„Das geht gar nicht!“: Vater wartet tagelang auf Infos zur Quarantäne des Sohnes

hzCorona-Fall in Kita in Werne

Seitdem sein Sohn Liam (4) wegen eines Corona-Falls in der Kita Arche Noah in Werne in Quarantäne ist, hat David Rathmer viele Fragen. Doch Hilfe beim zuständigen Gesundheitsamt gibt es lange nicht.

Werne

, 18.08.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Sehr vorsichtig und umsichtig ist die Familie Rathmer aus Werne bislang mit der Corona-Krise umgegangen. Doch plötzlich ist sie auch betroffen. Denn seit Donnerstag, 13. August, ist klar, dass es in der Kita Arche Noah des Sohnes Liam (4) einen Corona-Fall gibt. Seitdem ist die gesamte Familie in Quarantäne.

Doch was genau das bedeutet und wie er sich verhalten soll, wollte Vater David Rathmer (32) wissen. Eine Antwort von offizieller Stelle hat er allerdings lange gar nicht bekommen. Trotz mehrerer Anfragen bekam er tagelange keine Rückmeldung des zuständigen Gesundheitsamtes des Kreises Unna.

Mit Fieber zum zweiten Corona-Test?

„Ich habe allgemeine Fragen zu der Quarantäne meines Sohnes. Wir möchten wissen, wie wir uns richtig verhalten“, erklärt David Rathmer. Vor allem jetzt, wo der Sohn Fieber bekommen hat.

„Ich glaube zwar nicht, dass er Corona hat. Der erste Test am Freitag war auch negativ. Aber ich weiß jetzt noch nicht einmal, ob er zum zweiten Test am Donnerstag überhaupt gehen darf, wenn er über 40 Grad Fieber hat“, erklärt der Familienvater. Bei der zuständigen Behörde, dem Gesundheitsamt des Kreises Unna, hat er auf diese Fragen lange keine Antworten bekommen.

„Ich habe die Nummer 27 Mal angerufen“

Stattdessen wurde Rathmer immer wieder vertröstet, wenn er überhaupt jemanden ans Telefon bekommen hat. „Eine Mitarbeiterin sagte, dass ihre Kollegin für Werne zuständig sei und die sei jetzt gerade nicht im Platz. Sie wolle ihrer Kollegin deshalb nichts vorwegnehmen“, erzählt David Rathmer. Und die zuständige Mitarbeiterin war danach gar nicht erreichbar.

„Ich habe die Nummer bestimmt 27 Mal angerufen. Freitagabend habe ich dann eine E-Mail geschrieben. Bis heute habe ich keine Info bekommen“, erklärt Rathmer am Montagabend.

Der verzweifelte Familienvater versuchte es sogar bei einer Info-Hotline des Gesundheitsministeriums des Landes NRW. Vergebens. Auch hier war kein Mitarbeiter zu erreichen. „Es ist unfassbar. Es muss doch auch etwas Offizielles geben“, sagt Rathmer verärgert.

Statt offizieller Stimme auf die Infos der Erzieherin angewiesen

Er stützt sich einzig auf die Informationen, die er von der Erzieherin des Sohnes aus der Kita Arche Noah am Samstag bekommen hat. Demnach soll Liam zwei Wochen in Quarantäne gehen - auch wenn sein Test negativ ausfällt. „Darüber gibt es ja auch unterschiedliche Meinungen. Wenn ein negativer Test vorliegt, ob man dann noch in Quarantäne muss“, sagt Rathmer.

Und offenbar wird dies auch in den Städten ganz unterschiedlich gehandhabt. Als David Rathmer nämlich endlich am Dienstagmorgen, 18. August, eine Rückmeldung von einer Mitarbeiterin des Kreisgesundheitsamtes bekommt, habe sie erklärt, dass es im Kreis Unna eine Empfehlung gibt, dass sich die ganze Familie und nicht nur der Sohn in Quarantäne begeben soll. In Dortmund wiederum müsse nur die Person in Quarantäne, die auch in Erstkontakt mit dem Infizierten steht.

„Von Donnerstag bis Dienstag ist gar nichts passiert“

Weil es so viele verschiedene Handhabungen gibt, ist es für David Rathmer umso unverständlicher, dass er erst so spät eine Information von offizieller Seite bekommen hat. „Es geht gar nicht, dass von Donnerstag bis Dienstag nichts passiert“, so der 32-Jährige. Die Mitarbeiterin des Gesundheitsamtes habe sich zwar entschuldigt und erklärt, dass man mit der Übermittlung der Testergebnisse aus der Kita überfordert gewesen sei, erzählt Rathmer.

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„Wir bedauern es sehr, dass er so lange auf eine Rückmeldung warten musste. Wir entschuldigen uns dafür“, erklärt Birgit Kalle, Pressesprecherin des Kreises Unna. Demnach werde man aufgrund dieser Anfrage zum Verhalten in der Quarantäne die Liste der wichtigsten Fragen auf der eigenen Internetseite erweitern. Dabei werde man sich stets an den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts orientieren, erklärt Kalle, die zudem auf die Hotline des Kreises hinweist (von montags bis freitags, 10 bis 12 Uhr; Tel. 0800/1020205).

Hiobsbotschaft kurz nach Beginn des Regelbetriebs in der Kita in Werne

Bei Familie Rathmer sind nun alle vorsichtshalber in Quarantäne. Die offizielle Verfügung dazu, die als Vorlage für den Arbeitgeber dient, liegt bis heute noch nicht vor, erklärt David Rathmer. Dies sei Aufgabe des Ordnungsamtes der Stadt Werne, hieß es vom Gesundheitsamt in Unna. Hier kümmern sich laut der Ordnungsamtsleiterin Kordula Mertens zwei Mitarbeiterinnen ausschließlich darum, die Verfügung so schnell es geht vom Gesundheitsamt des Kreises postalisch an die Betroffenen weiter zu leiten. Doch das kann einige Tage dauern, so Mertens weiter.

Sohn Liam wird nun also von den Eltern zuhause betreut. Weil das Ehepaar im Homeoffice arbeiten kann, sei das machbar. „Wir sind schon seit März im Homeoffice. Da war die Kita ja geschlossen. Wir sind also erprobt, auch wenn es immer eine Herausforderung ist. Und jetzt, wo der Regelbetrieb gerade wieder angefangen hat, gab es gleich eine Hiobsbotschaft.“

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