Grippe-Impfung in Werne: „Lieferengpässe sind definitiv vorhanden“

hzGrippe-Impfung in Werne

Neben der Corona-Pandemie erwartet uns in diesem Winter die jährliche Grippewelle. Gegen die Grippe kann man sich impfen lassen – doch der Impfstoff ist endlich. So ist die Situation in Werne.

Werne

, 19.10.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Herbst und Winter sind für üblich Grippe-Saison. Zusammen mit der Corona-Pandemie stellt das Influenza-Virus eine ernstzunehmende Doppelbelastung für das Gesundheitswesen da.
Gegen die Grippe kann man sich impfen lassen, doch der Impfstoff ist endlich. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) räumte in einer Pressekonferenz in Berlin am Mittwoch, 14. Oktober, ein, dass es lokal zu Lieferengpässen kommen könnte. Das heiße aber nicht, es komme in Deutschland zu Versorgungsengpässen, erklärte der Minister.

So ist die Situation in Werne

Julia Matlachowksy leitet die Apotheken am Steinhaus und am Solebad. Sie bestätigt auf Anfrage, dass die Nachfrage nach dem Grippeimpfstoff dieses Jahr besonders hoch ist: „Die Nachfrage ist sehr früh sehr groß. Dadurch hoffe ich, dass sich die Lage in den nächsten Wochen beruhigen wird.“

Die Apotheken am Steinhaus und am Solebad haben bisher etwa 2500 Impfdosen abgeben können. 70 Prozent davon gingen an die Arztpraxen in Werne.

In den beiden Apotheken warte man auf vorbestellte Impfdosen. Eine große Charge soll im November geliefert werden. Kleinere Mengen kommen jedoch laufend an. Mit diesen Dosen werden Warteliste-Patienten versorgt, erklärt Apothekerin Julia Matlachowksy.

Vortritt für Risikogruppen

Durch die AHA-Regeln (Abstand, Hygiene, Alltagsmaske) sei in diesem Jahr mit einer milderen und kürzeren Grippewelle zu rechnen. "Ich würde mir mehr Vorgaben seitens der Politik wünschen, anstatt dass die Impfstoffe wie aktuell häufig nach dem 'wer zu erst kommt, mahlt zuerst'-Prinzip verteilt werden", sagt Matlachowksy.

Sie wünsche sich Risikogruppen, medizinisches Fachpersonal, Pflegekräfte und Kinder primär zu impfen. Gerade Kinder seien oft Treiber von Infektionen, da dieses die Viren oft unbemerkt verbreiten.

Da die Grippewelle theoretisch noch bis zum Mai 2021 dauern kann, seien Grippeimpfung zu einem späteren Zeitpunkt auch noch sinnvoll. „Gerade Nicht-Risikopatienten sollten sich fragen, ob sie anderen Gruppen den Vortritt gewähren sollten. Eine Risikoeinstufung durch den Arzt ist sinnvoll“, erklärt Matlachowksy.

Richtige Verteilung entscheidend

„Für Patienten, für die eine Impfung medizinisch notwendig ist, wird es meines Erachtens nach genug Impfstoff geben. Temporäre Lieferengpässe sind jedoch definitiv vorhanden“, prognostiziert Julia Matlachowksy.

Es liegt in den Händen der Fachleute, die Patienten aufzuklären und die Impfdosen nach Verfügbarkeit sinnvoll zu verteilen“, appelliert die Apothekerin.

KVWL warnt vor Doppelbelastung

Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) warnt vor einer Doppelbelastung durch die Influenza und das Coronavirus.

„In diesem ersten Herbst und Winter unter Pandemiebedingungen werden die niedergelassenen Ärzte neben den alljährlichen Grippepatienten zusätzlich auch Corona-Verdachtsfälle betreuen und behandeln. Eine hohe Impfrate bei der Grippeschutzimpfung, vor allem bei älteren und chronisch kranken Personen, ist deshalb in diesem Jahr besonders wichtig", schreibt die KVWL in einer Pressemitteilung.

Weiter heißt es: „2020/21 würden laut Ständiger Impfkommission (STIKO) wahrscheinlich etwa 25 Millionen Impfdosierungen zur Verfügung stehen, für die vollständige Versorgung der Risikopersonen allein würden laut STIKO bereits 40 Millionen Dosierungen benötigt".

„Man müsse eine Unterversorgung der Risikopatienten durch eine falsche Verteilung des Impfstoffes unbedingt vermeiden", fordert Ärztekammer-Präsident Dr. Hans-Albert Gehle in der Pressemitteilung der KVWL.

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