Amazon in Werne reagiert ganz besonders auf die Corona-Krise

hzWirtschaft in Werne

In der Corona-Krise boomt der Online-Handel. Profiteur ist vor allem der Branchenriese Amazon. Auch im Logistikzentrum in Werne reagiert man auf die Auftragslage - mit mehr Personal und Lohn.

Werne

, 13.04.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

In Zeiten der Corona-Krise lassen sich viele Bürger ihre Waren lieber nach Hause schicken, als sie selbst einzukaufen. Der Online-Handel boomt - nicht nur bei Hygiene- oder Drogerieartikeln oder lange haltbaren Lebensmitteln. Der Onlineversandhändler Amazon hat so viele Aufträge, dass die Lieferung einiger Produkte länger dauert als üblicherweise.

Auch im Logistikzentrum in Werne ist die steigende Nachfrage spürbar. Deshalb wird auch für diesen Standort mehr Personal gesucht. Und für die angestellten Mitarbeiter bedeutet der besondere Umstand eine Lohnerhöhung.

Längere Lieferzeiten in der Corona-Krise

Aus Werne werden zurzeit vor allem Hygiene- und Drogerieartikel, lange haltbare Lebensmittel wie Nudeln sowie Babywindeln und Toilettenpapier ausgeliefert, wie Werksleiter Ivan Saric (33) erklärt. Vor allem Nudeln seien schnell vergriffen, sogar schneller als Toilettenpapier. „Vier Lkw-Lieferungen an Spaghetti waren mal an einem Tag weg“, erzählt der Geschäftsführer des Standorts Werne.

Amazon in der Corona-Krise: Chef Ivan Saric (r.) und Brandschutzbeauftragter Martin Pausch berichten über die verstärkten Sicherheitsvorkehrungen im Werner Amazon-Werk und wie Amazon auf die steigende Auftragslage reagiert.

Geschäftsführer Ivan Saric (r.) und Brandschutzbeauftragter Martin Pausch berichten über die verstärkten Sicherheitsvorkehrungen im Werner Amazon-Werk. Das Gespräch fand auf dem Amazon-Parkplatz statt, weil derzeit keine externen Besucher im Gebäude erlaubt sind zum Schutz der Mitarbeiter. © Andrea Wellerdiek

Aufgrund der veränderten Nachfrage nach bestimmten Artikeln wurde das Sortiment im Werner Werk vor gut drei Wochen komplett umgestellt. Einige Technikartikel wie etwa Fernseher oder Mikrowellen sowie Gartenliegen wurden komplett aus dem Logistikzentrum in Werne genommen.

Stattdessen konzentriert man sich nun auf die Abwicklung von Bestellungen der in der Corona-Krise stark benötigten Artikel. Diese werden auch priorisiert versendet, wie Saric erklärt. Bei anderen Artikeln kann es deshalb zu längeren Lieferzeiten als üblich kommen.

Neues Personal auch bei Amazon in Werne gesucht

Um auf die neue Auftragslage zu reagieren, suchen die Verantwortlichen neues Personal. Aktuell werden 350 zusätzliche Voll- und Teilzeitstellen in den Logistikzentren in Deutschland geschaffen. Wie viele Stellen das in Werne sind, ist nicht darstellbar, weil die zusätzlichen Stellen nicht auf einzelne Standorte runtergebrochen werden, heißt es aus der Pressestelle von Amazon.

Im Werk in der Lippestadt haben aber bereits 110 neue Arbeitnehmer seit dem Ausbruch des Coronavirus begonnen. Darunter seien laut Geschäftsführer Saric etwa 20 bis 25 Prozent, die aus gerade gebeutelten Branchen kommen.

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„Wir wissen, dass viele Menschen wirtschaftlich betroffen sind, da Arbeitsplätze in Bereichen wie Hotels, Restaurants und Reisen als Teil dieser Krise wegfallen. Wir möchten, dass diese Menschen wissen, dass wir sie in unseren Teams willkommen heißen, bis sich die Dinge wieder normalisieren und ihr früherer Arbeitgeber in der Lage ist, sie weiter zu beschäftigen“, erklärt auch Pressesprecher Michael Schneider.

In Werne suchen die Verantwortlichen nach Ostern weiteres Personal im Versand. Auch eine kurzfristige Beschäftigung von wenigen Monaten sei möglich, erklärt Ivan Saric.

