Bahnhof in Werne: Warten auf das zweite Gleis nimmt rekordverdächtige Züge an

hzVideo-Kolumne Heidewitzka

Das Warten auf das zweite Gleis zwischen Münster und Lünen geht weiter - und nimmt allmählich rekordverdächtige Züge an. Denn besagtes Gleis war schon vor der Eröffnung des Werner Bahnhofs geplant. Darum geht‘s diesmal in unserer Video-Kolumne „Heidewitzka“.

von Heidelore Fertig-Möller

Werne

, 14.11.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Im Oktober des Jahres 1928 wurde die Bahnstrecke Münster-Dortmund (damals noch genannt Münster-Preußen ) und damit auch der Bahnhof Werne feierlich eröffnet. Schon Albert von Maybach, 1822 in Werne geboren und Ehrenbürger von Werne, versuchte als preußischer Eisenbahnminister (1877 bis 1891), seine Heimatstadt an das öffentliche Eisenbahnnetz anzuschließen.

Erste Planungen um 1900 sahen zunächst vor, die Bahn von Werne, Herbern, Capelle, Ascheberg und Ottmarsbocholt nach Münster zu führen. Zeitweise sollte die Streckenführung an Werne vorbeiführen, doch die Abteufung von Schacht I und II der Zeche Werne im Jahre 1899 verschaffte der Stadt ein wichtiges Argument, um an die Eisenbahnstrecke angeschlossen zu werden.

Nach einigen Verzögerungen empfahl die „Königliche Eisenbahndirektion Münster“ 1913 dem Magistrat von Werne, die an der geplanten Strecke liegenden Äcker nicht mehr landwirtschaftlich zu nutzen, da die Arbeiten bald mit dem Bau einer Feldbahn, die Schotter, Schwellen und andere Materialien heranschaffen sollte, beginnen würden.

Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges im Sommer 1914 brachte das Vorhaben dann fast gänzlich zum Erliegen und erst 1920, vor genau 100 Jahren, begann man wieder im Bereich Lünen-Werne mit den Arbeiten an der neuen Bahnstrecke. Aber die Finanzierung war nach dem Ende des Ersten Weltkrieges nicht mehr gesichert, so dass die Löhne für die Arbeiter nicht gezahlt werden konnten.

Früher Bau des zweiten Gleises scheiterte am Kostenfaktor

Schließlich einigte man sich, dass aus Kostengründen die Bahnstrecke nur noch eingleisig gebaut werden sollte, den Unterbau aber für zweigleisigen Betrieb herzurichten. 1926 wurden die Streckenbauarbeiten im Rahmen der Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen wieder aufgenommen. Zwei Jahre später - nach fast 30 Jahren Planen und Bauen - kam für die an der Strecke liegenden Städte und Gemeinden dann der große Tag der Eröffnung der langersehnten Eisenbahnstrecke zwischen Münster und Dortmund.

So sah der Werner Bahnhof früher einmal aus.

So sah der Werner Bahnhof früher einmal aus. © Förderverein Stadtmuseum

In Münster versammelten sich am Morgen des 17. Oktober die geladenen Gäste im Empfangszimmer des Münsteraner Bahnhofs – um 11.45 Uhr setzte sich der erste Zug in Bewegung und traf um 14.42 Uhr im Werner Bahnhof ein, wo das Endziel der Eröffnungsfahrt war, denn nur Werne hatte sich bereit erklärt, die Bewirtungskosten für die Festgesellschaft zu übernehmen. Vom Bahnhof aus, der damals noch auf freiem Feld lag, begab man sich in einem Umzug durch die geschmückte Stadt ins Kolpinghaus zum Festessen für die über 200 geladenen Gäste.

Ein Film über diese Eröffnungsfeierlichkeiten wurde vom damaligen Kinobesitzer Carl Brauckhoff gedreht und 1980 vom Museumsförderverein auf 16mm umkopiert, damit er im Museum jederzeit vorgeführt werden konnte. Heute kann man ihn als DVD im Museum und beim Verkehrsverein Werne am Roggenmarkt käuflich erwerben.

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Der Bahnhof wurde zunächst mit „Werne (Lippe)“ benannt, erst 1930 erhielt er dann die Bezeichnung „Werne a. d. Lippe“, die heute noch Gültigkeit besitzt – das alte Bahnsteigschild hängt seit 2005 im ersten Obergeschoss des Werner Museums.

Zum Glück wurden die Strecke und der Bahnhof Werne im Zweiten Weltkrieg kaum beschädigt, so dass der Betrieb bald wieder aufgenommen werden konnte. Im Jahre 1968 endete dann die Ära der Dampf- und Diesellokomotiven, denn die Strecke wurde elektrifiziert – der Wasserturm in der Nähe des Bahnhofs war nun nicht mehr von Nöten. Seit 1971 fahren nun sogar Intercitys durch Werne.

Große Feiern, lange Unterführung - und dann kam die Polizei

1978 feierte die Deutsche Bundesbahn mit Sonderzügen, Musik und Sonderstempel das 50-jährige Bestehen dieser Strecke. Zehn Jahre später, 1988, gab es dann eine große Sonderausstellung anlässlich des 60-jährigen Bestehens im Stadtmuseum Werne und ein 2,50 mal 1,50 großes Modell der Eröffnungsfeierlichkeiten von 1928, finanziert vom Museumsförderverein, wurde eingeweiht. In den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts kam endlich die Unterführung, die es vor allem den Schülern der beiden Gymnasien ermöglichte, direkt zu ihrem Schulzentrum am Lindert zu gelangen.

Der Eingang zur Unterführung. Besonders schön ist es hier nicht - aber es stinkt zumindest nicht mehr so sehr wie früher im Bahnhofsgebäude.

Der Eingang zur Unterführung. Besonders schön ist es hier nicht - aber es stinkt zumindest nicht mehr so sehr wie früher im Bahnhofsgebäude. © Felix Püschner

Die Wiederbelebung des Bahnhofsgebäudes und des Bahnhofsvorplatzes, nachdem die Schalterhalle und die Bahnhofsgaststätte Ende der 80er Jahre geschlossen worden waren, konnte mit dem Einzug der Polizeidienststelle, der Renovierung des Bahnsteiges und dem Einbau eines Aufzuges im Jahre 2005 mit einem großen Bahnhofsfest begangen werden.

Der immer wiederkehrende Wunsch nach Zweigleisigkeit dieser Strecke von Münster nach Lünen ist bis heute, 92 Jahre nach ihrer Eröffnung, leider immer noch nicht in Erfüllung gegangen.

Das geflügelte Eisenbahnrad auf dem Bahnhofsdach wurde bereits 1928 angebracht - und nach der Restaurierung im Jahr 2002 gestohlen. Zum Glück tauchte es kurze Zeit später wieder auf.

Das geflügelte Eisenbahnrad auf dem Bahnhofsdach wurde bereits 1928 angebracht - und nach der Restaurierung im Jahr 2002 gestohlen. Zum Glück tauchte es kurze Zeit später wieder auf. © Felix Püschner

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