Dementer im Krankenhaus-See ertrunken: Schwager Günter Stückmann erhebt schwere Vorwürfe

hzChristophorus-Krankenhaus

Qualvoll ist ein dementer Mann 2018 im Krankenhaus-See ertrunken. Schwager Günter Stückmann (70) kann es bis heute nicht verstehen – und erhebt schwere Vorwürfe gegen das Werner Krankenhaus.

Werne

, 19.07.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Hilflos, verzweifelt und im Stich gelassen: Nur wenige Stunden waren es, die das Leben von Günter Stückmann (70) und seiner Familie im Juli 2018 auf den Kopf gestellt haben – und an die er noch immer zurückdenkt. Sein damals 84-jähriger Schwager ist in der Nacht zum 7. Juli im Krankenhaus-See in Werne ertrunken – fahrlässig, wie er gegenüber dieser Redaktion erklärt.

„Es war dramatisch für uns alle. Wir konnten gar nicht fassen, was da passiert ist“, sagt Stückmann. Was sein dementer Schwager in dieser Nacht durchlebt haben muss, kann und will er sich gar nicht vorstellen.

Stundenlang haben Pfleger und Polizei gesucht

Eigentlich war sein Schwager in der Dortmunder Landesklinik untergebracht, wegen medizinischer Probleme wurde er ins Werner Christophorus-Krankenhaus verlegt und hatte sein Zimmer im fünften Stock. Doch eines nachts war das Bett des 84-Jährigen plötzlich leer. Von dem dementen und orientierungslosen Mann keine Spur.

Stundenlang suchten Pfleger und Polizei verzweifelt und ohne Erfolg nach dem Mann. Bis sie ihn um kurz vor 2 Uhr im Krankenhaus-See fanden. Tot. Für die Familie brach eine Welt zusammen. Und unendliche viele Fragen taten sich auf: Wie kann das passieren? Hatte das keiner im Blick? Wieso liegt der See direkt am Krankenhaus?

„Ich verstehe das alles nicht“, sagt Stückmann. Auch Standortleiter Ludger Risse weiß bis heute nicht genau, wie der Patient im Krankenhaus-See ertrinken konnte. „Wir wissen nicht genau, auf welchem Weg der Mann die Station verlassen hat“, so Risse.

Für Stückmann ist der Fall hingegen klar: „Er ist unbemerkt durch das ganze Haus gewandert und ist offenbar durch das nicht verschlossene Kellergeschoss an den Krankenhaus-See gelangt und dort verunglückt.“

Stückmann: „Das mutet geradezu zynisch an“

Aus Sicht der Familie des Toten ist klar: Bei dementen Patienten sei das Krankenhaus in einer besonderen Fürsorgepflicht – und die habe es in diesem Fall nicht wahrgenommen. Besonders deshalb habe sich Stückmann über einer Aussage von Pflegedienstleiterin Melanie Schneider in unserer Berichterstattung geärgert.

„Wir probieren das Ganze erst einmal aus. Bislang hatten wir noch keinen höheren Bedarf“, sagte sie über eine Sensormatte. Die Matte hilft etwa bei Patienten mit Hinlauftendenz, also bei Menschen, die zum ziellosen Umherlaufen tendieren. „Es mutet geradezu zynisch an, wenn sie sich in diesem Zusammenhang so äußert.“ Womöglich hätte die Matte das Leben des 84-Jährigen gerettet, so Stückmann.

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„Wir können sagen: Bei diesem Patienten hätten wir keine Sensormatte ausgelegt“, ist sich Risse sicher. „Er war ruhig und hat gar keine Hinlauftendenzen gezeigt.“ Das Krankenhaus befinde sich in solchen Fällen stets zwischen hilfreicher Überwachung und Freiheitsberaubung. Gerechnet hätten sie mit einem solchen Verhalten bei dem 84-Jährigen niemals.

Doch welche Konsequenzen hat das Krankenhaus gezogen? „Wir haben viele Gespräche mit der Polizei geführt und Entscheidungen abgewogen“, sagt Risse. Den Krankenhaus-See einzäunen? Das mache keinen Sinn, es wäre nicht möglich, jeden Zugang abzusichern. Außerdem sei der schon seit dem Bau des Krankenhauses dort.

Standortleiter: „Wir können nicht alle Ausgänge überwachen“

Das Krankenhaus habe ebenso überlegt, die Kameraüberwachung an den Ausgängen auszubauen. „Aber da wurde uns bestätigt, dass wir gut aufgestellt sind. Wir können nicht alle Ausgänge überwachen“, so Risse.

Stattdessen stelle man andere Überlegungen an, um demente Patienten zu schützen. So zum Beispiel Türen, die einem Regal ähneln, die nicht-demente Menschen zwar als Tür erkennen, demente aber nicht nutzen würden.

Schwager bleiben erhebliche Zweifel

Doch Stückmann kann das alles nicht beruhigen: „Es ist fraglich, ob alles Notwendige zum Schutz von alten und insbesondere kranken und dementen Personen getan wurde. Da bleiben mir erhebliche Zweifel.“

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