Das Foto zeigt Jörg Weber, Ratsmitglied der CDU Werne, in den Zillertaler Bergen in Österreich. Dort verbringe er gerne seine Urlaube mit seiner Familie. © Jörg Weber
Porträt

Beruf, Familie, Politik, Karneval – Jörg Weber (48) bringt alles unter einen Hut

Trotz der Corona-Pandemie geht die politische Arbeit in Werne weiter. Am Beispiel von CDU-Ratsmitglied Jörg Weber lässt sich sehen, wie vielfältig der Job in der Lokalpolitik sein kann. Ein Porträt.

Auf dem Markplatz in Werne tummeln sich immer mehr Jecken. Musik tönt laut über die gesamte Fläche. Die bunt gekleideten Karnevalisten stimmen sich auf den Faschingsumzug ein – gemeinsam feiern und tanzen sie. In der Masse ist ein Mann zu sehen, dessen Gesicht die Zeichnung einer Raubkatze darstellt.

Ein Mann voller Facetten

Der Mann in dem Löwenkostüm ist Jörg Weber. Er ist 48 Jahre alt. Weber ist Sitzungspräsident der Karnevalssitzung Hol di fast. „In meiner Freizeit mache ich gerne Karneval und mit meiner Frau war ich auch schon das Prinzenpaar der Stadt Werne”, erzählt er mit freudiger Stimme in einem Telefonat.

Jörg Weber war mit seiner Frau Sarah im Jahre 2017 als närrisches Stadtprinzenpaar aktiv.
Jörg Weber war mit seiner Frau Sarah im Jahre 2017 als närrisches Stadtprinzenpaar aktiv. © Helga Felgenträger (A) © Helga Felgenträger (A)

Die ausgelassene Faschingsstimmung liegt jedoch lange Zeit zurück. In diesem Jahr habe er Karneval aufgrund der Corona-Pandemie anders feiern müssen als sonst. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Sarah und seiner knapp 2-jährigen Tochter habe er bei sich zu Hause kostümiert Karnevalssendungen geschaut.

Weber ist aber nicht nur Karnevalist, sondern vorrangig Mitglied der CDU Werne. Im Alter von 21 Jahren ist er als jüngstes Ratsmitglied auf Seiten der CDU in den Stadtrat Werne eingezogen. „Ich bin sozusagen direkt von der Jungen Union zum Stadtrat gekommen”, berichtet er.

Seitdem habe er schon einige Ämter in der Partei sowie im Stadtrat übernommen. Eine Zeit lang war er jugendpolitischer- und kulturpolitischer Sprecher. Von 1999 bis 2004 war er der stellvertretende Bürgermeister von Meinhard Wichmann. Zudem war er unter anderem Mitglied im Rat der Gemeinden Europas und Fraktionsgeschäftsführer.

Aktuell ist er Vorsitzender des Betriebsausschusses Bad, der für das Solebad zuständig ist. Außerdem ist er Mitglied im CDU-Vorstand in Werne.

Webers Beweggrund für politisches Engagement

Weber muss berufliches und politisches Engagement unter einen Hut bekommen. Diese beiden Arbeiten in Kombination sind vielfältig und zeitaufwendig.

„Wenn man so wie ich im Bad-Ausschuss und im Kulturausschuss ist, sind das die Ausschüsse, auf die man sich besonders gut vorbereitet”, erklärt er. Alle 14 Tage finden zusätzlich Fraktionssitzungen statt, bei denen alle Inhalte besprochen werden.

Bürgermeister Lothar Christ (r.) ehrte 2014 die CDU-Ratsherren Michael Zurhorst (l.) und Jörg Weber für 20-jährige Mitarbeit im Stadtrat.
Bürgermeister Lothar Christ (r.) ehrte 2014 die CDU-Ratsherren Michael Zurhorst (l.) und Jörg Weber für 20-jährige Mitarbeit im Stadtrat. © Daniel Claeßen (A) © Daniel Claeßen (A)

Außerdem verfolgt Weber als politisch engagierter Mensch täglich die Tageszeitung. „Für mich gehört es einfach dazu, dass ich morgens meine ePaper-Ausgabe der Ruhr Nachrichten lese”, sagt er.

„Es ist ein gutes Gefühl, wenn man bemerkt, dass man für seine eigene Stadt, in der man gerne lebt, was tun und erreichen kann”

Er opfere seine Freizeit jedoch gerne für diese zeitfressenden Aufgaben. Denn insbesondere in der Kommunalpolitik habe Weber den Eindruck, dass er noch richtig was bewegen könne. „Es ist ein gutes Gefühl, wenn man bemerkt, dass man für seine eigene Stadt, in der man gerne lebt, was tun und erreichen kann”, sagt er. Als er über seinen Beweggrund für sein politisches Engagement erzählt, erhöht sich seine Stimmlage.

Politische Arbeit muss trotz Corona-Krise weitergehen

Die politische Arbeit in Werne habe sich im Zuge der Corona-Pandemie verändert. Weber sei seither größtenteils im Homeoffice. „Die Arbeit im Büro gibt es seit gut einem Jahr nicht mehr”, berichtet er.

In erster Linie finden die Vorstands- und Fraktionssitzungen virtuell über verschiedene Konferenzplattformen statt. In Hochphasen erfolgten manche Sitzungen mit Maskenpflicht in Präsenz.

