Unzählige Kartons haben Toni Tuklan (l.) und Dietmar Wurst in den vergangenen Monaten für ihre Spendenaktion „Glücklich geht einfach“ zusammen bekommen. Bald endet die Aktion mit der Übergabe der Sportartikel an Kinder in Nigeria. Es soll aber nicht bei einer einmaligen Aktion bleiben. © Andrea Wellerdiek
Spendenaktion für Afrika

„Es ist eskaliert“: Nach großer Resonanz soll Spendenaktion zweier Werner weitergehen

Die Aktion „Glücklich geht einfach“ soll bald in Nigeria den krönenden Abschluss feiern. Die Werner Toni Tuklan und Dietmar Wurst werden die gespendeten Sportartikel verteilen. Ein Ende der Aktion ist aber nicht in Sicht.

Sie haben wenig, aber geben viel. Die Erfahrungen, die Dietmar Wurst auf seinen Reisen nach Afrika gesammelt hat, haben ihn nachhaltig beeindruckt. „Wir haben eine unglaubliche Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft erlebt. Die Einheimischen haben uns eingeladen, obwohl sie selbst nicht viel hatten und wir den ganzen Wagen voll mit Getränken und Speisen hatten“, erzählt der Vorsitzende des SuS Rünthe. In wenigen Wochen kehrt der Werner wieder zurück nach Afrika – mit einem voll gepackten Container.

Darin befinden sich unzählige Sportartikel, die Vereine aus ganz Deutschland beigesteuert hatten. Die Aktion „Glücklich geht einfach“ der beiden Werner Initiatoren Dietmar Wurst und Toni Tuklan sorgte für eine überraschend riesige Resonanz. Die Idee: ausrangierte Trikots, Shirts und andere Sportartikel, die bei vielen Vereinen oft nur im Schrank liegen und nicht mehr verwendet werden, konnten gespendet werden. Allein weit mehr als 20.000 Trikots kamen so zusammen. „Dass es so eskaliert, damit hätten wir nie gerechnet“, sagt der gebürtige Nigerianer Toni Tuklan.

Er selbst flog schon seit Jahren regelmäßig in sein Heimatland, um Kindern und Jugendlichen Sportartikel, die etwa von Werner Firmen gesponsert wurden, zu spendieren. Tuklan nahm immer zwei bis drei Koffer mit, füllte diese mit Spenden und verzichtete für seine Reise selbst auf einen Teil seiner Kleidung.

Dietmar Wurst wiederum macht zu der Zeit die Erfahrung, dass viele Vereine über Sportartikel verfügen, die gar nicht mehr gebraucht wurden. Beim SuS Rünthe, in dem Verein, in dem er seit fünf Jahren im Vorstand ist, gab es laut Wurst „Trikots, die zu gut zum Wegwerfen waren, aber jahrelang nicht gebraucht wurden, weil eine Nummer fehlte oder der Werbepartner wechselte. Diese Trikots fressen einfach viel Platz“.

Zwei Männer mit derselben Idee

Anstatt dass die Sportartikel in den Vorratsräumen der Vereine einstauben, sollten sie lieber sinnvoll genutzt werden, dachte Dietmar Wurst. Sie sollten stattdessen in Afrika an Kinder und Jugendliche gespendet werden.

Wurst hatte selbst immer wieder beobachtet, dass die jungen Menschen ohne Sporthose und -schuhe auf Lehmboden Sport treiben. Um den Kontakt nach Nigeria herstellen zu können, schlug er seine Idee Toni Tuklan vor. Und der war gleich begeistert: „‘Wer hat ihn denn geschickt‘, habe ich gedacht“, erzählt der Musiker aus Werne.

Über den SuS Rünthe starteten die beiden Werner dann die Spendenaktion „Glücklich geht einfach“. Als sich die Aktion in den Vereinen der Region rumgesprochen hatte, war schon Monate später klar, dass einige Koffer nicht ausreichen würden, um die unzähligen Spenden nach Nigeria zu transportieren. Dann entstand die Idee, die Artikel per Schiffscontainer zur Westküste Afrikas zu schicken. Im Container landeten nicht nur ausrangierte Trikots von Amateurvereinen, sondern auch von Borussia Dortmund und dem FC Schalke 04. Von der BVB-Stiftung „leuchte auf“ kamen zudem allein 3600 neue T-Shirts.

