Baudezernent zu Streit um Wohngebiet Baaken: „Wir brauchen Wohnraum“

hzWohnungsbau in Werne

Die Anwohner des geplanten Wohngebiets am Baaken fühlen sich von der Stadt übergangen. Die Stadt wiederum irritiert die Kritik der Anwohner. Baudezernent Ralf Bülte äußert sich zu den Kernpunkten.

Werne

, 29.09.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Zwischen den Straßen Baaken, Heinrich-von-Kleist-Straße und Bellingheide im Westen von Werne sollen nach dem Wunsch der Stadt schon im kommenden Jahr circa 75 Wohneinheiten auf einem circa zwei Hektar großen Areal entstehen. Denn der Wohnraum ist knapp und die Nachfrage nach Raum zum Leben groß.

Doch rund 80 Anwohner des neu entstehenden Wohngebietes sträuben sich gegen die Pläne der Stadt: Sie wollen das Baugebiet verhindern - und organisieren dafür immer wieder Demonstrationen in der Werner Innenstadt. Die Stadt wiederum kann die heftigen Reaktionen der Anwohner nicht nachvollziehen. Baudezernent Ralf Bülte war es deshalb wichtig, mit einigen Dingen aufzuräumen.

1. Das Gebiet: Die Demonstranten hatten die Fläche immer wieder als Gewerbemischgebiet bezeichnet. Das, so Bülte, sei aber falsch. Bei dem rund zwei Hektar großen Areal handelt es sich um ein reines Gewerbegebiet, das wegen der angrenzenden Wohnbebauungen einigen Einschränkungen in Sachen Immission unterliege. Das Gewerbe dort habe Anspruch darauf, dort bleiben zu dürfen und einen gewissen Entwicklungsspielraum zu behalten.

„Deswegen ist das Thema Lärm ein besonderes“, so Bülte. Die Garage, die östlich an das Gebiet angrenzt und die die umliegenden Anwohner als eine „Art Berliner Mauer“ bezeichnen, dient mit der aufgesetzten Lärmschutzwand eben dazu, den Lärm aus dem neuen Wohngebiet zu halten. „Wir müssen gesunde Wohn- und Lebensverhältnisse gewährleisten“, sagt Baudezernent Ralf Bülte. Auch wenn die 6,50 Meter hohe Wand nicht schön sei, sei sie für Gewerbe und Anwohner wichtig.

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2. Die Wohneinheiten: Auf dem Gelände entstehen nach jetzigem Stand 75 Wohneinheiten: 29 Miet- oder Eigentumswohnungen im Norden, 20 freistehende Einfamilienhäuser im Osten und im unteren, südwestlichen Teil der Fläche 23 Reihenhäuser, die zum Teil öffentlich gefördert sind. „Wir glauben, dass das ein guter Mix ist, der in Werne nachgefragt wird“, so Bülte. Denn der sei sowohl bei gefördertem Wohnraum als auch bei Einfamilienhäusern hoch. Ursprünglich seien sogar 102 Wohneinheiten in dem Gebiet geplant gewesen. Die Anzahl der Einheiten und Geschosse habe man aber aus Lärmschutzgründen reduziert. Sonst hätte die Lärmschutzmauer noch höher ausfallen müssen, so Bülte.

3. Der Starkregen: „Da wird es ein Regenrückhaltebecken geben“, erklärt Bülte. Und schon heute sei das Gebiet infrastrukturell gut aufgestellt, sagt Gabi Stolbrink: Das Schmutzwasser wird über einen Kanal abgeleitet, das Oberflächenwasser über einen anderen im Süden. Nach aktuell geltendem Baurecht für das Gebiet könnten dort heute 80 Prozent der Fläche versiegelt werden. Das neue Wohnbaugebiet sei also eine Verbesserung so Bülte. Er rechnet mit einer letztendlichen Versiegelung des Baugebietens zwischen 40 und 50 Prozent.

4. Der Verkehr: Der Verkehr zum neuen Baugebiet wird über die Straße Baaken angebunden. Eine Zufahrt über die Heinrich-von-Kleist-Straße hatten die Anwohner abgelehnt, ein Zuweg für Fußgänger und Radfahrer wurde am Ende aber durchgesetzt. Auch die Verbindung vom Baaken in südliche Richtung für Rad- und Fußverkehr zur Bellingheide sei für das Gebiet wichtig, so Bülte. Eine Befürchtung der Anwohner: Der Baaken könnte zu stark von dem zusätzlichen Neubaugebiets-Verkehr belastet werden. Aber die breite Straße sei vom Verkehr vergleichsweise gering belastet, so Bülte.

Die Kritik, dass die Rechnung eine Wohneinheit, ein Stellplatz nicht reiche, sei richtig, sagt der Baudezernent. In dem Neubaugebiet sind analog zu den 75 Wohneinheiten 75 Stellplätze auf und an den Grundstücken geplant. Doch die Grundstücke seien groß, so Bülte, sodass Anwohner auch einen zweiten Stellplatz auf den Grundstücken in Betracht ziehen können. Außerdem wird es in den bis zu acht Meter breiten Straßen auch öffentliche Parkbuchten geben. Und: Bei den öffentlich geförderten Wohneinheiten gehe man davon aus, dass sich nicht jeder Haushalt ein Auto leisten könne. Auch Radstellplätze seien geplant. Man wolle keine unnötige Fläche versiegeln, so Stolbrink.

Im Frühjahr 2021 könnte im Baaken die Bebauung beginnen

Am 2. Juni hatte es den ersten Termin mit den Anwohnern des Gebietes gegeben. „Wir haben die Anwohner vor der Ausschusssitzung informiert“, so Bülte. Außerdem habe es mehrere Gespräche im Rahmen der frühzeitigen Beteiligung gegeben, die nach geltendem Baurecht für die Innenentwicklung sogar gar nicht nötig seien, so Stolbrink. Am 29. Oktober findet eine weitere Bürgerversammlung im Kolpingsaal statt, in den man coronakonform so viele Anwohner hereinlassen wolle wie möglich. Über die Ergebnisse der Beteiligung entscheidet dann der Ausschuss am 1. Dezember. Ebenso wie über die Offenlegung der Pläne, die Anfang 2021 einen Monat andauern soll. Hier können Anwohner noch einmal Stellungnahmen abgeben, die die Stadt miteinbezieht. Nach dieser Beteiligungsrunde soll die Satzung beschlossen werden. Sobald das Baurecht geschaffen ist, könnte im Frühjahr 2021 der Bau des Gebietes beginnen, so Bülte.

Natürlich sei es nicht schön, wenn Flächen, die vorher frei waren, bebaut würden, so der Baudezernent. „Aber wir sind mitten in der Stadt.“ Und dass dort keine 1000 Quadratmeter großen Grundstücke entstünden, sei auch klar, so Stolbrink. „Ich habe jeden Tag Bürger in der Leitung, die händeringend ein Grundstück suchen.“ Und Wohnen sei ein Grundbedürfnis.

„Wir nehmen die Anliegen der Nachbarschaft ernst, aber wir müssen auch weiterkommen“, so Bülte. „Wir planen ja für die Menschen und nicht gegen sie. Dass es Konflikte gibt, steht außer Frage. Aber es kann nicht sein, dass wir deswegen innerstädtische Flächen nicht bebauen dürfen“, so Bülte. „Wir brauchen Wohnraum, das weiß hier jeder.“

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