Karl-Heinz Schwarze vom Verein "Freunde des historischen Stadtkerns Werne" vor dem verfallenen Haus an der Burgstraße. Der Verein hatte große Pläne mit dem Gebäude. © Felix Püschner
Gammelhaus

Burgstraße: Verein treibt 300.000 Euro auf – trotzdem geht‘s nicht voran

Das Gammelhaus an der Burgstraße 15 in Werne sollte schon längst anders aussehen. Ein Verein hatte große Pläne für das alte Gebäude. Doch die kann er womöglich begraben.

Der Zustand des Hauses an der Burgstraße 15 und der dahinterliegenden früheren Stuhlmacher-Werkstatt an der Westmauer 15 in Werne sind vielen Bürgern ein Dorn im Auge. Auch der Verein „Freunde des historischen Stadtkerns Werne“ gehört zu dieser Gruppe von Leuten. Denn als sich der Verein im Jahr 2015 gründete, hatte er große Pläne für die beiden denkmalgeschützten Gebäude.

Ein „dezentrales Museum“ sollte hier entstehen. Diese Idee war letztlich die treibende Kraft bei dem Entschluss, einen Verein zu gründen, der sich offiziell „die Förderung des Denkmalschutzes, der Denkmalpflege, die Förderung der Heimatpflege und Heimatkunde sowie die Förderung von Kunst und Kultur“ auf die Fahnen geschrieben hat.

Die alte Stuhlmacher-Werkstatt an der Westmauer steht auf den Resten der früheren Stadtbefestigung.
Die alte Stuhlmacher-Werkstatt an der Westmauer steht auf den Resten der früheren Stadtbefestigung. © Felix Püschner © Felix Püschner

Es sei jedoch von Anfang an um die Neugestaltung dieser beiden Gebäude gegangen, sagt der Vereinsvorsitzende Karl-Heinz Schwarze (83). Er wolle nicht provozieren oder andere an den Pranger stellen. Das sei nämlich eher kontraproduktiv, wenn es um den Denkmalschutz gehe. Andererseits habe er enorm viel Arbeit in das Museumsprojekt gesteckt und sei nun einfach enttäuscht darüber, dass es nicht vorangeht.

Grund dafür sind bekanntlich ungeklärte Erbschaftsangelegenheiten. Der 2012 verstorbene Eigentümer der Gebäude, Heinz Elberfeld, hat seinen Nachlass nicht geregelt. Das führt dazu, dass nach wie vor vieles in der Schwebe ist und niemand so recht etwas an den Bauten machen kann. Geschweige denn sie kaufen.

Nach jahrelangem Klinkenputzen stehen 300.000 Euro bereit

Der Werner Rechtsanwalt und Notar Mathias Reimann ist mit dem Fall vertraut. Immerhin liegt er auf seinem Schreibtisch. Auf Anfrage unserer Redaktion hatte Reimann im vergangenen Monat erklärt, wie verzwickt die Lage bei den Familienverhältnissen der Elberfelds ist. Nicht nur die zahlreichen Erben zu ermitteln, sondern vor allem eine Rückmeldung von ihnen zu bekommen, gestalte sich bisweilen äußerst schwierig. So auch in diesem Falle, wo nach wie vor noch letzte Unterlagen fehlten.

Der Jugendstilfußboden im ehemaligen Verkaufsraum der Fleischerei der Familie Salomon und die alte Truhe schaffen bereits jetzt so etwas wie Museumsatmosphäre.
Der Jugendstilfußboden im ehemaligen Verkaufsraum der Fleischerei der Familie Salomon und die alte Truhe schaffen bereits jetzt so etwas wie Museumsatmosphäre. © Schwarze © Schwarze

Jahrelang hat Karl-Heinz Schwarze Klinken geputzt, um den Traum vom Museum mit Leben zu füllen – Zusagen von Helfern, Spendern und Sponsoren eingeholt, die den Verein bei dem ambitionierten Projekt unterstützen würden. Und bei mehreren Stiftungen Anträge auf Zuschüsse gestellt, von denen aufgrund der Verzögerungen der Erbschaftsregelung einige storniert und andere auf Eis gelegt werden mussten. Durch die jüngste Fördermittel-Zusage des Heimatministeriums steht nun – zumindest theoretisch – insgesamt ein beachtlicher Betrag zur Verfügung: 300.000 Euro.

