PS-starke Feuerwehrfahrzeuge: So rückten die Werner Feuerwehrleute früher einmal aus. © Archiv Förderverein Stadtmuseum
Feuerwehr

100 Helfer schon um 1900: So entstand die Freiwillige Feuerwehr Werne

Erst der Ledereimer, dann die Feuerspritze - und schließlich der moderne Löschzug. Die Geschichte der Brandbekämpfung in Werne hat Überraschendes zu bieten. Heute gibt‘s den zweiten Teil unseres Rückblicks.

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts kam es immer mehr zur Bildung freiwilliger Lösch- und Rettungstrupps. Im Jahre 1848 erging ein allgemeiner Aufruf zur Bildung freiwilliger Feuerwehren in den deutschen Städten und Gemeinden. Etwa zur gleichen Zeit erkannte man auch im ländlichen Städtchen Werne mit ungefähr 2000 Einwohner die Notwendigkeit zur Gründung einer freiwilligen Feuerwehr. Am 27. Januar 1846 wurde durch „Gassenruf“ vom Werner Magistrat Folgendes verkündet:

„Bei ausbrechendem Feuer werden hinfüro folgende Lärmsignale unverzüglich gegeben werden: 1) Bei ausbrechendem Brande in der Stadt, sowohl bei Tage als des Nachts, wird die gewöhnliche Stadt-Brand-Glocke gezogen, wobei in den Straßen getrommelt wird und der Nachtwächter in das Horn stößt. 2) Bei Brande außerhalb der Stadt, wird statt der bisherigen Brandglocke, die beschädigt ist, mit der Betglocke geläutet und dabei eine weiße Fahne zum Turm, nach der Richtung wo das Feuer ist, herausgesteckt, des Nachts wird an diese Fahne eine Laterne gehängt.“

Die Gründung einer Feuerwehr ließ doch noch länger auf sich warten, so dass 1863 der damalige Werner Bürgermeister Thiers erst einmal einen Entwurf („Regulativ über das Feuerlöschwesen in der Stadt Werne“) für die Organisation einer freiwilligen Feuerwehr anfertigte. Zehn Jahre später, 1873, monierte ein hoher preußischer Oberregierungsrat, dass immer noch ein Reglement für das Feuerlöschwesen in Werne fehlte.

Endlich teilte fünf Jahre später, am 14. März 1878, der Krieger- und Landwehrverein dem Bürgermeister mit, dass eine freiwillige Feuerwehr gebildet werden könnte und sich bereits 50 Mitglieder zum sofortigen Beitritt gemeldet hätten. Am 2. November 1879 wurde endlich die „Freiwillige Feuerwehr Werne“ gegründet – bei der Gründungsversammlung waren 38 Bürger zugegen.

Das „Regulativ über das Feuerlöschwesen in der Stadt Werne“ von 1863
Das „Regulativ über das Feuerlöschwesen in der Stadt Werne“ von 1863 © Archiv Förderverein Stadtmuseum © Archiv Förderverein Stadtmuseum

Die Feuerwehr war militärisch organisiert, wählte jedoch mit Ausnahme des Chefs, der kraft Amtes der Bürgermeister war, ihre Vorgesetzten aus den eigenen Reihen. Uniformen besaßen die Feuerwehrleute zu jener Zeit noch nicht – eine weiße Binde am linken Arm musste genügen. Erst 1886 beschloss die Stadtverordnetenversammlung, für die Uniformen einen Betrag von 200 Mark auszugeben.

Bis zur Aufstellung der endgültigen Statuten war ein regelrechter Kampf mit dem Magistrat und den Aufsichtsbehörden vorausgegangen, bis endlich die Satzung der Freiwilligen Feuerwehr Werne und damit ihre rechtliche Grundlage am 4. August 1896 in Kraft trat. Um 1900 zählte die Feuerwehr dann mehr als 100 Mitglieder und es wurde ein Mitgliedsbeitrag von 10 Pfennig erhoben.

1903 gründete man eine eigene Turnabteilung, aus der später der TV Werne hervorging. In den Bauerschaften, die zum Amte Werne gehörten, bestanden ebenfalls Löschzüge, zum Beispiel in Lenklar schon 1830. In Holthausen wurde ein Löschzug 1906 erwähnt – in Stockum sind im Jahre 1846 bereits drei Feuerspritzen vorhanden.

Von 1879 bis 1893 wählte man Bürgermeister Thiers zum ersten Wehrführer der Werner Feuerwehr – sein Nachfolger war Heinrich Kroes, der bei seinem Amtsantritt folgende Bestände dem Magistrat übermittelte: „300 m Zubringerschlauch groß Caliber, 115 mm Durchmesser – diese reichen nicht aus. Es müssen noch 150 – 200 m angeschafft werden. 82 m klein Caliber, 85 mm. Hier müssen ebenfalls noch 150 – 200 m angeschafft werden. Zusätzlich gibt es 1 Berlinerspritze, 1 Kierspielspritze, 1 Zubringer, eine Schlittenspritze mit ledernen Schläuchen, die noch Verwendung finden.“

1921 stellte das Amt Werne den Antrag an die städtische Feuerwehr, den Brandschutz auch in den Landbezirken zu übernehmen, so dass eine in Evenkamp bestehende Feuerwehr aufgelöst wurde. Zwei Jahre später schlossen sich alle bisher selbstständigen Löschzüge (Stadt Werne, Langern, Holthausen, Ehringhausen und Lenklar) zu einer gemeinsamen einheitlichen Freiwilligen Feuerwehr Werne zusammen, da mittlerweile auch Stadt und Amt Werne zusammengelegt worden waren.

Eine Handdruckspritze aus der Zeit um 1880.
Eine Handdruckspritze aus der Zeit um 1880. © Archiv Förderverein Stadtmuseum © Archiv Förderverein Stadtmuseum

Nachdem das Feuerwehrgerätehaus am Hagen, schon um 1900 errichtet, längst nicht mehr ausreichend war, konnte endlich 1974 das neue Domizil zusammen mit dem daneben liegenden neuen Stadthaus eingeweiht werden. Im Jahre 1975, nach der Eingemeindung von Stockum, wurde die Freiwillige Feuerwehr Werne um den Löschzug Stockum erweitert – 1979 feierte man dann mit großer Beteiligung der Werner Bevölkerung das 100-jährige Bestehen.

Bis heute hat sich das Tätigkeitsfeld der Feuerwehr ganz erheblich vergrößert – aber immer noch ist es ihre Hauptaufgabe, Menschenleben zu retten und Eigentum zu schützen, getreu ihrem Wahlspruch: „Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr“.

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