Am 8. August 1924 stieg die Horne über die Ufer und setzte, wie auf dem Bild zu sehen, den Bereich Burgstraße, Roggenmarkt, Westmauer unter Wasser. © Förderverein Stadtmuseum
Horne-Hochwasser

Größte Hochwasser-Katastrophe in Werne liegt fast 100 Jahre zurück

Werne ist, im Gegensatz zu Gegenden weiter südlich, am Mittwoch, 14. Juli 2021, in Sachen Unwetter mit dem Schrecken davongekommen. Das war früher anders, weiß Historikerin Heidelore Fertig-Möller.

Da uns zur Zeit die schrecklichen Bilder von den Überschwemmungen im südlichen Teil von Nordrhein-Westfalen und im nördlichen von Rheinland-Pfalz fast täglich vor Augen führen, dass auch Bächlein und kleine Flüsse großes Unheil anrichten können, falls – klimabedingt – immer mehr Unwetter auch über Deutschland hereinbrechen, soll hier einmal auf das vergangene Jahrhundert geschaut werden. Damals nahm die Horne noch fast ihren natürlichen Verlauf durch Werne, bevor sie um 1970 ihr heutiges Bachbett bekam.

Aber gerade diese Begradigung, die auch bei vielen anderen kleineren Gewässern zu jener Zeit vorgenommen wurde, führte dazu, dass Überflutungen an diesen begradigten Bächen weniger stattfinden, aber die großen Flüsse konnten und können dadurch der Wassermassen nicht mehr Herr werden. Ein Beispiel hierfür ist die Horne, die in den vergangenen Jahrhunderten immer wieder über ihre Ufer trat.

Diese Aufnahme von Hochwasser in Werne stammt aus dem Jahre 1956.
Diese Aufnahme von Hochwasser in Werne stammt aus dem Jahre 1956. © Förderverein Stadtmuseum © Förderverein Stadtmuseum

Die Lippe, das für Werne wichtigstes Gewässer, ist schon in den vergangenen zwei Jahrhunderten durch den Bau von Schleusen intensiv für die Schifffahrt genutzt und nur zu einem Teil im ursprünglichen Bett belassen worden. So wurden und werden z.B. die Lippewiesen im Bereich Stockum und Werne jedes Jahr überflutet. Der Hornebach aber, der mitten durch die Stadt führt und den man einst auch zum Waschen und Bleichen der Wäsche und zum Betreiben von Mühlen ( z.B. Horne-mühle ) nutzte, zwängte man in ein enges Bett.

Schwere Überschwemmungen in den 1920er Jahren

Da die Horne nicht immer in der Lage war, die anströmenden Fluten aufzufangen, kam es u.a. in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts zu schweren Überschwemmungen, die die halbe Stadt heimsuchten. Am 8. August 1924 geschah die wohl größte bekannt gewordene Hochwasserkatastrophe in Werne, als die alte Hornebrücke unter Wasser stand und im Unterland das Hochwasser der Horne auf über einen Meter anstieg.

Vor allem im Bereich der Burgstraße, des Roggenmarktes und der Westmauer konnten die Anwohner fast bis zum Knie im Wasser stehen. Im Jahre 1931 wurde der sog. Freiwillige Arbeitsdienst eingesetzt, um dem Bach innerhalb der Stadt ein größeres Bett zu bauen.

Trotzdem kam es in den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts zu weiteren Überschwemmungen, die nicht nur die Merschwiesen und Felder, sondern auch die tiefer gelegenen Wohnbezirke überflutete. Im Dezember 1951, Juli 1956, Dezember 1960, 1961 und am 16. / 17. Juli 1965 stieg die Horne so an, dass weite Teile des Werner Stadtgebietes unter Wasser standen.

1969 konnte dann die Werner Verwaltung fertige Pläne und Berechnungen den für die Begradigung der Horne zuständigen Genehmigungsbehörden vorlegen, so dass 1970 diese Baumaßnahme in Angriff genommen wurde. Das Flussbett erhielt zum Teil eine drei Meter breite, betonierte Sohle mit einer 30 Zentimeter starken Schotterauffüllung auf Kunststoffgitter. So wurde einerseits die Fließgeschwindig-keit reduziert, andererseits aber auch ein Versanden weitgehend ausgeschlossen.

Die Uferbefestigung wurde dann nach der Höhe des Mittelwassers ausgelegt. Am 17. September 1971 erfolgte der Durchstich des Dammes, der zwischen dem alten und neuen Flussbett aufgeschüttet worden war und gab das Hornewasser frei für den neuen Verlauf durch die Stadt,. Dadurch verlor aber auch der einst idyllische Bach seinen ursprünglichen Charakter, der aber durch Renaturierungsmaß-nahmen in Teilbereichen der Horne schon in den vergangenen Jahren ein wenig wieder hergestellt werden konnte.

Diese sollen nun im Laufe der nächsten Jahre durch das Regionale-Projekt „Werne neu verknüpft“ wesentlich erweitert werden, so dass die Horne wieder mehr von ihrem ursprünglichen Bachbett zurückerhält.

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