Der Penny-Markt an der Lünener Straße hat das, was vielen Gebäuden in Werne noch fehlt: ein begrüntes Dach. © Vanessa Trinkwald (A)
Dachbegrünung

Grüne Dächer sind Mangelware – doch jetzt gibt‘s Vorschriften in Werne

Der Trend zur Dachbegrünung scheint in Werne noch nicht so recht angekommen zu sein. Das belegen Daten von Land und RVR. Die Stadt will bei Neubauten nun gegensteuern – aber nicht bei allen.

Regenwasserspeicher, Wohnraum für Insekten und eine Art natürliche Klimaanlage an heißen Sommertagen – die Liste der Vorteile einer Dachbegrünung ist lang. Kein Wunder also, dass sich das Konzept zunehmender Beliebtheit erfreut, von Klima-Experten und Co. hoch angepriesen und von immer mehr Hauseigentümern auch in die Tat umgesetzt wird.

Dass Wunsch und Wirklichkeit trotzdem oftmals noch weit auseinander liegen, wird beim Blick auf Wernes Dächer deutlich. Denn sonderlich viel Grün ist hier nicht zu sehen. Und das, obwohl es theoretisch viel Potenzial gibt. Laut Angaben des Landesamts für Natur-, Umwelt- und Verbraucherschutz (Lanuv) Nordrhein-Westfalen ist mehr als ein Drittel der gesamten Dachteilfläche der Lippestadt „sehr gut“ bis „noch geeignet“ für eine Begrünung.

Hat Werne den Trend zum grünen Dach verschlafen?

Das entspricht einer Fläche von gut 3 Millionen Quadratmetern und bedeutet Rang 60 auf einer 400 Kommunen umfassenden Liste des Landesamts. Ganz oben thront die Stadt Meckenheim. Der Anteil von Dachflächen mit Potenzial beträgt dort sogar 45 Prozent.

Ist der Trend-Zug also sowohl an Meckenheim als auch an Werne vorbeigefahren ohne Halt zu machen? Oder warum sind so viele Dächer hier noch grau statt grün? Stadtplaner Ralf Bülte sagt dazu auf Anfrage unserer Redaktion: „Wir haben in Werne in erster Linie begrünte Garagen. Und wir haben ziemlich viele Satteldächer – vor allem bei den älteren Bestandsgebäuden. Da ist eine Dachbegrünung kaum möglich.“

Tatsächlich sieht auch der Regionalverband Ruhr (RVR) in Werne noch viel Luft nach oben – beziehungsweise leere (Flach-)Dächer, die sich für eine Bepflanzung gut eignen. Das kann jeder Bürger dem interaktiven Gründachkataster auf der Homepage des RVR entnehmen. Für jedes Haus ist angegeben, ob und wie gut das jeweilige Dach für eine Begrünung geeignet ist.

Laut RVR basieren die Analyseergebnisse auf einem automatisierten Verfahren per Laserscan. Es handle sich jedoch lediglich um eine erste Einschätzung. Daher sollte, „das Ergebnis in jedem Fall überprüft und die Entscheidung für ein Gründach durch entsprechende Fachleute begleitet werden.“

Grüne Dächer sind bei Neubauten in Werne jetzt Pflicht

Gut geeignet sind laut RVR allerdings nicht nur zahlreiche private Wohn- und Geschäftshäuser, sondern auch städtische Liegenschaften. Zum Beispiel das Stadthaus und die Schulgebäude. Potenzielle Flächen, die man laut Bülte auf dem Schirm hat. Im Falle des Stadthauses untersuche man derzeit sogar, inwiefern eine Dachbegrünung möglich ist.

„Wir müssen natürlich immer schauen, ob die Statik eine Begrünung zulässt. Und falls ein Gebäude baulich in Ordnung ist, stellt sich stets auch die Frage, ob man es direkt anpackt oder wartet, bis es ohnehin Erneuerungsbedarf gibt“, so Wernes Stadtplaner. Was Neubauten betrifft, ist die Zukunft der Werner Dächer hingegen relativ fix, wie Bülte mit Blick auf das Neubaugebiet Baaken betont.

Dort habe man nicht nur erstmalig ein Verbot von Schottergärten festgelegt, sondern auch die Vorgabe gemacht, dass flache und flachgeneigte Dächer begrünt werden müssen: „Und das werden wir bei den nächsten Wohngebieten auch als Standard setzen.“

Ein Schritt, den man bei Gewerbegebieten in dieser Form bislang noch nicht gegangen ist. „Wir sind mit den Firmen aber in Gesprächen. Gerade auf großen Hallendächern können sich PV-Anlagen und Dachbegrünung natürlich noch deutlich stärker auf den Klimaaspekt auswirken“, sagt Bülte. Und das sieht offensichtlich auch der RVR so.

Auf dessen Gründachkataster ragen nämlich beispielsweise die Gewerbegebiete im Wahrbrink regelrecht heraus. Das Analyseergebnis: Auf den Hallendächern herrschen ideale Bedingungen. Nur der Gärtner scheint noch nicht in Sicht.

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Geboren 1984 in Dortmund, studierte Soziologie und Germanistik in Bochum und ist seit 2018 Redakteur bei Lensing Media.
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