Ab in die Corona-Quarantäne: Wie bekommen wir den Kühlschrank voll?

hzKolumne Klare Kante

Klar, das Corona-Virus beeinträchtigt unseren Alltag. Aber wir haben gelernt, damit umzugehen. Corona – mittlerweile der Normalfall. Doch dann ist die Pandemie auf einmal am eigenen Leib zu spüren.

Werne

, 02.10.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Urlaubsreisen, vor allem ins Ausland, sind geprägt von der Corona-Unsicherheit. So auch unsere Boat-and-Bike-Tour in Holland. Drei Tage, bevor der Mix aus Flusskreuzfahrt und Fahrradtouren in Amsterdam starten sollte, kam die Risiko-Warnung. Nord- und Süd-Holland, und damit ein großer Teil der niederländischen Küstenlinie, waren plötzlich Risikogebiet.

Während wir uns bereits nach Alternativen in Deutschland umsahen (kaum zu bekommen, und wenn, sauteuer), trudelte quasi in letzter Minute die Nachricht vom Reiseveranstalter ein: Die Fahrt könne stattfinden, man habe eine Route außerhalb der beiden betroffenen Provinzen improvisiert. Startpunkt sei nun Utrecht.

Mit einem flauen Gefühl ging‘s nach Utrecht

Mit einem etwas flauen Gefühl setzten wir uns am Starttag ins Auto. Durch die Improvisation war Einiges mit den Buchungen durcheinandergeraten. Doch schließlich hatten wir in Utrecht unser Schiff und unsere Kabine gefunden.

Nachdem sich die Aufregung gelegt hatte, setzte allmählich Urlaubsstimmung ein. Das schöne Wetter und die ersten Fahrradtouren trugen ihren Teil zur Entspannung bei. Doch die währte nur vier Tage. Denn am Mittwochabend erklärte die Bundesregierung auch die niederländische Region um Utrecht zum Risikogebiet. Dort waren wir gestartet, dort legte das Schiff wieder an.

Viel Unruhe und Unsicherheit auf dem Schiff

Wir – und alle anderen Passagiere, die aus Deutschland kamen – verlebten einen unruhigen Donnerstag. Mit vielen Internetrecherchen, vielen Telefonaten, vielen Gesprächen. Schließlich war klar: Wenn wir am Samstag zurückkehren, müssen wir in häusliche Quarantäne. Ein Corona-Test in den Niederlanden war nicht möglich, in Werne erst am Montagmorgen beim Hausarzt. Danach: Warten auf das Resultat, das ans Gesundheitsamt schicken und das hebt dann offiziell die Quarantäne auf.

Jetzt lesen

Diese Corona-Maßnahmen legten sich wie ein grauer Schleier über die letzten Urlaubstage. Die Leichtigkeit war dahin. Unsicherheit war das dominierende Gefühl. Man merkte, dass auch die anderen Passagiere angespannt waren. Wer sich auf dem Schiff mit runtergerutschter Maske bewegte, fing sich böse Blicke ein. Man hielt noch mehr Abstand als bisher. Das Virus zersetzte die unbeschwerte Ferien-Stimmung.

Praktische Frage: Wie bekommen wir den Kühlschrank voll?

Wir hatten ganz praktische Fragen zu klären: Vorräte und Kühlschrank waren leer. Also beschlossen wir, ausgiebig noch vor der Heimfahrt in Utrecht einzukaufen. Wie läuft es mit der Arbeit, wen können wir aktivieren, wenn die Quarantäne länger dauert als geplant? Corona, vorher lästig, war auf einmal ganz präsent. Warf uns aus dem gewohnten Leben.

Ich bin gerne zu Hause. Aber es ist etwas anderes, ob ich freiwillig daheim bleiben möchte, oder ob ich die eigenen vier Wände nicht verlassen darf. Es ist ein enormer Unterscheid. Es ist wie Gefängnis. Aber immerhin, meine technische Ausstattung reichte, um Home-Office zu machen. Das lenkte ab.

Corona-Test sofort am Montagmorgen

Montagmorgen standen wir pünktlich auf der Matte beim Hausarzt für den Corona-Test. Der war schnell erledigt. Wie schnell das Test-Ergebnis vorliegen würde? Meist innerhalb von 48 Stunden. „Kann aber bis zu fünf Tage dauern, wenn‘s schlecht läuft“, meinte die Helferin. Wieder Unsicherheit.

Im Hinterkopf lauerte zudem die meist verdrängte Frage, was passiert, wenn der Test schlecht ausfällt. Aber er war zum Glück negativ und innerhalb von 24 Stunden da. Jetzt noch das Gesundheitsamt informieren und auf deren Bescheid warten. Dann, endlich, kann ich raus aus der häuslichen Quarantäne. War ich froh, wieder am Schreibtisch in der Redaktion sitzen zu können.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt

Das Coronavirus beschäftigt die Menschen seit Monaten. Auch Werne und Herbern bleiben von den Folgen nicht verschont. Wir berichten hier über die aktuelle Lage. Von Jörg Heckenkamp, Felix Püschner, Andrea Wellerdiek, Eva-Maria Spiller, Sylva Witzig, Tobias Larisch

Lesen Sie jetzt