Banken in Werne trotzen der Krise: Mehr Onlinebanking, weniger Bargeld und neue Kredite

hzKreditinstitute in Werne

Die Corona-Krise hat das Kundenverhalten bei den Banken stark verändert. Immer mehr Werner nutzen Online-Banking und das bargeldlose Bezahlen. Bei Kreditverträgen gibt es einen überraschenden Trend.

Werne

, 04.08.2020, 10:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mit EC-Karte statt mit Bargeld zahlen oder Überweisungen per Online-Banking statt mit Überweisungsträger in der Filiale erledigen - die Corona-Krise hat dafür gesorgt, dass die Kunden bei der Volksbank und der Sparkasse ihr Nutzerverhalten stark verändert haben.

Das ist vor allem bei den Online-Diensten beider nicht-börsennotierter Kreditinstitute spürbar. Etwa zehn Prozent mehr Kunden haben sich in den vergangenen sechs Monaten für das Online-Banking der Volksbank Kamen-Werne angemeldet, wie Pressesprecher Philipp Gärtner erklärt. Davon nutzt die Hälfte die VR-Banking-App über mobile Endgeräte. „Das ist für die kurze Zeit schon ein sehr guter Wert“, erklärt Gärtner.

Demnach seien mittlerweile auch viele ältere Kunden auf das Online-Banking umgestiegen. „Mal eben in die Stadt fahren und Kontoauszüge ausdrucken - das machen zurzeit weniger Kunden“, so Gärtner weiter. Denn auch den Online-Postkorb, in dem die Kontoauszüge zehn Jahre lang gespeichert werden, nutzen 16 Prozent mehr Kunden.

Online-Banking wird bei Kunden immer beliebter

Von einer ähnlichen Entwicklung berichten die Verantwortlichen der Sparkasse an der Lippe. Demnach wurde das telefonische Service-Angebot um 20 bis 30 Prozent stärker genutzt als vor der Pandemie. Ebenfalls ist ein Anstieg bei den telefonischen Beratungen zu verzeichnen. Auch das Angebot, Online-Produktabschlüsse in der Internetfiliale der Sparkasse eigenständig durchzuführen, haben die Kunden vermehrt genutzt.

Das klassische Online-Banking nutzen mehr als 50 Prozent der Kunden - inklusive der zugehörigen App. „Die Nutzungszahlen liegen weiterhin auf einem hohen Niveau und steigen kontinuierlich an. Covid 19 hat diesen seit längerer Zeit bestehenden Trend zusätzlich unterstützt“, erklärt Barbara Thöne, Leiterin des Vorstandssekretariats der Sparkasse an der Lippe.

Bargeldloses Zahlen häufiger genutzt

Neben dem Online-Bankgeschäft bezahlen die Kunden auch deutlich häufiger mit der EC- oder Kreditkarte oder per App, berichten die Verantwortlichen beider Kreditinstitute. Dies führe bei der Sparkasse zu weniger Bargeldabhebungen. Bei der Volksbank heben die Kunden hingegen ähnlich viel Bargeld wie vor der Krise ab, so Pressesprecher Philipp Gärtner.

Auch die Kundenberatungen, die vor allem im Lockdown telefonisch erfolgt sind, würden vor Ort wieder ähnlich häufig wie vor der Pandemie stattfinden, heißt es aus den Kreditinstituten. In den Filialen gelten dann natürlich die corona-bedingten Hygieneregeln.

Investitionsbedarf ist da

Wie vor der Krise geht es dann etwa um eine Kreditaufnahme. Hier habe man bei Privatkunden keinen negativen Trend nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie erkennen können, berichten die Verantwortlichen der Sparkasse und Volksbank unisono.

Aktuell gebe es auch durch den gesenkten Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB) ein niedriges Zinsniveau. „Die Zinsen für Verbraucherkredite sind im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nahezu unverändert. Zinsanpassungen sind abhängig von der zukünftigen Entwicklung der Zinsen am Kapitalmarkt, die nur schwer vorhersehbar ist. Wir gehen allerdings von einem dauerhaft sehr niedrigen Zinsniveau aus“, erklärt Barbara Thöne von der Sparkasse.

Die Sparkassen-Geschäftsstelle am Markt in Werne wird nun wieder häufiger für persönliche Kundengespräche aufgesucht. Im Lockdown fanden viele Beratungen telefonisch oder in der Internetfiliale statt.

Die Sparkassen-Geschäftsstelle am Markt in Werne wird nun wieder häufiger für persönliche Kundengespräche aufgesucht. Im Lockdown fanden viele Beratungen telefonisch oder in der Internetfiliale statt. © Julian Reimann (A)

Im Firmenkundenbereich sei der Investitionsbedarf weiter vorhanden, sodass auch hier weiter Kredite geschrieben werden. Die vom Land geförderten Kredite der KfW-Bankengruppe werden in beiden Häusern ebenfalls gut angenommen.

Angst vor Kreditausfällen gibt es in Werne noch nicht

Die Befürchtung einiger Finanzexperten, genossenschaftliche Banken wie die Volksbank könnten insbesondere von Kreditausfällen von kleinen bis mittelständischen Firmen betroffen sein, kann Pressesprecher Philipp Gärtner nicht bestätigen. Bei der Volksbank Kamen-Werne habe es bislang keine Probleme bei der Zurückzahlung von Krediten bei den Unternehmen gegeben.

„Unser Haus ist zuversichtlich, dass unsere Kunden die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise meistern und damit auch die Kredite zurückzahlen werden. Auffälligkeiten bestehen hier derzeit nicht und werden sicherlich auch erst mit einem gewissen Zeitverzug erkennbar sein“, sagt Barbara Thöne von der Sparkasse.

Experten halten neue Bankenkrise für wahrscheinlich

Diese Entwicklung ist nicht selbstverständlich, wenn man auf die Analyse der Finanzexperten in der Krise schaut. Laut einer Studie des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH) sind aufgrund von Unternehmensinsolvenzen und der häufig damit verbundenen Zahlungsunfähigkeit mit einem deutlich hohen Anstieg an Kreditausfällen zu rechnen.

„Selbst wenn es für die deutsche Wirtschaft sehr gut läuft, halten wir eine neue Bankenkrise für wahrscheinlich“, sagt IWH-Präsident Reint Gropp, der die Studie mit verfasst hat.

Wenn viele Kredite ausfallen und dadurch die Kernkapitalquote der betroffenen Banken unter sechs Prozent fällt, werden sie umstrukturiert, mit anderen Instituten verschmolzen oder ganz geschlossen. In jedem Fall wäre es ihnen unmöglich, neue Kredite zu vergeben. Dies könnte die ohnehin geschwächte Realwirtschaft zusätzlich stark belasten, sagt Gropp und warnt: „Die Gefahr ist ziemlich hoch, dass eine Bankenkrise eine zweite Rezession auslöst.“

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