Eltern empört: Busse für Förderschüler gibt es nicht

Barbaraschule in Lünen

Haben die Stadt Werne und der Kreis Unna ein Versprechen an Schüler und Eltern der Barbaraschule gebrochen? So lautet der Vorwurf von Elternschaft und Leitung der Förderschule. Konkret geht es um einen Bus-Transfer von Werne zum Förderzentrum Nord in Lünen.

WERNE

, 25.05.2016 / Lesedauer: 3 min

Zur Erinnerung: Aufgrund sinkender Schülerzahlen auf Förderschulen und einer Neuordnung im Schulsystem wurde im vergangenen Jahr beschlossen, die Barbaraschule zum 31. Juli 2016 aufzulösen. Die zum Ende dieses Schuljahres verbleibenden 60 Schüler der Klassen 5 bis 10 setzen ihre Schullaufbahn am Förderzentrum Nord in Lünen fort.

Zwölf Kilometer liegt es von Wernes Zentrum entfernt. Und genau hier liegt das Problem. „Von Seiten der Stadt hatte man uns für ein Jahr einen kostenlosen Bus-Transfer nach Lünen versprochen“, sagt Katrin Risse, Mutter eines Schülers der Barbaraschule.

"Die Eltern anzulügen, das geht gar nicht"

In Lünen hat nun aber der Kreis das Sagen, als Träger des Förderzentrums Nord. Von einem Bus-Transfer, sagt Risse, wolle man dort nichts wissen. „Man hat uns nahegelegt, unsere Kinder auf eigene Faust nach Lünen zu schicken.“ Auch Brigitte Plogmaker, Oma einer 15-jährigen Schülerin, kocht vor Wut: „Die Eltern anzulügen, das geht gar nicht“, sagt sie.

Die Barbaraschule hat ihren Schwerpunkt auf emotionaler und sozialer Entwicklung. Deren Schüler haben oft Schwierigkeiten, ihre Umwelt angemessen wahrzunehmen, oder werden durch familiäre oder soziale Probleme überfordert. „Diese Schüler auf eigene Faust mit dem Bus nach Lünen zu schicken, das geht einfach nicht“, sagt Plogmaker.

Auch Johannes Heinemann, Leiter der Barbaraschule, meldet sich zu Wort: „Es ist ein völlig berechtigter Zorn, denn viele Eltern schicken ihre Kinder nur nach Lünen, weil sie die Zusage für den Bus-Transfer erhalten hatten.“ Inzwischen, so Heinemann, habe die Elternvertretung einen Brief an den Kreis verfasst, um ihn doch noch umzustimmen.

Das dürfte wiederum schwierig werden. „Wir wollen für den Kreis einheitliche Regelungen herbeiführen“, sagt Birgit Kalle, Pressesprecherin des Kreises Unna. Was in der Vergangenheit von Seiten der Stadt Werne gesagt worden sei, wolle sie nicht kommentieren.

Fakt sei, dass es für die Schüler der Barbaraschule in Zukunft keine Sonderbehandlung geben werde. „Wir trauen den Schülern aus Werne die Anreise nach Lünen in öffentlichen Verkehrsmitteln zu.“ Einzelfälle, so kündigt Kalle an, wolle der Kreis allerdings prüfen.

Wir haben Liane Jäger, Schulamtsleiterin in Werne, mit den Vorwürfen konfrontiert:

Frau Jäger, wie gehen Sie mit den Vorwürfen von Seiten der Barbaraschule um?

Wir können die Sorgen verstehen. Unser Bestreben war es immer, eine gute Beförderung unserer Schüler nach Lünen sicherzustellen. Von Seiten der Stadt war ursprünglich ein Bus-Transfer vom Busbahnhof am Stadthaus nach Lünen gewünscht. Versprechungen wurden, zumindest von meiner Seite, aber nicht gemacht.

Warum kann dem Wunsch der Stadt nicht entsprochen werden?

Der Kreis Unna, Träger des Lüner Förderzentrums, hat sich die Wohnorte der Schüler der Barbaraschule angeschaut und ist zum Entschluss gekommen, dass die Anreise mit dem öffentlichen Nahverkehr möglich ist. Dazu müssten die Schüler einmal in Lünen umsteigen.

Es gibt Eltern, die das kritisch sehen. Was sagen sie dazu?

Was Fälle mit gesundheitlicher Begründung angeht, muss man dann im Einzelfall entscheiden. Da werden sich Lösungen finden.

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