Afrikanische Schweinepest macht Schweinebauer in Werne finanzielle Sorge

hzAfrikanische Schweinepest

In Brandenburg ist im September 2020 das Virus der Afrikanischen Schweinepest bei Wildschweinen nachgewiesen worden. Auch wenn es für den Menschen ungefährlich ist, bedeutet es für Schweinebauern eine finanzielle Gefahr.

Werne

, 03.10.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Wenn die Preise so ein halbes Jahr anhalten, dann halten wir das finanziell gar nicht aus“, sagt Martin Schulze Twenhöven aus Werne. Der Bauer kauft Ferkel auf und mästet diese auf 90 Kilo, bevor Viehhändler diese aufkaufen und an Schlachthöfe weiterverkaufen. Eigentlich.

Denn zuerst hatte das Coronavirus die Nachfrage nach Schweinen in Deutschland einbrechen lassen, weil einerseits durch die Schließung der Restaurants, Kantinen und Mensen die Nachfrage nach Schweinefleisch gesunken war und andererseits Betriebe wie Tönnies durch die Corona-Ausbrüche in den Schlachtbetrieben ihre Kapazitäten reduzieren mussten, bevor die Afrikanische Schweinepest (ASP) im September in Brandenburg auftauchte.

Martin Schulze Twenhöven: „Jetzt ist es nochmal doppelt so schlimm“

„Wir haben schon wegen Corona einen Teil nicht abliefern können, da wurden nur die schwersten Schweine abgenommen. Jetzt ist es nochmal doppelt so schlimm“, sagt Schulze Twenhöven. „Wir verkaufen unter Preis. Die Schlachthöfe schlachten nicht mehr so viel und wir kriegen weniger Geld. „Jetzt ist man froh, wenn die Schweine überhaupt abgeholt werden“, so der Werner. Um rund 60 Prozent, schätzt der Landwirt, sei seine Nachfrage eingebrochen.

Dabei ist die Afrikanische Schweinepest bisher erst bei Wildschweinen in Brandenburg nachgewiesen worden: 38 Fälle sind es bis Mittwoch (30. September) in den Landkreise Spree-Neiße (37) und dem Landkreis Märkisch-Oder (1). Bisher sind noch keine Hausschweine in Deutschland positiv auf das Virus getestet worden. Dennoch ist der Schweinepreis rapide gesunken. Das hatte die Interessengemeinschaft der Schweinehalter in Deutschland (ISN) Ende 2018 bereits vorausgesagt.

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Matthias Quaing von der ISN hatte erklärt, dass beim Auftreten der ASP in Deutschland die Schweinehalter aus der Panik heraus versuchten, viele Schweine noch kurzfristig zu verkaufen und der asiatische Markt, der im Jahr 2017 400.000 Tonnen an Nebenprodukten des Schweines wie Schwänze, Pfoten, Ohren und Bauch abgenommen hatte, Deutschland als Importland sperrt. Beides ist jetzt eingetreten.

„Deutschland ist für den Export in die meisten Drittländer, unter anderem in China und Südkorea, gesperrt.“ Dabei sei die Nachfrage in Asien im vergangenen Jahr noch einmal gestiegen, weil das Angebot an Schweinefleisch dort knapp ist - 585.000 Tonnen gingen aus Deutschland nach China, 105.000 Tonnen nach Südkorea. Und die Preise dort seien sehr viel höher. „Die afrikanische Schweinepest hat dort fast jedes zweite Schwein verschwinden lassen. Das entspricht annähernd jedem vierten Schwein weltweit“, so Quaing.

Schweinebauern erleiden 35.000 Euro Verluste jeden Monat

Zeitgleich sei aber die Nachfrage nach deutschem Schwein etwa in Spanien, den Niederlanden, Dänemark und den USA gestiegen. Der Schweinepreis ist aber dennoch eingebrochen: „Von über zwei Euro zu Jahresbeginn auf nur noch 1,27 je Kilogramm Schlachtgewicht“, so Quaing. „Je Schwein entspricht das einem Erlösrückgang von rund 70 Euro.“ 500 Schweine verkaufe ein Halter in NRW im Durchschnitt im Monat. „Das entspricht also Mindereinnahmen von 35.000 Euro, jeden Monat“, so Quaing.

Der Preis für Ferkel, die pro Stück verkauft werden, ist derweil von rund 80 Euro auf 27 Euro gesunken. Für die deutschen Schweinefleisch-Konsumenten bedeutet das: „Der deutsche Markt wird also die Mindererlöse entweder auffangen müssen oder das Fleisch kommt in Zukunft aus anderen Ländern nach Deutschland (zum Beispiel Spanien). Tönnies hat ganz aktuell schon angekündigt, in Spanien einen großen Schlachthof bauen zu wollen“, so Quaing.

Den Landwirten bleibt derweil nur, die eigene Biosicherheit im Auge zu behalten, also etwa betriebsfremde Personen herauszuhalten und Schweineställe und Futterstellen gegen Schwarzwild (Wildschweine) abzusichern. „Auf unseren Betrieb passen wir natürlich auf“, so Schulze Twenhöven. Denn in der Vergangenheit, etwa beim Auftreten des BSE-Virus zur Jahrtausendwende, mussten betroffene Landwirte in Deutschland ganze Bestände vernichten, um die Ausbreitung des Virus zu verhindern.

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