„Die lachen einen aus“: Betrüger prellen Kasse der Selbstbedienung auf Hof Schulze Blasum

hzLandwirtschaft in Werne

Rund um die Uhr können Kunden auf dem Hof Schulze Blasum in der Selbstbedienung Eier und Kartoffeln kaufen. Die Bezahlung erfolgt auf Vertrauensbasis. Doch immer wieder nutzen Betrüger das aus.

Werne, Stockum

, 17.02.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eigentlich ist es ganz einfach: Man nimmt sich selbst zwei Packungen Eier aus dem Regal und wirft das passende Kleingeld in die Kasse. Es ist das Prinzip der Vertrauenskasse oder vertraulichen Kasse. Doch immer wieder nutzen einige Betrüger genau diesen Vertrauensvorschuss aus. So ist es nun auch wieder auf dem Hof Schulze Blasum in Stockum passiert.

Immer mal wieder kommt es vor, dass die Kasse in der Selbstbedienung am Ende des Tages überhaupt nicht stimmt. Für die verkaufte Ware liegt dann zu wenig Geld in der Kasse.

Ungerecht den ehrlichen Kunden gegenüber

„Das ist nicht nur total schade, sondern echter Diebstahl und Betrug“, sagt Landwirt Johannes Laurenz (34). Außerdem sei es ungerecht gegenüber den vielen Kunden, die ehrlich die Ware bezahlen. Deshalb geht Laurenz auch davon aus, dass es sich um Betrüger handelt, die bewusst große Mengen aus der Selbstbedienung mitnehmen und nicht bezahlen.

Johannes Laurenz resigniert mittlerweile. „Wir müssen es ein Stück weit so hinnehmen. Wir müssen einfach noch häufiger die Kasse leeren, um den Schaden so gering wie möglich zu halten“, sagt der Landwirt. Mindestens einmal im Jahr werde die Kasse aufgebrochen, erzählt er.

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Zum letzten Mal war das in der Spargelsaison 2019. Gegen 8 Uhr morgens, als der Betrieb im vollen Gange ist, schlugen die Betrüger zu. Der höchste Schaden: rund 350 Euro. „Das tut schon weh. Und irgendwann macht das keinen Spaß mehr, zumal die Direktvermarktung vom Hof immer schwieriger wird“, sagt der 34-Jährige.

Anzeige bei der Polizei erstattet

Nach jedem Diebstahl habe er eine Anzeige gegen Unbekannt gestellt. Vergebens. „Es dauert keine drei Wochen, da bekommen wir die Rückmeldung, dass das Verfahren eingestellt wurde. Es macht mich müde und traurig, wenn man sieht, dass die Polizei auch nichts machen kann“, erzählt er.

Die Tür zur Selbstbedienung auf dem Hof Schulze Blasum steht immer auf. Rund um die Uhr können sich Kunden hier mit Eiern und Kartoffeln versorgen.

Die Tür zur Selbstbedienung auf dem Hof Schulze Blasum steht immer auf. Rund um die Uhr können sich Kunden hier mit Eiern und Kartoffeln versorgen. © Andrea Wellerdiek

Das Problem in der Aufklärung dieser Fälle liegt darin, dass es keine Zeugen gibt. Oft liegen die landwirtschaftlichen Betriebe recht abgelegen. „Einen Zeugenkreis gibt es meistens nicht. Dementsprechend liegen selten Täterhinweise vor“, erklärt Christian Stein, Pressesprecher der Polizei des Kreises Unna. Bei diesen Diebstählen handelt es sich laut Stein um Einzelfälle. Es sei kein neuer Trend, keine neue Betrugsmasche, hier zu erkennen.

Auf dem Erdbeerfeld die Bäuche vollschlagen

Der Werner Landwirt Johannes Laurenz ist auch an anderer Stelle schon mehrfach betrogen worden. Auf dem Erdbeeren-Selbstpflückerfeld würden sich laut Laurenz einige „die Bäuche vollschlagen“, aber nur eine Schale bezahlen. Oder aber sie kommen mit Eimern und bezahlen weniger als für diese Menge vorgesehen. Diese Betrüger zu verfolgen ist schier unmöglich. „Die lachen einen aus. Und das meine ich wirklich so“, sagt Johannes Laurenz.

Er möchte trotz der Vorfälle keine zusätzlichen Sicherheitsvorkehrungen treffen. „Wir werden keine Kamera aufhängen - schon allein aus Datenschutzgründen. Und außerdem möchten wir nicht, dass sich die Kunden unwohl fühlen“, erklärt Laurenz. Und ganz verzichten möchte er im Sinne seiner Kunden auf diesen Service nicht.

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Die Selbstbedienung, in der es 24 Stunden lang an jedem Tag Freiland-Eier und Kartoffeln gibt, befindet sich direkt an der Einfahrt zum Hof. Jeden Morgen werden die Waren hier aufgefüllt. Seit drei Jahren gibt es die Selbstbedienungsecke direkt neben dem Hühnerstall.

Vor allem Stammkunden nutzen das Angebot, erzählt Laurenz. Und genau diesen

Vertrauen in Stammkunden

Kunden vertraut der Landwirt blind. „Wenn sie mal 20 Cent zu wenig im Portemonnaie haben, werfen sie sie beim nächsten Mal rein. Das gleicht sich alles wieder aus. Das ist überhaupt kein Problem“, so der Landwirt. Das gilt aber nicht für die dreisten Betrüger, die den Vertrauensvorschuss ausnutzen.

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Jeden Morgen werden die Freiland-Eier und die Kartoffeln vom eigenen Feld in der Selbstbedienung aufgefüllt. Die meisten Kunden bezahlen ehrlich.

Jeden Morgen werden die Freiland-Eier und die Kartoffeln vom eigenen Feld in der Selbstbedienung aufgefüllt. Die meisten Kunden bezahlen ehrlich. © Andrea Wellerdiek

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