Viel Trubel im Garten von Klaus Reckers: Ein Kamerateam turnt um seinen Kirschbaum und filmt seine Leiter-Erfindung aus allen Winkeln. Ganz ungefährlich ist der Dreh für das Team nicht.

Werne

, 14.10.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Stolz präsentiert Klaus Reckers seine Leitererfindung dem MDR-Kamerateam. Strahlend steht er in dem Kirschbaum, in dem ihm einst die zündende Idee kam. „Der liebe Gott hat uns in diesem Jahr viele Süßkirschen geschickt. Stundenlang stand ich auf der Leiter. Mir taten die Füße und Beine weh“, sagt Reckers vor laufender Kamera für die Erfinder-Sendung „Einfach genial“.

„Da dachte ich mir: Das muss doch nicht sein“, erklärt der Erfinder. „Dann rannte ich tagelang aufgescheucht zwischen Werkstatt, Küche und Kirschbaum hin und her, bis der Prototyp fertig war“, fügt er hinzu.

Klaus Reckers: „ProSieben war mir zu unseriös“

Reckers hat einen Leiteraufsatz entwickelt, der die Trittfläche vergrößert und dadurch die Belastung auf den Fuß verringert. Um das perfekt einzufangen, geht es für den Kameramann hoch hinaus: Er balanciert auf einer weiteren Leiter, steht zwischen den Zweigen des Kirschbaumes und richtet seine wuchtige Kamera auf den Erfinder.

„Ich war schon ziemlich aufgeregt. Ich war noch nie im Fernsehen und man hat ja keine Ahnung, was da auf einen zukommt“, sagt Reckers nach den ersten Aufnahmen. „Schlafen konnte ich aber heute Nacht trotzdem. Das hat mich selber gewundert“, fügt er lachend hinzu.

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Dass es zu den Aufnahmen kam, war nicht selbstverständlich. Auch ProSieben hatte den Erfinder angefragt. „Das war mir aber viel zu unseriös. Die wollten im Vorfeld Geld von mir“, begründet Reckers seine Entscheidung. „Mit dem MDR habe ich ein gutes Gefühl.“

Und der legt sich mächtig ins Zeug. Auch aus dem Hausfenster filmen sie den Erfinder. „Wir sind schon ganz schön laut. Die Nachbarn stehen bestimmt auch an den Fenstern und gucken“, scherzt MDR-Redakteur Helge Hinsenkamp. Er steht unten, im Schutze eines Gebüsches und gibt Reckers Anweisungen.

MDR-Redakteur „Erfinder sind charmant“

„Mit Erfindern zu drehen macht Freude“, erzählt Hinsenkamp. „Die sind eigentlich immer ganz charmant.“ Etwa sechs Stunden verbringt das Kamerateam in Werne. Dabei springen ein bis zwei Stunden Material heraus, die dann auf sieben Minuten zusammengekürzt werden.

„Mit Herrn Reckers müssen wir nicht so viele Szenen wiederholen. Der macht das ganz souverän“, lobt der Redakteur den Erfinder. „Mit dem Wetter haben wir bisher auch Glück. Das ist eigentlich das Einzige, was hier richtig schiefgehen kann.“

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Reckers selber ist begeistert vom Kamerateam: „Es ist schön, dass sie sich so viel Zeit nehmen. Man denkt ja immer, dass die Leute vom Fernsehen gehetzt sind und alles schnell aufnehmen wollen. Aber die sind ganz entspannt und sympathisch.“

An seiner Erfindung entdeckt er aber noch Feinheiten, die verbessert werden könnten. Reckers hofft, eine Firma zu finden, die seine Idee produzieren und vermarkten will.

Klaus Reckers (66) kommt mit seiner Erfindung ins Fernsehen - So läuft es hinter den Kulissen

Klaus Reckers in seiner Werkstatt. Er findet immer wieder Feinheiten an seiner Erfindung, an denen er feilen kann. © Sylva Witzig

Riskante Aktion für die perfekte Aufnahme

Es folgen weitere Aufnahmen im „Labor“, der kleinen Werkstatt von Reckers im Keller der Familie. Auch Nachbar Adolf Brockmann wird ins Boot geholt. Er soll die Erfindung am eigenen Apfelbaum testen.

Und dann wird es noch gefährlich für den Redakteur: Er soll vormachen, wie er von der Leiter abrutscht. Denn genau das, also schwache Beine und schmerzende Füße, soll der Leiteraufsatz von Reckers ja verhindern.

Der Aufsatz verbreitert die Trittfläche. Aus mehreren Positionen wird die Situation gefilmt, immer wieder stolpert Hinsenkamp die Leiter runter. Dabei macht er sich Sorgen um seine Gesundheit:„Hoffentlich breche ich mir nichts.“

Die Erfindung wird auf mehreren Sendern zu sehen sein

Entdeckt hat der MDR Klaus Reckers durch einen Artikel dieser Zeitung. Aber warum kommt der Mitteldeutsche Rundfunk aus Leipzig nach Werne und nicht der Westdeutsche Rundfunk, der in Westfalen seine Lokalprogramme sendet? „Wir sind freie Mitarbeiter. Der Kameramann und ich kommen aus dem Münsterland, der Ton-Mann aus Düsseldorf. Die Sendung ,Einfach genial‘ wird vom MDR produziert.“, erklärt Hinsenkamp.

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„Nach der Erstausstrahlung wird die Sendung auch an die anderen dritten Programme weitergegeben“, sagt Hinsenkamp. Dann könne man Reckers beispielsweise auch beim WDR und NDR sehen.

Hinsenkamp hat im Vorfeld mehrmals mit Reckers telefoniert, um zu erklären, was das Team vor hat: „Es ist uns wichtig, dass die Erfinder keine Angst vor dem Dreh haben. Wir lernen uns vorher schon einmal kennen, damit es vor Ort entspannt abläuft.“

„Die Erfindung ist recht einfach, gar primitiv“

Als Reckers seinen Leiteraufsatz entwickelte, hätte er nie gedacht, wie große Wellen die Erfindung schlagen würde. „Das Teil ist ja recht einfach, gar primitiv. Aber so etwas hat es wohl noch nicht gegeben.

Darauf ist der ehemalige Schlosser mächtig stolz. „Es macht Spaß, für sich selber zu werkeln. Aber wenn andere Menschen die Erfindung gut finden, fühlt sich das noch viel besser an.“ Weitere Erfindungen hat Reckers bisher nicht geplant.

Der Sendetermin steht noch nicht fest

Die Sendung „Einfach genial“ wird seit 1996 produziert. In der Zeit wurden Hunderte Erfinder vorgestellt. Der Sendetermin für die Folge mit Reckers steht noch nicht fest.

Voraussichtlich wird die Leitererfindung aber am 22. Oktober um 19.45 Uhr vorgestellt. „Ganz sicher ist das aber nicht“, betont Hinsenkamp nach einem Telefonat mit der MDR-Zentrale.

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