Wie das Leben in der Stadt müsse auch die politische Arbeit trotz Corona weitergehen. „Das ist alles halt nur ein bisschen anders als früher”, sagt er. Früher konnten die Ausschusssitzungen noch in einem kleinem Raum im Stadthaus stattfinden. Heute müssen diese in dem großen Sitzungsaal im alten Rathaus oder im Kolpinghaus ablaufen, um die Sicherheitsabstände einhalten zu können.

Auf vielen Fotos ist Jörg Weber mit Krawatte zu sehen. Trotzdem empfinde er sich selbst nicht als den typischen Krawatten-Träger. „Bei offiziellen Anlässen werden die hin und wieder noch getragen, aber eigentlich ist die große Zeit der Krawatten vorbei”, sagt er.

Insbesondere bei konstituierenden Sitzungen im Stadtrat würde er noch eine anlegen. Für solche Fälle habe er eine bunte Auswahl. Und er bestätigt mit einem Lachen: „Ich habe einen ganzen Schrank voller Krawatten”. Von ein auf den anderen Moment erhält seine neutrale Ausdrucksweise eine humorvolle Note.

Belegung der Innenstadt ist eine Herausforderung für die Zukunft

Auf die Frage, welches Geschehen Weber am meisten stolz bezogen auf die Kommunalpolitik in Werne mache, herrscht kurze Stille am Telefon. Dann räuspert er sich.

Am Anfang seiner Karriere sei er stolz darauf gewesen, dass er mit an der Innengestaltung des Kolpinghauses beteiligt war. „Das liegt jetzt natürlich schon einige Jahre zurück. Mittlerweile reden wir schon wieder über die Erneuerung der Möblierung”, sagt er. Dabei wird seine Aussage mit einem lauten Lachten übertönt.

Weber (vorne r.) hat ausgesprochene Moderator-Qualitäten. Hier zusammen bei einer Wahlkampfrunde zur Landratswahl 2020.
Weber (vorne r.) hat ausgesprochene Moderator-Qualitäten. Hier zusammen bei einer Wahlkampfrunde zur Landratswahl 2020. © Jörg Heckenkamp (A) © Jörg Heckenkamp (A)

Das Wort „Schwächen” in Verbindung mit der Stadt Werne hört er nicht gerne. Besser finde er dafür den Begriff Herausforderungen. „Schwächen ist immer so ein Wort, da muss man vorher erstmal eine Positiv-Negativ Analyse gemacht haben”, sagt er. Dennoch sieht er die Belegung der Innenstadt als eine Herausforderung für die Zukunft. Eine Innenstadt würde seiner Meinung nach nur attraktiv bleiben, wenn der Leerstand nicht zu groß ist. „Da werden bald sicherlich zukunftsfähige Konzepte gefragt sein”, so Weber.

Bundestagswahl rückt immer näher

Die Bundestagswahl steht in diesem Jahr am 26. September an. Als Jörg Weber noch Vorsitzender der Jungen Union war, habe er sich noch sehr stark in die Wahlkämpfe mit eingebracht. „Beispielsweise habe ich damals noch mit plakatiert”, beschreibt er. Teilweise würde er das jetzt auch noch machen. Doch mittlerweile fehle ihm dafür häufig die Zeit.

Stattdessen stehe er zwischendurch an den Infoständen der CDU in Werne. Dort spreche er Bürger an, wenn der Bundestagswahlkampf ansteht. „Wie soll es denn eigentlich weitergehen in Deutschland? Wäre die CDU da nicht zumindest eine Alternative?”, seien Fragen, die er häufig stellt.

Vollkommen in seinem Element, nennt Weber Themen, über die er mit den Wernern diskutiere: Ziele und Interessen der CDU, die Zukunft nach Merkel, die Wirtschaft sowie die Klimakrise. „Die Themen-Liste ist da vielfältig, was zum Bundestagswahlkampf so aufs Tableau kommen kann”, sagt er.

Wahlkampf gestaltet sich in Corona-Zeiten schwieriger

Arnd Hilwig, der Kreisvorsitzende der CDU aus Hamm, tritt für den Wahlkreis an. Dementsprechend plane die Partei auch, wie die Werner auf Hilwig aufmerksam werden können.

Das sei in Corona-Zeiten aber gar nicht einfach. Im Gegensatz zu früher könne die CDU keine Parteiveranstaltungen mehr planen oder fremde Veranstaltungen besuchen. „Früher konnte man mit seinem Kandidaten auf ein Schützenfest gehen. Das geht jetzt gerade nicht”, so Weber.

Jörg Weber ist froh, dass die CDU mit Armin Laschet einen Kanzlerkandidaten habe, der gut Kompromisse mit anderen schließen kann. „Ich glaube, dass das eine herausragende Eigenschaft von ihm ist”, sagt er. Diese Kompromissbereitschaft könne ihm auch bei anstehenden Koalitionsverhandlungen helfen.

Weber nimmt an, dass die Chancen für Armin Laschet nicht schlecht stehen. Zudem sagt sein Bauchgefühl ihm, dass die CDU und die Grünen bei der Wahl im Mittelpunkt stehen werden.

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