach Vreden. Zu viel für einen 44-Jährigen. In einer Gaststätte schlug er mit einem Stuhl einen Gast. Und dann den Nachbarn.

Vreden

, 05.06.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Was genau alles passiert ist am Ende eines Wintergangs, das weiß der 44-Jährige nicht mehr. Seine Erinnerung setzt erst am nächsten Morgen ein, als er in der Gewahrsamszelle der Polizei in Ahaus aufwachte. Tatsache ist, dass er sich am Dienstag wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Amtsgericht in Ahaus verantworten musste. Am Ende, so der Richter, kam er mit zwei blauen Augen davon.

Oft bedient am Bollerwagen mit Bier und Schnaps

Es begann Ende Februar gegen 15 Uhr mit dem Wintergang von einigen Nachbarn von Ellewick nach Vreden, die der Angeklagte selbst geplant hatte. Auf dem Bollerwagen Bier und Schnaps. Und da hat sich auch der 44-Jährige immer wieder bedient.

Endstation war in einer Gaststätte. Während die Nachbarn dort zusammensaßen, entdeckte der Angeklagte in der Kegelbahn seinen Neffen, der dort mit seinen Mannschaftskameraden vom FC Vreden den Abend verbrachte. Ob er mit ihm ein paar Bierchen trinken könne, fragte er in die Runde. So berichtete es ein Zeuge und späteres Opfer.

So saßen die beiden eine Weile zusammen. Man nahm ein paar Getränke, so der Angeklagte. „Uns verbindet eine traurige Geschichte“, erzählte er dem Richter. „Da wird es schon mal emotional, das kann jemand anders auch irritieren.“ So kam es dann auch. Ein 33-jähriger Zeuge berichtete von einer verbalen Auseinandersetzung. „Jetzt reicht‘s. Wir wollen hier einen ruhigen Abend haben“ – so ähnlich führten er und andere den Angeklagten nach draußen.

„Da habe auch ich rotgesehen“

Der ging auch, kam dann aber plötzlich mit einem Stuhl zurück. „Das war ohne Vorwarnung“, so erzählt der 33-Jährige. „Er schlug mit dem Stuhlbein zu und ich ging zu Boden. Als ich meinen Kopf anfasste, merkte ich das viele Blut. Da habe auch ich rotgesehen.“ Zweimal schlug er dann nach dem Angeklagten, der Rippenprellungen und eine Kopfverletzung erlitt. Der 33-Jährige selbst hatte eine Platzwunde und einen gebrochenenen Finger.

Die beiden wurden getrennt und Vereinskollegen führten den 44-Jährigen raus in den Gastraum. Doch damit nicht genug. Als ein 54-jähriger Nachbar, der schon nach ihm geschaut hatte, ihn aus der Gruppe herauslösen wollte und ihn dazu am Arm packte, bekam auch er einen Schlag gegen den Kopf. Später dann, als die Polizei kam, gab der Vredener erst noch einen falschen Namen an und versuchte zu fliehen. Vergeblich.

Bei beiden Opfern entschuldigt

1,1 Promille Alkoholgehalt wurde später auf der Wache notiert. Morgens nach dem bitteren Aufwachen hat der Angeklagte wohl schnell reagiert. Bei beiden Opfern hat er sich entschuldigt. Beide nahmen später ihre Strafanzeige zurück. Mit dem 33-Jährigen wurde ein Vereinbarung getroffen. Er erhielt 600 Euro Schadens- und Schmerzensgeld. Für den Nachbarn war das Thema auch ohne eine solche Vereinbarung erledigt. „Ich kenne ihn über 20 Jahre, da ist noch nie was vorgefallen“, sagte er dem Richter. „Wenn er mich erkannt hätte, hätte er mir nie was getan. Der war so in Rage.“

Am Ende stellte der Richter das Verfahren gegen eine Geldstrafe in Höhe von 3600 Euro ein, die er an zwei gemeinnützige Einrichtungen zahlen muss. „Sie kommen mit zwei blauen Augen davon.“ Außerdem muss der Vredener ein halbes Jahr eine Maßnahme zur Gewaltprävention absolvieren. Der Richter: „Damit sie das Geschehen aufarbeiten und eine Wiederholung ausgeschlossen wird.“

Lesen Sie jetzt