Ratlosigkeit über abgemähte Blühwiesen in Werne

hzBlühstreifen in Werne

Eigentlich standen verschiedene Blühwiesen in Werne noch vor wenigen Tagen. Jetzt liegen die Blumen abgemäht am Boden. ADFC-Mitglied Karl-Peter Kauth macht das ratlos.

Werne

, 24.07.2020, 16:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als ADFC-Mitglied Karl-Peter Kauth sich Mitte der Woche auf sein Fahrrad setzte, um die vorbereitete Blühstreifen-Tour des Ortsvereins zu fahren, staunte er nicht schlecht, als er an der B 54 gegenüber vom Autohaus Schmidt keine blühende Blumenwiese mehr fand, sondern ein Stoppelfeld.

Da, wo in den vergangenen Wochen eine Blumenwiese die B 54 - eine städtische Fläche - auf mehreren Metern begleitete, liegen nun abgemähte und vertrocknete Blumenhaufen. „Ich habe es nicht begriffen, zumal das jetzt die Hochphase der Blühstreifen sein müsste“, sagt Kauth. Zumal die Blumen zum Anfang der Woche noch auf den Felder gestanden hätten.

Er fährt weiter entlang der 35 Kilometer langen Strecke, die der ADFC für die Blühstreifentour konzipiert hat. Auch die anderen etwa sieben Blühfelder, die sich im städtischen Besitz befinden, sind abgemäht. Erklären könne er sich das nicht. Auch wenn natürlich ein Sinn dahinter stecken könnte, so das ADFC-Mitglied.

Die Stadt Werne klärt über den Schnitt der Blumenwiesen auf

Eine Nachfrage bei dem Zuständigen, Burkhard Klinkhammer vom Fachbereich Umwelt der Stadt Werne, schafft Klarheit: „Das ist schon völlig richtig“, sagt Klinkhammer beruhigend. Das Abmähen der Felder habe eigentlich sogar drei Wochen zu spät stattgefunden.

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Denn die insgesamt rund 7000 bis 8000 Quadratmeter an städtischen Flächen seien 2018 mit einer mehrjährigen Blühmischung bestellt worden. Das bedeutet: Im Jahr sind zwei Schnitte nötig, damit die Blumenwiesen ordentlich weiterwachsen. „Die Blumenwiesen sind auf die Schnittnutzung angewiesen“, sagt der Landschaftsökologe.

Zwei Mal im Jahr - einmal gegen Mitte Juni und einmal ab Anfang September - müsse das geschehen. Die gute Nachricht: „Die meisten Pflanzen bilden eine Nachblüte, die kommen dann nochmal“, erklärt Klinkhammer. Vorausgesetzt, dass es weiterhin regelmäßig regnet, rechnet Klinkhammer ab Mitte August mit der zweiten Blüte. Auch wenn die dann nicht mehr so üppig ausfalle wie die erste.

Vor allem aber seien die Schnitte wichtig, damit auch andere Pflanzen der mehrjährigen Blühmischung eine Chance hätten, zu wachsen. „Auch niedrig wachsende Kräuter wie Hornklee und Herbstlöwenzahn haben dann eine bessere Chance“, so der Landschaftsökologe.

Nur die städtische Wiese am Museum steht noch in Blüte

Würden die Blühfelder dementsprechend gepflegt, seien auch langfristig keine Nachsaaten wie bei einjährigen Mischungen nötig, so Klinkhammer. „Die Blüten sind ganz wichtig für viele Insektenarten - als Nektar und Pollenspender für Wildbienenarten und Käferarten, Wanzen etwa. Die ernähren sich davon auch. Da gibt es ein breites Artenspektrum.“

Denn durch die industrielle Landwirtschaft im Verbindung mit Gülle- und Mineraldüngung seien ab den 60er und 70er Jahren diese damals ganz natürlichen Wiesen nach und nach verschwunden. „Das war der Tod artenreicher Wiesengesellschaften“, so Klinkhammer. Nun sollen diese sogenannten Kulturlandschaftsbiotope einen Ausgleich für die Insektenwelt schaffen.

Bei dem Blühstreifen vor dem Stadtmuseum handelt es sich um eine einjährige Mischung. Deswegen steht die Wiese hier noch in voller Blüte.

Bei dem Blühstreifen vor dem Stadtmuseum handelt es sich um eine einjährige Mischung. Deswegen steht die Wiese hier noch in voller Blüte. © Eva-Maria Spiller

Nur die Wiese am Stadtmuseum ist mit einer einjährigen Mischung aus Ackerbegleitpflanzen wie Mohn bestellt, weshalb die Wiese auch jetzt noch in Blüte steht. Der Grund: Hier hatte die Stadt zu spät ausgesät, sodass die mehrjährige Mischung hier für dieses Jahr nicht mehr aufgegangen wäre, erklärt Klinkhammer. Aber auch hier soll im Spätsommer die mehrjährige Mischung ausgesät werden und keimen, damit die Pflanzen dann 2021 blühen.

Der ADFC muss seine Blühstreifen-Tour nun ein wenig anpassen. Doch eine ähnlich lange Alternativtour mit ein paar geänderten Wegeführungen hatte Karl-Peter Kauth am Freitagvormittag schon im Kopf. Die neue Route, die auch an den Blühstreifen von Landwirten vorbeiführt, stellt der ADFC Werne dann auf der Wander-Plattform Komoot online: www.komoot.de/user/111445156512

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