Geld, das genügen würde, um die beiden Gebäude zu sanieren und zu einem Museum umzufunktionieren. Noch, denn der Zustand beider Objekte wird natürlich nicht besser, je länger nichts geschieht. Im Gegenteil. „Beide Gebäude werden immer maroder“, sagt Schwarze. Es sei auch nicht klar, wie viele der Handwerks- und Baubetriebe, die dem Verein ihre großzügige Unterstützung zugesagt hatten, in Zukunft noch bereit dazu sind. Schließlich habe die Pandemie auch bei den Betrieben ihre Spuren hinterlassen.

„Die Skepsis, dass wir unser Ziel noch erreichen, ist inzwischen groß.“

Karl-Heinz Schwarze

Die jahrelange Arbeit des Vereins wäre dann möglicherweise umsonst gewesen. Die konkreten Pläne für die Umgestaltung liegen schon längst in der Schublade. Schwarze kann die Maßnahmen, die nötig wären, quasi im Schlaf aufzählen. In der Werkstatt an der Westmauer, die aussieht, „als habe der Stuhlmacher sie gestern erst verlassen“, sei das noch nicht einmal sonderlich viel. Natürlich müsse man hier zunächst aufräumen, Dach und Fenster erneuern und wohl auch eine Wand stabilisieren. Zudem müsste eine vernünftige Treppe eingebaut werden.

Viele Exponate befinden sich bereits in Werkstatt und Wohnhaus

Exponate müsste man hingegen nicht groß anschaffen. Sie befinden sich bereits im Gebäude: Werkzeuge, Schablonen, halbfertige Produkte, verschiedene Maschinen, die teils mehr als 100 Jahre alt sind. Im Lagerraum des Dachgeschosses liegen Schilfrohre für die Stuhlproduktion und sogar ein Boot. Auch der Standort des Gebäudes ist ein ganz besonderer, denn die Eingangsfront steht auf den Resten der mittelalterlichen Stadtmauer, die Werne einst umgab.

Die elektrische Bandsäge in der Stuhlmacher-Werkstatt an der Westmauer stammt aus dem Jahr 1905.
Die elektrische Bandsäge in der Stuhlmacher-Werkstatt an der Westmauer stammt aus dem Jahr 1905. © Schwarze © Schwarze

Im Falle des Gebäudes an der Burgstraße 15 wären die Arbeiten wohl umfangreicher. „Mehrere Räume müssten instand gesetzt werden“, so Schwarze. Unter anderem müssten auch die Nordwand des Gebäudes saniert und der große Öltank aus dem Keller entfernt werden. In dem Wohn- und Geschäftshaus, in dem früher unter anderem die jüdische Familie Salomon lebte und eine Fleischerei betrieb, wimmelt es nur so von historischen Schätzen. „Es wäre viel Archivarbeit“, sagt Schwarze.

Denn in den Schränken schlummern viele alte Dokumente und Fotos, ebenfalls teils mehr als 100 Jahre alt. Am Interieur erkennt man die Entwicklung des einstigen Ackerbürgerhauses, in dessen Verkaufsraum noch ein hübscher Jugendstilboden liegt, hin zur „Moderne“. Für diese Zeit stehen etwa das relativ frisch sanierte Bad und die Mikrowelle.

Letztlich dokumentiert das alles die historische Entwicklung der Lippestadt. So wie es bei Denkmälern sein sollte und wie es sich auch für ein Museum gehört. „Die Skepsis, dass wir unser Ziel noch erreichen, ist inzwischen groß“, sagt Schwarze und blickt auf das Haus an der Burgstraße: „Aber die Hoffnung ist immer noch da.“

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Geboren 1984 in Dortmund, studierte Soziologie und Germanistik in Bochum und ist seit 2018 Redakteur bei Lensing Media.
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