Außerdem mehrere Kisten mit Sportartikeln vom Förderverein Bundesdeutscher Hilfsdienste aus Marl. Diese hatten die Initiatoren gemeinsam mit Helfern des SuS Rünthe vor Ort abgeholt. „Wir sind erst mit einem Kombi hingefahren“, erzählt Dietmar Wurst mit einem Schmunzeln. Ungläubig hatten die Verantwortlichen des Vereins darauf reagiert.

Stolz zeigen Toni Tuklan und Dietmar Wurst die Auszeichnung bei der Verleihung „Sterne des Sports“.
Stolz zeigen Toni Tuklan und Dietmar Wurst die Auszeichnung bei der Verleihung „Sterne des Sports“. © Andrea Wellerdiek © Andrea Wellerdiek

Als sie dann die Halle zeigten, in der unzählige Sportartikel gelagert waren, fragte Dietmar Wurst fassungslos: „Dürfen wir wirklich mitnehmen, was wir brauchen?“. Mehrere Fahrten mit einem größeren Transporter nach Marl später war die großzügige Spende des Vereins, der zudem eine finanzielle Hilfe für die Aktion gab, nach Rünthe transportiert.

Hier, an der Regenbogenschule in Rünthe, wo die Stadt Lagerräume zur Verfügung gestellt hatte, wurde der Container Ende Juli gefüllt. 26 Helfer allein vom SuS Rünthe packten mit an. „Ich habe mich schlecht gefühlt. Ich wusste gar nicht mehr, wie ich ihnen danken sollte“, sagte ein bewegter Toni Tuklan, der selbst auch einige Helfer mitgebracht hatte.

Diese Unterstützung und Dankbarkeit der vielen Ehrenamtler, die sowieso unbezahlbar sind, bekommt dennoch eine Anerkennung von höchster Stelle. Der Verein SuS Rünthe wurde für die Aktion „Glücklich geht einfach“ bei der Verleihung „Sterne des Sports“ in NRW mit dem dritten Platz ausgezeichnet. Bei der wichtigsten Preis-Verleihung für Sportvereine in Deutschland setzte sich der SuS Rünthe gegen fast 200 Bewerbungen in NRW durch und sicherte sich so ein Preisgeld von 1000 Euro.

Was mit dem Geld passieren soll, ist noch unklar. Für Dietmar Wurst ist die Auszeichnung an sich bedeutender als der Gewinn des Preisgeldes. „Wir haben ausgesprochen Glück, im Verein überdurchschnittlich viele Helfer zu haben. Das könnte man auch mit viel Geld gar nicht bezahlen“, sagt der Vorsitzende.

Spendenaktion aus Werne soll im Dezember Abschluss finden

Die Unterstützung kommt auch der Spendenaktion „Glücklich geht einfach“ zu gute. Die soll im Dezember endlich ihren krönenden Abschluss finden. Dann sollen die vielen gespendeten Sportartikel bei Dorf- und Sportfesten an benachteiligte Kinder und Jugendliche in Nigeria gespendet werden. Eigentlich sollte die Übergabe schon im September erfolgen. Allerdings hatte die afrikanische Bürokratie dafür gesorgt, dass der Container nicht aus dem Hafen in Lagos freigegeben wurde.

Dies soll in Kürze geschehen, wie Toni Tuklan, der im ständigen Kontakt mit den Behörden vor Ort ist, erklärt. Er und Dietmar Wurst können es kaum erwarten, wenn sie mit den gespendeten Artikel aus Deutschland Kinder in Afrika glücklich machen können und den gastfreundlichen Menschen etwas zurückgeben können.

Deshalb soll es auch nicht bei der einmaligen Aktion bleiben. Die beiden Initiatoren bekommen auch jetzt noch Anfragen von Vereinen, die gern Sportartikel spenden wollen. Für beide steht schon fest, dass sie sich weiter für den Nachwuchs in Nigeria engagieren möchten.

Jetzt gilt es aber, die erste Spendenaktion mit der Übergabe abzuschließen. Toni Tuklan kann sich gut vorstellen, wie die Kinder reagieren werden: „Sie werden sehr dankbar sein. Sport und Musik lenkt sie ab von Dingen, die vielleicht nicht so gut laufen. Wenn es keinen Sport für sie geben würde, wären sie sehr traurig. Das ist Leben.“

Über die Autorin
Redaktion Werne
Studium der Sportwissenschaft. Nach dem Volontariat bei Lensing Media zunächst verantwortlich für die digitale Sonntagszeitung, nun in der Lokalredaktion Werne der Ruhr Nachrichten.
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