Auch in der Kinderarztpraxis von Jasmin Lidgett in Werne häufen sich die Fälle von Kindern mit Erkältungssymptomen. © picture alliance/dpa/dpa Themendienst
Erkältung und Corona

Erkältungssymptome: Werner Kinderärztin verzeichnet Anstieg von Fällen

Die Erkältungsfälle bei Kindern und Jugendlichen nehmen zu, auch in Werne. Liegt das an den strengen Hygienemaßnahmen der Coronapandemie? Wir haben bei einer Werner Kinderärztin nachgefragt.

In Nordrhein-Westfalen haben laut Medienberichten derzeit auffallend viele Kinder mit Erkältungssymptomen zu kämpfen. Laut dem Deutschen Kitaverband NRW habe es vor allem den Raum Düsseldorf stark getroffen. Und in Werne? Auch Kinderärztin Jasmin Lidgett habe in den vergangenen zwei Wochen deutlich mehr zu tun gehabt als vorher. Dass Schule und Kindergarten im August wieder losgegangen seien, das merke man schon.

Doch untypisch sei das nicht: „Mit Beginn des Kindergartenjahres zum 1. August weiß man immer schon: Da geht es mit den Infekten wieder los.“ Das liege einfach daran, dass die Kinder untereinander wieder mehr Kontakt hätten. Ohne dabei den Kitas die Schuld zu geben. „Dementsprechend hat das wieder zugenommen mit den Erkältungskrankheiten. Es ist deutlich mehr als im letzten Jahr, aber es ist unklar, ob es auch mehr als 2019 ist. Einen Tick vielleicht, aber manchmal kommt es einem auch nur so vor“, so die Kinderärztin.

Von der Influenza ist in der Praxis noch keine Spur

Erkältungen sind laut Lidgett bei Kindern fast ausschließlich viral bedingt, besonders präsent seien derzeit die sogenannten Adeno-, RS- und Rhinoviren. Aber zu wissen, welches Virus es genau ist, sei nicht so relevant, da die Symptome der meisten Kinder einen milden Verlauf nähmen. „Eine gute Erkältung braucht auch immer zwei Wochen, bis sie verschwunden ist“, so Lidgett. Derzeit deute noch nicht viel auf die echte Influenza hin, die klassischerweise vor allem im Frühjahr im Februar und März ihr Hoch erreicht.

„Letztes Jahr waren die Kinder überwiegend Zuhause und in Quarantäne. Da hatten wir einen deutlichen Rückgang der Infektionskrankheiten und kaum Influenzapatienten mit der echten Grippe. Auch die ganz normalen Erkältungskrankheiten waren deutlich rückläufig“, erklärt Lidgett. Jetzt sehe das anders aus und auch kleine Säuglinge, die bisher noch keine Krankheitserreger kennengelernt haben, seien häufiger in der Praxis.

Haben die Hygienemaßnahmen also ein Problem für die Immunabwehrkräfte der Kinder geschaffen? Jasmin Lidgett verneint das. „Das Gute bei Säuglingen ist, wenn sie auf die Welt kommen und gestillt werden, haben sie noch den Nestschutz der Mutter. Deshalb gibt es relativ selten schwere Infektionen in den ersten 6 bis 7 Monaten.“

Grundsätzlich müsse man als Elternteil keine Angst haben vor Erkältungen, auch nicht bei kleinen Säuglingen. „Das hat die Natur gut eingerichtet“, so die Werner Kinderärztin. Und sorge später für ein starkes Immunsystem und körpereigene Abwehrkräfte. „Kinder brauchen Infekte, um die Immunabwehr aufbauen zu können.“

Bei Säuglingen ist Fieber das entscheidende Kriterium

Wer ein schniefendes oder hustendes Kind zu Hause hat und unsicher ist, was er nun tun soll, dem rät Lidgett: Bei kleinen Säuglingen unter 6 Monaten sei das ausschlaggebende Kriterium Fieber. „Da würde ich zügig zum Kinderarzt gehen.“ Bei Kleinkindern, die nur Husten oder Schnupfen haben, aber ansonsten fit seien, behandele man eher symptomatisch, bei Schnupfen mit Nasentropfen, kühler Luft und viel Trinken.

Bei größeren Kindern bestehe Handlungsbedarf, wenn das Fieber länger als 3 oder 4 Tage andauere oder Husten mehr als 2 Wochen. „Dann sollte das kinderärztlich abgeklärt werden.“ Gleiches gelte etwa bei schwerer Atemnot, Erbrechen oder dem Verweigern von Essen und Trinken. „Da muss man dann gucken“, so Lidgett. Wichtig sei der Allgemeinzustand des Kindes.

Die Sorge vor Corona sei bei den Eltern, die ihre Praxis aufsuchten, vergleichsweise gering. „Da war die Sorge vor einem Jahr glaube ich größer“, so Lidgett. Das liege auch an der veränderten Testsituation: Meist machten die Eltern vor dem Praxisbesuch einen Corona-Schnelltest, dessen Ergebnisse sich dann durch die Testung der Praxis oft noch einmal bestätigten. Nur bei bekannten Kontaktkindern zu nachweislich Infizierten sei die Corona-Trefferquote höher.

Der nächste Erkältungsschub, so Lidgett, komme dann immer zur Sim-Jü. Ob es an der Jahreszeit oder an der Veranstaltung liege, lasse sich nicht abschließend sagen. Aber: „Ich denke schon, dass es mit der Sim-Jü zusammenhängt“, so Lidgett. Mit Blick auf die Pandemie bittet Lidgett Sim-Jü-Besucher, dringend auf die Abstandsregeln zu achten. „Die Kinder gehen dahin und sind überwiegend nicht geimpft.“

Über die Autorin
Redakteurin
Gebürtige Münsterländerin, seit April 2018 Redakteurin bei den Ruhr Nachrichten, von 2016 bis 2018 Volontärin bei Lensing Media. Studierte Sprachwissenschaften, Politik und Journalistik an der TU Dortmund und Entwicklungspolitik an der Philipps-Universität Marburg. Zuletzt arbeitete sie beim Online-Magazin Digital Development Debates.
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