In der Gasse am Marktplatz haben Bauarbeiter bereits eine besondere Bodenplatte verlegt. Doch die zweite wird schon seit Monaten „vermisst“. © Felix Püschner
Baustelle

Gasse am Werner Marktplatz: Wo ist die fehlende Bodenplatte?

Hat hier jemand etwas vergessen? Die Teilabsperrung in der Gasse am Werner Marktplatz ist verschwunden. Die Stadt ließ hier besondere Bodenplatten verlegen. Aber die Hälfte davon fehlt immer noch.

Wochenlang war ein Teil der Gasse, die den Werner Marktplatz mit der Bonenstraße verbindet, abgesperrt. Der Grund: Die Stadt ließ neue Bodenplatten verlegen. Aber nicht irgendwelche, sondern historisch bedeutsame. Bereits Anfang September 2020 hatte Museumsleiterin Dr. Constanze Döhrer im Kulturausschuss mehrere Entwürfe für zwei große Steinplatten präsentiert. Darauf sollten die Skizzen der ehemaligen jüdischen Schule und der Synagoge zu sehen sein – und ein passender Text mit Erläuterungen.

In der Gasse am Werner Marktplatz haben Bauarbeiter bereits die Bodenplatten verlegt - doch ein Teil fehlt noch.
In der Gasse am Werner Marktplatz haben Bauarbeiter bereits die Bodenplatten verlegt – doch ein Teil fehlt noch. © Felix Püschner © Felix Püschner

Wer heute einen Blick auf den Boden wirft, der sieht zwar die Skizzen und den Schriftzug „Wisse, vor wem du stehst“ – doch wird er sich womöglich trotzdem die Frage stellen: „Ja, wovor denn nun?“ Denn die zweite Steinplatte, auf der die Antwort auf diese Frage zu lesen sein sollte, fehlt noch immer.

Steinplatte lag Anfang Mai schon für ein paar Tage

Tatsächlich lag sie Anfang Mai sogar für ein paar Tage an ihrem angestammten Platz. Doch schon nach einigen Stunden fiel auf, dass die Schrift nicht gleichmäßig war. „Das war natürlich ärgerlich. Aber der Steinmetz hatte es eigentlich nur gut gemeint“, erklärt Wernes Museumsleiterin jetzt auf Anfrage unserer Redaktion. Denn während der Arbeit an der Bodenplatte hatte die Maschine des Steinmetzes einen Defekt. Der Fachmann vollendete sein Werk daraufhin per Hand. Die Abweichung fiel jedoch auf.

An der Gaststätte Fränzers erinnert eine Gedenktafel an den ursprünglichen Standort der Synagoge.
An der Gaststätte Fränzers erinnert eine Gedenktafel an den ursprünglichen Standort der Synagoge. © Felix Püschner © Felix Püschner

„Wir haben die Platte dann an den Steinmetz zurückgegeben. Sie sollte schon vernünftig aussehen. Schließlich wird sie später hoffentlich für eine sehr lange Zeit hier liegen“, so Döhrer weiter.

So sah der Entwurf für die Steinplatte aus.
So sah der Entwurf für die Steinplatte aus. © Stadt Werne © Stadt Werne

Der Steinmetz habe daraufhin versucht, seine Maschine zu reparieren. Weil die allerdings schon einige Jahre auf dem Buckel hatte und keine Ersatzteile mehr aufzutreiben waren, habe er letztlich vorgeschlagen, von vorne anzufangen und den Stein komplett neu in Handarbeit zu beschriften. Dazu benötigte er allerdings einen neuen Entwurf mit einer breiteren Schrift. Der soll bald kommen. „Inhaltlich wird sich am Text aber nichts ändern“, betont Döhrer.

Und das gilt auch für die Kosten. Es bleibt dabei, dass die Stadt rund 3.000 Euro für die Steinplatten zahlt. Döhrer geht davon aus, dass man das fertige Exemplar im September verlegen kann – und zwar in einem feierlichen Rahmen. Anschließend wird dann wohl niemand mehr vor der Steinplatte stehen, einen Blick darauf werfen und sich fragen: „Ja, wovor stehe ich denn nun?“

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Geboren 1984 in Dortmund, studierte Soziologie und Germanistik in Bochum und ist seit 2018 Redakteur bei Lensing Media.
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