Im Strobels im Solebad Werne suchen die Verantwortlichen händeringend nach neuem Personal - unter anderem im Service (hier ein Archivbild). Deshalb ist der Betrieb in der Krise derzeit nur an wenigen Tagen geöffnet. © Jörg Heckenkamp (A)
Corona-Krise in Werne

15 statt 100 Bewerber: Gastronom und Hotelier in Werne finden kaum neues Personal

Die Biergärten, Restaurants und Hotels sind wieder geöffnet. Das sorgt für Erleichterung und für große Herausforderungen bei Gastronomen und Hoteliers in Werne. Denn die Suche nach Personal ist schwieriger denn je.

Die Freude über die Öffnungsschritte in der Gastronomie und Hotellerie ist nicht nur bei den Gästen spürbar. Das Ende des Lockdowns stellt viele Geschäftsleute aber vor die nächste Herausforderung: Sie müssen in Windeseile ihre Betriebe wieder hochfahren. Doch manchmal geht das nur mit Einschränkungen. Denn oft fehlen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich längst in andere Branchen umorientiert haben. In Werne ist das etwa im Strobels im Solebad spürbar. Weil die Verantwortlichen der Gastronomie im Solebad händeringend nach neuem Personal suchen, öffnet das Restaurant derzeit nur am Wochenende. Und der Kiosk im Freibad kann ebenfalls noch nicht an jedem Tag geöffnet werden.

In dieser Woche, so Björn Lepke, werde er deshalb selbst hinter dem Tresen stehen. „Wir tun alles, was in unserer Macht steht. Aber im Moment gibt es nur ein eingeschränktes Angebot“, sagt einer der beiden Geschäftsführer des Strobels im Solebad. So kann er aktuell keine genauen Öffnungszeiten für den Kiosk nennen. „Das hängt nicht vom Wochentag ab. Wir öffnen den Kiosk, immer wenn es heiß ist, also über 25 Grad sind, und wir genug Leute haben“, erklärt Lepke.

Personal fehlt im Strobels im Solebad Werne

Aber genau das ist das Problem. An allen Ecken und Enden fehlen derzeit Arbeitskräfte. Ob in der Küche oder im Servicebereich – mindestens zehn neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter benötigen die Betreiber, um wieder einen Normalbetrieb herstellen zu können. Neben dem Restaurant im Eingangsbereich des Solebads kümmert sich das Team des Strobels‘ auch um die Gastronomie im Solebereich und eben um den Kiosk im Freibad.

Die beiden Betreiber des Strobels im Solebad, Björn Lepke (l.) und Falko Husmann, müssen derzeit mit deutlich weniger Personal auskommen.
Die beiden Betreiber des Strobels im Solebad, Björn Lepke (l.) und Falko Husmann, müssen derzeit mit deutlich weniger Personal auskommen. © Andrea Wellerdiek (A) © Andrea Wellerdiek (A)

Im Moment sind hier insgesamt neun Arbeitskräfte beschäftigt. Viele einstige Kolleginnen und Kollegen haben mittlerweile einen anderen Job gefunden – etwa in der Pflege. In der Krise und während des monatelangen Lockdowns mussten die Verantwortlichen alle Kräfte in Kurzarbeit schicken. „Verständlicherweise gehen sie dann in andere Branchen, wo sie sich wohl fühlen und sicherer. Wir haben jetzt ja auch die Erfahrung gemacht, dass man die Gastronomie zuerst schließt, wenn es einen Lockdown gibt“, sagt Strobels-Betreiber Björn Lepke.

Nun muss also neues Personal gefunden werden. Und das stellt sich als große Herausforderung dar. Die Devise lautet bei Björn Lepke deshalb weiterhin: „Suchen, suchen, suchen“. Ab Juli planen die Verantwortlichen, dass die Gastronomie zusätzlich auch am Donnerstag öffnen kann. „In der Hoffnung, dass wir bis dahin unser Team verstärkt haben.“

Nachwuchs-Sorgen im Hotel am Kloster

Wie schwierig es ist, geeignetes Personal zu finden, weiß auch Hendrik Kroes, Inhaber des Hotels am Kloster. Dabei plagen ihn allerdings eher Nachwuchs-Sorgen. „Zum ersten Mal ist die Ausbildungsstelle zum Hotelfachmann oder -frau noch unbesetzt.“ Seitdem er und sein Bruder Steffen das Hotel betreiben, gibt es Ausbildungsplätze in der Küche oder im Hotelfach.

