Warum streifte der eingeklemmte Rehbock durch ein Werner Wohngebiet?

hzTierrettung in Werne

Die Feuerwehr rettete einen Rehbock in Werne aus misslicher Lage. Das ist an sich nichts Besonderes. Aber der Ort des Einsatzes war es schon: mitten in dichter Bebauung und an einer großen Straße.

Werne

, 31.05.2020, 13:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dass sich Wildschweine in Wohnsiedlungen tummeln, ist aus größeren Städten bekannt. Dort räumen bisweilen auch Waschbären Mülltonnen auf der Suche nach Abendbrot leer. Aber Rehwild taucht in dichten Wohngebieten doch eher selten auf. „Der Ort war schon ungewöhnlich“, bestätigt auch Bodo Bernsdorf, Leiter des Löschzuges Stadtmitte und Pressesprecher der Feuerwehr Werne.

Denn der Einsatz fand inmitten dichter Bebauung an der viel befahrenen Bahnhofstraße statt. Ein Rehbock hatte sich Donnerstag, 28. Mai 2020, an einem Gitter verfangen. Das Gitter schützte vor dem Absturz in den Tiefgaragenhof eines Mehrfamilienhauses. Das machte die Lage für das Tier besonders misslich. Nicht nur, dass es festhing, sondern es baumelte auch kopfüber über der Abfahrt.

Der Rehbock konnte sich nicht selbstständig befreien. Die Feuerwehr drückte die Gitterstäbe auseinander und befreite das Tier.

Der Rehbock konnte sich nicht selbstständig befreien. Die Feuerwehr drückte die Gitterstäbe auseinander und befreite das Tier. © Feuerwehr Werne

Anwohner bemühten sich, das Tier zu stützen und zu befreien. Doch schließlich mussten sie die Feuerwehr rufen. Mittels eines Spreizers bogen die Retter die Gitterstäbe auseinander und konnten das arme Tier bergen.

Für den Feuerwehr-Sprecher ist einerseits der Ort ungewöhnlich, an dem sich das Tier aufgehalten. „Hier stehen mehrere Häuser und es befindet sich dort eine Garagenanlage.“ Jüngst hatte die Freiwillige Feuerwehr Werne ebenfalls einen Rettungseinsatz rund um ein steckengebliebenes Reh. Bernsdorf: „Aber das war an der Sportanlage im Lindert.“ Da sei die Umgebung ländlich und das Auftauchen eines solchen Tieres nicht ungewöhnlich.

Ungewöhnlich an der Tierrettung an der Bahnhofstraße war für den Feuerwehrsprecher andererseits aber auch die Zeit: „Mitten am Tag war das.“ Für Rehe völlig ungewöhnlich, meint er.

Jäger Klaus-Jürgen Buse, Sprecher des Hegeringes Werne, hat eine Erklärung für das Auftauchen des Tieres an diesem Ort: „Wir befinden uns gerade in der ersten Phase, dass das Rehwild wieder aktiv wird.“ Und in dieser Phase würden alte Rehböcke ihre Reviere gegen jüngere Rivalen verteidigen und diese verjagen.

„Die alten Böcken vertreiben die jungen aus ihren Revieren“, so Buse. Der Nachwuchs müsse sich eigene Reviere suchen und stromere dabei manchmal ziellos umher und verlaufe sich. „Ich vermute, dass es sich bei dem eingeklemmten Tier um einen solchen jungen Rehbock gehandelt hat.“

Insofern sei das Auftauchen des Tieres Mitten in einem belebten Wohngebiet durchaus erklärlich. Buse: „Ich meine, im vergangenen Jahr hatten wir eine ähnlich gelagerte Tierrettung an der Horster Straße.“

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