Der Weg in ein Leben nach AB Elektronik

Jobwechsel

WERNE Am 17. März 2008 begann für Nicole Schmalkoke ein neues Leben. Und zwar kein schönes: Nach 17 Jahren teilte ihr Arbeitgeber AB Elektronik der 35-Jährigen mit, dass für sie künftig kein Platz mehr in den Produktionshallen sein würde.

von Von Daniel Claeßen

, 03.07.2009, 15:50 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der Weg in ein Leben nach AB Elektronik

Das Seminar Sicherheitsfachkraft hat Nicole Schmalkoke absolviert.

Eine Beobachtung, die auch Sandra Dreise-Beckmann gemacht hat. Sie ist Projektleiterin der Transfergesellschaft Traq, in der die entlassenen AB-Mitarbeiter aufgefangen wurden. „Viele waren auf einen Jobwechsel gar nicht vorbereitet. Da mussten wir erstmal ein Bewerbungstraining machen.“ Für Nicole Schmalkoke war klar, dass sie in die Traq wechseln würde. Selbstständig hatte sie bereits die Zeitungen nach passenden Anzeigen abgesucht. „Ich habe früher schon mal im Sicherheitsgewerbe gearbeitet. Darin habe ich meine neue Chance gesehen.“ Bei der Firma Contact in Hamm, Weiterbildungspartner der Traq, wurde sie fündig. Hier drückt sie nun die Schulbank, lässt sich zur Fachkraft im Sicherheitsgewerbe ausbilden. „Gerade in juristischen Dingen lernt man eine Menge dazu.“ Sandra Dreise-Beckmann bestätigt: „Fachkräfte haben größere Chancen, vermittelt zu werden. Wenn nötig helfen wir dabei, für sich selbst Alternativen zu finden.“

Bei Nicole Schmalkoke war das nicht nötig: Drei Monate Schulung, einen Monat Praktikum hat sie bereits hinter sich, die Abschlussprüfung im August fest vor Augen. „Ich wollte mich eben nicht in dieses große Loch fallen lassen.“ Sie zieht an der Zigarette. „Ganz ehrlich: Ohne die Hilfe der Traq wäre ich vielleicht doch gefallen.“ In den ersten Tagen nach der Kündigung, als es um die Bewerbung für eine Weiterbildung bei Contact ging, hat Nicole Schmalkoke viel telefoniert. „Es war immer jemand da, auch wenn ich nur reden wollte.“ Auf dem Arbeitsamt sei sie eine Nummer. „Hier habe ich mich wirklich als Mensch gefühlt.“ Worte, die Sandra Dreise-Beckmann gerne hört. „Natürlich wollen wir die Menschen auffangen.“ Vielen müsse zunächst die Angst vor neuen Dingen genommen werden. „Allein bei dem Wort ,PC‘ bekommen wir oft ein ,Großer Gott, nein!‘ zu hören.“ Dabei habe die Traq durch ihr Netzwerk gute Möglichkeiten, die Menschen in der Region zu vermitteln.

Der unfreiwillige Weg in das neue Leben – nicht immer ist er so einfach wie bei Nicole Schmalkoke. „Einige wollen in der Produktion bleiben. Doch vor allem die Frauen sind schneller bereit, Neues auszuprobieren.“ Pflegedienst, Lagerlogistik oder Büromanagement steht auf den Toren, die die Traq gemeinsam mit ihren Schützlingen öffnen will. Durchgehen müssen die Menschen allein. Und das ist nicht immer einfach, weiß auch Nicole Schmalkoke: „Es gibt solche, die ruhen sich jetzt erstmal aus. Oder sie stecken in der Null-Bock-Phase – wer hat die nicht?“ Für sie steht fest: „Ich möchte irgendwann in den VIP-Schutz.“ Die Prüfung im August wird der nächste Schritt in diese Richtung sein.

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