Mit Leidenschaft und ohne Gehalt engagieren sich die Mitarbeiterinnen des Vereins Düt und Dat. Das Ergebnis ihres Ehrenamtes: großzügige Spenden und große Dankbarkeit - mit einer Ausnahme.

Werne

, 24.12.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ein Lächeln, eine Umarmung oder ein Dankeschön - es sind die vermeintlich kleinen Dinge, die diese Frauen anspornen. Die Mitarbeiterinnen des Vereins und gleichnamigen Secondhand-Ladens Düt und Dat freuen sich über jede kleine Geste, die sie zurück bekommen. Dabei geben sie selbst so viel. Und das ehrenamtlich. Jeden Tag.

„Es liegt viel Herzblut drin“, sagt Mitarbeiterin Ingrid Frenzer (76), die sich seit 2006 im Verein Düt und Dat engagiert. Sie ist eine von aktuell 36 Mitarbeiterinnen.

Vier Eimer Waffelteig bringen 700 Euro

Seit Jahren stellen sie sich in den Dienst der guten Sache. Sie verkaufen Secondhand-Kleidung, Spielsachen und Haushaltswaren im Düt-und-Dat-Laden in der Bonenstraße. Oder sie stehen stundenlang hinter dem Waffeleisen, verkaufen so lange, bis die vier Eimer Teig leer sind. Innerhalb eines Nachmittags haben sie so mehr als 700 Euro in die Kasse gespült. Und das alles für den guten Zweck.

Denn die Damen von Düt und Dat spenden den Reinerlös an gemeinnützige Institutionen. Seit 2013, seitdem Marita Melcher (61) die Leitung übernommen hat, sind es insgesamt rund 75.000 Euro geworden. Theoretisch könnte es noch deutlich mehr sein, allerdings sind auch Spenden hierzulande zu versteuern.

Spenden von Düt und Dat bleiben in Werne

Melcher löste Elisabeth Steinke bei Düt und Dat im November 2014 ab. Wegen einer Krankheit ging die damals 56-jährige Marita Melcher frühzeitig in Rente. Seitdem steckte sie ihre Zeit und ihr Engagement seitdem in das Ehrenamt.

Seitdem gab es zwei wesentliche Änderungen. Es gibt mit den nebeneinander liegenden Geschäften in der Bonenstraße eine feste Anlaufstelle für die Kunden und die vielen Spender, die Haushaltsartikel und Kleidung spenden. Und der Reinerlös kommt nun vor allem Werner Institutionen und Vereinen zu Gute. Zuvor gingen die Spenden ins Ausland.

Düt und Dat erfährt große Dankbarbeit für ihre Spenden - mit einer ärgerlichen Ausnahme

Marita Melcher ist Vereinsvorsitzende von Düt und Dat. © Andrea Wellerdiek

Eine negative Geschichte, die in Erinnerung bleibt

Nun profitieren vor allem Einrichtungen wie die Jugendhilfe Werne, der Kinder- und Jugendhospizdienst Lünen oder der Hospizverein Werne von den großzügigen Spenden. Es ist eine perfekte Erfolgsgeschichte - mit einer Negativ-Schlagzeile, die bei den Verantwortlichen bis heute unvergessen bleibt.

Ärger gab es vor zwei Jahren nach einer Finanzspritze an eine Institution. „Nach der Spende kam gar nichts. Kein Dankeschön. Keine Nachricht. Nichts. Da hat man einfach nur einmal telefoniert, das Geld angenommen und dann nie wieder was gehört“, erzählt Melcher, ohne den Namen der Institution aus Werne zu nennen.

Eine kleine Geste, die viel bewirken kann

Es blieb allerdings bei dieser Ausnahme. Die Institutionen, die eine Spende von Düt und Dat bekommen, sind dankbar. Sie zeigen es auf verschiedene Weise. Eine kleine Geste kann schon viel bewirken. Ingrid Frenzer erinnert sich zum Beispiel an die Kinder des Kindergartens Lütkeheide, die im gerade gespendeten neuen Krippenwagen am Geschäft vorbeikamen.

Die Kinder lächelten, winkten hinein in den Düt-und-Dat-Laden. „Ach, das war richtig schön. Da habe ich mich sehr drüber gefreut. Da geht einem wirklich das Herz auf. Das tut richtig gut“, sagt Ingrid Frenzer und lächelt.