Während der Ausbildungsplatz zum Koch im Hotel am Kloster vergeben ist, suchen die Verantwortlichen noch nach einem Azubi als Hotelfachmann - oder frau.
Während der Ausbildungsplatz zum Koch im Hotel am Kloster vergeben ist, suchen die Verantwortlichen noch nach einem Azubi als Hotelfachmann – oder frau. © Hotel am Kloster (A) © Hotel am Kloster (A)

So wenige Bewerbungen wie in diesem Jahr für die maximal drei Azubi-Stellen gab es allerdings noch nie. „In den ersten Jahren haben sich Hunderte auf eine Stelle beworben. Das hat rapide abgenommen. Jetzt sind es 15 Bewerber“, berichtet Kroes.

Oft habe man zunächst über ein Schülerpraktikum Kontakte zu potenziellen neuen Auszubildenden knüpfen können. Doch Praktika fielen zuletzt aus und damit auch die Chance, dem Nachwuchs den Job im Hotel oder im Restaurant näher zu bringen. „Das war immer eine wichtige Schnittstelle. Da konnte man auch zeigen, dass es nicht nur darum geht, Besteck zu polieren oder die Betten zu machen, sondern viel mehr dahinter steckt“, erzählt Kroes.

In diesem Jahr jedoch spielt sicher auch die Corona-Krise eine Rolle bei den Bewerbungen. „Die Jugendlichen überlegen sich vielleicht, ob sie in eine Branche gehen möchten, die krisenanfällig ist, wie sich jetzt ja gezeigt hat.“

Im Hotel am Kloster gibt es wie in jedem Jahr einen Ausbildungsplatz zum Koch und mindestens einen im Hotelfach. „Wir bilden junge Menschen aus, damit sie bei uns bleiben können“, sagt Kroes. So war es auch beim heutigen Küchen-Chef, der der zweite Auszubildende als Koch war, seitdem die Kroes-Brüder das Hotel am Kloster betreiben.

Team im Hotel am Kloster ist nahezu unverändert

Während die Suche nach einem neuen Azubi weitergeht, ist das Team des Hotels ansonsten unverändert geblieben. Von den insgesamt 35 Kräften, die man während der Krise weiter beschäftigen konnte, habe nur eine Mitarbeiterin gekündigt, so Kroes weiter. Sie habe sich aufgrund der Arbeitszeiten umorientiert und arbeite nun in der Fertigungsbranche.

Dass man darüber hinaus alle Kolleginnen und Kollegen halten konnte, würde dem Betrieb nun zu Gute kommen. „Denn die Nachfrage ist in den letzten zehn Tagen enorm gestiegen“, sagt Hendrik Kroes. So liefe die Außengastronomie überproportional gut an. Von einem Wachstum von etwa 40 bis 50 Prozent geht Kroes derzeit aus.

Das allerdings macht jedoch einen kleineren Teil am Gesamtumsatz aus. Einen größeren Teil macht hingegen der Bereich der Tagungen und Veranstaltungen aus. Hier sei die Nachfrage noch deutlich verhaltener. „Der runde Geburtstag wird eher bei uns im Biergarten mit 10 bis 15 Gästen gefeiert anstatt wie üblicherweise mit 40 bis 50 Gästen. Große Feierlichkeiten gibt es bisher so gut wie noch gar nicht.“ Wenn sich das wieder ändert, ist man personell im Hotel im Kloster jedoch gut aufgestellt.

Wer Interesse an einer Arbeitsstelle (Service oder Küche) im Strobels im Solebad hat, kann sich per E-Mail an Betreiber Björn Lepke wenden unter info@strobels-solebad.de

Über die Autorin
Redaktion Werne
Studium der Sportwissenschaft. Nach dem Volontariat bei Lensing Media zunächst verantwortlich für die digitale Sonntagszeitung, nun in der Lokalredaktion Werne der Ruhr Nachrichten.
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