Im Moment müssen Kinder gezwungenermaßen viel Zeit auf der Couch verbringen. Kommen sie davon aber hoch, wenn wieder Sport gemacht werden kann? © dpa (Symbolbild)
Kinder und Sport

Frohe Freundin und gemütliches Sofa: Kehren Kinder nach Corona nicht mehr in ihre Sportklubs zurück?

Training war vor Corona für viele Kinder ein fester Termin im Kalender. Der fällt jetzt aber schon sei Monaten aus. Die heimischen Sportklubs vermuten, dass das Folgen für die Zukunft haben könnte.

Für viele Kinder gehörte das Training im Sportverein vor der Corona-Pandemie zum Alltag. Der hat sich aber im vergangenen Jahr deutlich gewandelt. Was bedeutet das für die Zeit nach Corona? Kommen die Kinder wieder zurück in die Sportvereine?

Toni Brockmeier ist sich dessen nicht so sicher. „Die gewisse Sorge ist da. Bei den jüngeren Kindern fällt das vielleicht leichter“, sagt der Jugendfußball-Vorsitzende des SV Herbern, aber befürchtet bei den Älteren, dass sie den Weg zum Sport nicht mehr zurückfinden. „Sie haben vielleicht gemerkt, ich kann auf dem Sofa sitzen und muss mein Zimmer nicht verlassen.“

Besonders bei den Kindern in den zweiten Mannschaften, in denen die Bindung zum Sport vielleicht auch nicht so groß sei, befürchtet Brockmeier, dass es den Trainern schwer fallen könnte, die Kinder nach Corona wieder für den Sport zu motivieren.

Die Befürchtungen, dass sich Kinder abmelden könnten, sind auch beim Werner SC da. „Ich habe das mit Mitstreitern aus anderen Vereinen diskutiert. Vor allem bei Älteren könnte das passieren. Da ist die Freundin vielleicht auch froh, wenn der Freund fünf statt drei Tage Zeit hat“, sagt Ralf Cramer, Leiter der Jugendfußball-Abteilung.

Ralf Cramer ist Leiter der Jugendfußball-Abteilung des Werner SC.
Ralf Cramer ist Leiter der Jugendfußball-Abteilung des Werner SC. © WSC © WSC

In diesem Jahr habe es aber noch keine Abmeldungen beim WSC gegeben. Im vergangenen Jahr hätten sich vier, fünf Kinder abgemeldet, aber unabhängig von Corona. Bei den Jüngeren erwartet Cramer sogar einen Zuwachs. „Ich glaube, da ist der Bewegungsdrang so groß. Das werden eher mehr Kinder.“

So oder so: Die Planungen für die kommende Spielzeit gestalten sich schwierig. „Normalerweise starten wir nach den Osterferien mit der Planung für die neue Saison. Aber jetzt fragen ist sinnlos. Wir wissen ja gar nicht, ob die Kinder dann noch kommen“, so der Leiter der Jugendfußball-Abteilung.

Cramer hofft, dass bei den Kindern etwas hängengeblieben ist

Er hofft, dass sich die Arbeit der Jugendtrainer in der Phase, in der im vergangenen Jahr Training stattfinden konnte, ausgezahlt hat. „Die Jugendtrainer haben einen ganz tollen Job gemacht. Sie haben unter schwierigen Bedingungen ein vernünftiges Training gemacht. Ich hoffe, dass das bei den Kindern hängengeblieben ist und sie wiederkommen“ sagt Cramer.

Ein Trainer, der während des aktuellen Lockdowns viel Zeit und Aufwand in Onlinetraining steckt, ist Bernd Purzner. Der Volleyballtrainer des TV Werne und Werner SC hofft dadurch, dass die Kinder, wenn es möglich ist, wieder den Weg in die Halle finden.

„Die klare Intention ist, wenn man den Kontakt hält, werden sie auch wiederkommen. Es geht auch darum, fit zu bleiben. Das ist aber alles nur ein Versuch, die Katastrophe abzuwenden“, sagt Purzner.

Sebastian Voigt macht sich derweil weniger Sorgen, dass die Jungen seines U18-Teams bei den LippeBaskets Werne wiederkommen. „Ich rechne mit großer Motivation. Nicht unbedingt wegen des sportlichen Aspekts, sondern weil sie viele Freunde in der Mannschaft haben“, so der Basketball-Trainer.

Voigt über den „Punkt der Abrechnung“

Gedanken macht er sich eher, wie die Spieler wieder zum Training erscheinen werden. „Da kommt der Punkt der Abrechnung. Wer hat was gemacht? Wie kann ich einen vergleichen, der vier Monate gar nicht gemacht hat, mit einem, der vier Monate Sport gemacht hat? Die, die was gemacht haben, müssen dann zurückstecken, und die anderen müssen aufholen“, so Voigt, für den der Worst Case aber was anderes wäre.

„Hauptsache, sie kommen nicht mit zehn Kilo mehr wieder“, sagt er und lacht.

Über den Autor
Volontär
Hat im Mai 2020 in der für den Lokal-Journalismus aufregenden Corona-Zeit bei Lensing Media das Volontariat begonnen. Kommt aus Bochum und hatte nach drei Jahren Studium in Paderborn Heimweh nach dem Ruhrgebiet. Möchte seit dem 17. Lebensjahr Journalist werden.
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