Düt und Dat erfährt große Dankbarbeit für ihre Spenden - mit einer ärgerlichen Ausnahme

Saisonware im Düt und Dat: Auch zu Weihnachten gibt es viele Dekorationsartikel im Geschäft an der Bonenstraße. © Andrea Wellerdiek

Spende an Joana rührt zu Tränen

Zu Tränen gerührt waren die Mitarbeiterinnen auch nach der Spende an Joana vor knapp drei Jahren. Mit der Hilfe von Düt und Dat und einer Finanzspritze von 2000 Euro konnte ein Spezialfahrrad für das behinderte Mädchen finanziert werden. Die Scheck-Übergabe war wie so viele zuvor sehr bewegend.

Das gilt auch für die Geschichte, die bis heute nicht aufgeklärt werden konnte. Eine Frau hatte anonym einen Briefumschlag an das Jugendamt Werne gegeben. Der Inhalt: ein Scheck über 2000 Euro als Spende für das Spezialfahrrad, das insgesamt 8500 Euro kostete. „Das war wirklich rührend“, erzählt Marita Melcher.

Spenderin bleibt bis heute anonym

Bis heute weiß niemand, wer die anonyme Spenderin war. „Es hätte ja nicht öffentlich gemacht werden müssen. Aber wir hätten uns wirklich sehr gerne bei ihr bedankt“, sagt Melcher.

Das tun Melcher und ihre ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen täglich im Düt-und-Dat-Laden, wenn sie Kleiderspenden annehmen. Die Spendenbereitschaft der Werner Bürger ist ähnlich groß wie des Vereins Düt und Dat selbst. Marita Melcher möchte im kommenden Jahr noch mehr tun - vor allem für ältere Menschen.

Düt und Dat erfährt große Dankbarbeit für ihre Spenden - mit einer ärgerlichen Ausnahme

Gudrun Schoppmann ist die Kassiererin im Verein Düt und Dat. © Andrea Wellerdiek

Melchers Vorsatz für 2020

Nicht selten sei die Rente knapp. „Wir möchten helfen, wenn Not am Mann ist - zum Beispiel wenn eine Waschmaschine kaputt ist und sie ersetzt werden muss“, erklärt Melcher. Allerdings darf der Verein nicht an Einzelpersonen spenden. Deshalb denkt Melcher darüber nach, einen Weg zu finden, wie man mehrere ältere Bürger organisiert. So könnte man künftig hier auch eine finanzielle Unterstützung geben. Es ist ihr Vorsatz für 2020.

Für ihre Kolleginnen gilt indes: so weitermachen wie bislang. Damit machen sie nicht nur anderen Menschen, sondern auch sich selbst eine Freude. „Ich bin begeistert. Ich liebe den Umgang mit den Menschen. Und wir machen das alles nach dem Motto: Tue Gutes, dann geht es uns gut“, erklärt Ingrid Frenzer.

Engagement hilft persönlich

Die Arbeit, besser gesagt ihr Engagement, gibt ihr selbst sehr viel. Nach dem Tod ihres Mannes hat sie im Düt-und-Dat-Laden mehr als nur ein Hobby gefunden. Der Umgang unter den Mitarbeiterinnen ist herzlich, das ist sofort zu spüren. „Ich komme gerne hier hin. Ich freue mich immer auf den Montagmorgen“, sagt Ingrid Frenzer und lächelt.

Düt und Dat erfährt große Dankbarbeit für ihre Spenden - mit einer ärgerlichen Ausnahme

Im Secondhand-Laden sind die Preise klein. © Andrea Wellerdiek

Jetzt lesen

  • Im Düt-und-Dat-Laden nehmen die Mitarbeiterinnen nur saisonale Kleidung an. Das Spenden von Sommerkleidung im Winter sei einfach nicht möglich, weil man kein Lager dafür hat, erklärt Marita Melcher. Ab März können auch wieder T-Shirts, kurze Hosen, Bikinis und andere Sommerkleidung gespendet werden.
  • Die Mitarbeiterinnen weisen darauf hin, dass sie künftig keine Plastiktüten mehr herausgeben. „Wir bitten die Kunden darum, selbst einen Einkaufsbeutel mitzubringen, um die Umwelt zu schonen“, sagt Marita Melcher.
  • Wer sich bei Düt und Dat engagieren möchte, kann sich mit Marita Melcher melden unter Tel. (0172)5746297.
  • Neben dem Düt und Dat in Werne kümmert sich Dieter Melcher, Ehemann von Marita Melcher, seit 2017 um einen Secondhand-Laden in Selm.
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