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Bei Amazon in Werne gelten in der Corona-Krise strikte Hygieneregeln

Einbahnstraßenregelung, Sicherheitsabstand und viele Desinfektionsmittel-Spender: Im Logistikzentrum von Amazon in Werne herrschen aktuell strikte Hygieneregeln zum Schutz der Mitarbeiter in Zeiten der Corona-Krise.
15.04.2020
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Amazon in der Corona-Krise: Gleich am Eingang wird klar, welche strikten Hygienemaßnahmen im Werner Amazon-Werk herrschen.© Andrea Wellerdiek
Schwarzgelbe Markierungen auf den Böden weisen auf den Sicherheitsabstand hin. Dieser gilt auch auf den Fußwegen von den Parkplätzen zum Eingang des Logistikzentrums.© Andrea Wellerdiek
Immer auf Abstand: Die Amazon-Mitarbeiter sitzen in der Pause immer mit gewissem Sicherheitsabstand zueinander.© Andrea Wellerdiek
Blick in die Kantine: Auch hier wurden Tische und Stühle bewusst auseinander gestellt, um den Sicherheitsabstand einzuhalten.© Andrea Wellerdiek
Der entzerrte Bereich der Kantine. Die meisten Mitarbeiter halten sich an den vorgesehenen Sicherheitsabstand von zwei Metern.© Amazon
Pro Schicht sind zehn Mitarbeiter extra dafür abgestellt, die Sicherheitsabstände zwischen den Mitarbeitern zu kontrollieren.© Andrea Wellerdiek
Zwischen den Lagern sind auch die schwarzgelben Markierungen zum Sicherheitsabstand zu sehen.© Amazon
Im Amazon-Logistikzentrum in Werne gilt die Einbahnstraßenregelung. Das führt zu längeren Fußwegen. Deshalb wurden die Pausen verlängert.© Amazon
Für jeden Mitarbeiter stehen Atemschutzmasken zur Verfügung. Jeder Einzelne darf entscheiden, ob er die Maske tragen möchte oder nicht. Etwa 30 bis 40 Prozent der Belegschaft trägt die Atemschutzmasken freiwillig, erzählt Ivan Saric, Geschäftsführer des Werner Logistikzentrums.© Amazon
Desinfektionsmittel-Spender gibt es etwa im Abstand von 50 Metern im Werner Amazon-Werk.© Amazon
Nur noch Artikel bis maximal 15 Kilogramm werden aus dem Werner Logistikzentrum versendet. Artikel, die schwerer sind, müssten zu Zweit getragen werden. Und da kann der Sicherheitsabstand nicht eingehalten werden.© Amazon
Der Bereich an den Schließfächern für Mitarbeiter wurden in der Corona-Krise entzerrt. Außerdem sollen die Mitarbeiter ihre Taschen und Jacken möglichst im Auto lassen.© Jörg Heckenkamp

Zusätzlich zwei Euro Stundenlohn

Sie beginnen laut Pressesprecher Michael Schneider mit einem Basislohn bei umgerechnet 11,55 Euro brutto. Er steigt nach zwölf Monaten Betriebszugehörigkeit auf 13,39 Euro und nach 24 Monaten Betriebszugehörigkeit auf 14,05 Euro brutto. In der Corona-Krise bekommen die Versandmitarbeiter in Deutschland und Österreich bis Ende April zusätzlich 2 Euro brutto pro Arbeitsstunde. Das gilt auch für Neueinsteiger.

In der Kantine sind die Tische und Stühle so platziert, dass die Mitarbeiter den Sicherheitsabstand von zwei Metern einhalten können.

In der Kantine sind die Tische und Stühle so platziert, dass die Mitarbeiter den Sicherheitsabstand von zwei Metern einhalten können. © Andrea Wellerdiek

Außerdem werden bis Ende des Monats für eventuelle Überstunden ein Zuschlag von 100 Prozent bezahlt. Ebenso sind die Pausenzeiten im Werner Logistikzentrum um einige Minuten verlängert worden, um den nötigen Abstand auf dem Weg zurück an den Arbeitsplatz zu gewährleisten, erklärt Ivan Saric. Denn auch hier gilt strikt die Einhaltung eines Sicherheitsabstandes von zwei Metern.

In Deutschland sind nach eigenen Angaben mehr als 13.000 festangestellte Mitarbeiter in den Logistikzentren tätig. In Werne sind etwa 1500 Mitarbeiter beschäftigt.

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