Die Lippe wächst in Werne um drei Kilometer

Renaturierung geplant

Die Lippe ist von der Quelle im Teutoburger Wald bis zur Mündung in den Rhein bei Wesel 220 Kilometer lang. Elf Kilometer davon verlaufen über Werner Stadtgebiet – noch. In vermutlich zwei, drei Jahren werden es 14 Kilometer sein. Wieso? Wir erklären es.

WERNE

, 07.01.2016, 16:39 Uhr / Lesedauer: 1 min
Auch wenn sich die Lippe heute schon mit einigen Kurven – wie hier in Lenklar – durch das Werner Stadtgebiet schlängelt: Künftig sollen es mehr Flussschlingen (Mäander) werden.

Auch wenn sich die Lippe heute schon mit einigen Kurven – wie hier in Lenklar – durch das Werner Stadtgebiet schlängelt: Künftig sollen es mehr Flussschlingen (Mäander) werden.

Der Lippeverband und Land NRW wollen mit einem Millionenprojekt den Fluss wachsen lassen – und damit sowohl den Naturschutz als auch den Hochwasserschutz vergrößern.

Die Vorbereitungen dafür haben längst begonnen – in Form von Grundstücksgeschäften. Damit die Lippe sich ausdehnen kann, müssen Landwirte Äcker und Weiden rechts und links des Flusses aufgeben. „Die meisten Grundstücksgeschäfte sind bereits abgeschlossen“, sagt Ilias Abawi, Sprecher von Emschergenossenschaft und Lippeverband. Wenige fehlten noch. Da hofft er aber in diesem Jahr auf Abschlüsse.

Neue Schlingen, breitere Auen

Das Ziel: „Im Frühjahr 2017 möchten wir so weit sein, dass wir in die Entwicklungsplanung einsteigen.“ Dann werde im Zuge des Genehmigungsverfahrens auch veröffentlicht, wo genau der Fluss welche neuen Schlingen bekommen soll, breitere Auen und nicht mehr durch Steine befestigte Ufer.

Bereits 1990 hatte die damalige Landesregierung das Gewässerauenprogramm ins Leben gerufen: 13 Flüsse, darunter die Lippe mitsamt ihren Auen, sollten in einen naturnahen Zustand überführt werden. Parallel dazu erarbeiteten die Bezirksregierung Arnsberg und der Lippeverband das Lippeauenprogramm (LAP).

Lippe ist noch weit von "gutem Zustand" entfernt

Seit dem Jahr 2000 ist mit der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie ein für alle EU-Mitgliedstaaten einheitliches Regelwerk für den Gewässerschutz in Kraft getreten. Danach soll der Zustand von Flüssen, Seen, Küstengewässern und Grundwasser bis spätestens 2027 verbessert werden. Ziel ist der „gute Zustand“. Auch wenn sich die Wasserqualität dank besserer Klärleistung seit den 1970er-Jahren deutlich verbessert hat: „Davon ist die Lippe noch entfernt“, so Abawi – vor allem wegen des begradigten Flusslaufs und der befestigten Ufer.

Eine Änderung freue nicht nur Tiere und Pflanzen: Bei Starkregenereignissen, mit denen immer häufiger zu rechnen sei, fungierten Auen wie natürliche Wasserspeicher. „Und die neuen Schlingen bremsen den Abfluss.“

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