Extremismus-Vorwurf: "Café Chaos" wehrt sich

Jugendtreff in Werne

Verbreitet der Jugendtreff „Café Chaos“ bewusst linksextremes Gedankengut? Diesen Vorwurf muss sich die Organisation seit einiger Zeit von der Jugendorganisation der CDU (Junge Union) vorwerfen lassen. Jetzt hat sich der Jugendtreff dazu geäußert .

WERNE

, 20.05.2016 / Lesedauer: 3 min
Extremismus-Vorwurf: "Café Chaos" wehrt sich

Das Team das Café Chaos, das im Jugendzentrum Juwel jeden Freitag und Samstag Programm organisiert. Das Café Chaos ist ein Projekt der Jugendhilfe Werne und wird durch öffentliche Gelder finanziert.

Im konkreten Fall geht es um einen Vortrag des Journalisten Jörg Kronauer, der im „Café Chaos“ – einem regelmäßigen Treff der Jugendhilfe Werne – im Jugendzentrum Juwel einen Vortrag über die Extremismustheorie gehalten hatte. Der Vorsitzende der Jungen Union (JU), Christian Lang (19), hatte in einem Brief an Bürgermeister Lothar Christ den Vortrag massiv kritisiert und ihn aufgefordert, Stellung dazu zu nehmen. „Bei der Veranstaltung wurde es als vollkommen legitim dargestellt, gegen die Verfassung zu sein“, heißt es in dem Brief.

Referent Kronauer wirft Lang unterdessen vor, den Vortrag nicht verstanden zu haben. Darin kritisierte Kronauer die sogenannte Extremismustheorie, da sie Positionen von Rechts- und Linksextremismus gleichstelle. „Ich kann nur spekulieren, dass Herr Lang offenbar seit geraumer Zeit eine Abneigung gegen das Café Chaos hat“, sagt Kronauer. Lang kontert: „Ich habe nicht generell etwas gegen politische Veranstaltungen im Café Chaos, ich finde nur die Nähe zu jeglichem Extremismus nicht gut.“

Inzwischen, sagt Christian Lang, seien Missverständnisse zwischen ihm und dem Journalisten Kronauer ausgeräumt. Auch eine Entschuldigung gegenüber dem Team des Café Chaos, das den Vortrag organisiert hatte, hat es gegeben. Bei der Forderung nach einem politisch neutralen Café Chaos bleibt die Junge Union aber nach wie vor.

Imageverlust durch Vorwürfe

Das Team des Café Chaos um Monika Frantzmann, der Bereichsleiterin der Jugendhilfe Werne, hat unterdessen mit dem Imageverlust durch die JU-Vorwürfe zu kämpfen. „In unseren Vorträgen geht es oft um Antirassismus und Verletzung der Menschlichkeit“, sagt Frantzmann. Und sie gibt zu: eine Tendenz zu linken Themen sei da. Den Vorwurf, linksextrem zu sein, will der Treff angesichts seines breiten Angebotsspektrums aber nicht gelten lassen.

Veranstaltungen des Jugendtreffs

Kickerturniere, Fußballübertragungen, Konzerte in allen Musikrichtungen – das Programm des Jugendtreffs ist breit gefächert. Es wird in Eigenregie durch 20 Jugendliche auf die Beine gestellt und durch öffentliche Gelder finanziert. „Es sind oft Themen, die wir aus aktuellem Anlass zu einem Vortragsthema machen“, erklärt Organisations-Mitglied Anna Vögeding. Thema des nächsten Vortrags am 27. Mai sei beispielsweise die Unterdrückung der Kurden in der Türkei.

Seit September 2014 und bis Dezember 2017 erhält das Projekt 20 000 Euro pro Jahr durch Gelder des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe. Damit werden dann Redner, Bands und all das bezahlt, was das Café jeden Freitag und Samstag organisiert.

„Dass es schon eine Systemkontrolle durch die Junge Union gibt, das finde ich unmöglich“, sagt Uwe Schenk, Direktor der Jugendhilfe Werne. Kollegin Monika Frantzmann ergänzt: „Nach unseren Vorträgen wollen wir mit unseren Gästen diskutieren, aber das hat die Junge Union leider nicht wahrgenommen.“

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