Handschellen in der Tiefgarage, Wildpinkler, Wodka-Flaschen - mit der Polizei auf Streife

hzSicherheit an Rosenmontag

Seit den Schlägereien 2018 ist der Werner Rosenmontag ein Sicherheits-Thema. Rund 90 Kräfte waren dieses Mal im Einsatz. Wir haben zwei Polizisten begleitet. Die hatten ordentlich zu tun.

Werne

, 24.02.2020, 18:25 Uhr / Lesedauer: 3 min

Seit den Schlägereien und Auseinandersetzungen im Jahre 2018 greift ein verstärktes Sicherheitskonzept für den Rosenmontagszug in Werne. Deutlich mehr Kräfte von Ordnungsamt, Polizei und privatem Sicherheitsdienst sind seitdem im Einsatz. Dieses Jahr waren es am Nachmittag knapp 90. Zwei von ihnen, die Selmer Bezirksbeamten Karl-Heinz Bliecke (52) und Frank Medger (54), haben wir begleitet. Sie hatten ordentlich zu tun:

Gegen 16 Uhr verlassen Bliecke und Medger die Sicherheitszentrale im Alten Rathaus. Seit 12 Uhr sind sie im Dienst „und das Ende ist offen“, sagt Bliecke ohne Bitternis. Er kennt solche Einsätze. Ebenso sein Partner Frank Medger. Seit etlichen Jahren ist der Selmer Bezirksbeamte schon beim Werner Rosenmontagszug im Einsatz: „Früher in Zivil, seit vergangenem Jahr in Uniform.“

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Mit der Polizei auf Rosenmontags-Streife

Die Polizei zeigt seit 2019, gemeinsam mit anderen Kräften, verstärkt Präsenz an Rosenmontag in Werne. Wir haben eine Streife begleitet.
24.02.2020
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Weg mit dem Zeug. Die Polizisten Frank Medger (l.) und Karl-Heinz Bliecke vernichten gerade Alkohol aus Glasflaschen, als sie einen lauten Knall hören. Offenbar hat jemand einen Böller gezündet.© Jörg Heckenkamp
Massive Polizeipräsenz auf dem Marktplatz nach Ende des Umzuges.© Jörg Heckenkamp
Ein junger Mann wollte flüchten, Ordnungsamt und Sicherheitsdienst haben in festgehalten, ihm Handschellen angelegt und die Polizei gerufen.© Jörg Heckenkamp
Der Einsatz in der Tiefgarage bindet für knapp eine halbe Stunde sieben Einsatzkräfte.© Jörg Heckenkamp
Ein junger Mann wollte flüchten, Ordnungsamt und Sicherheitsdienst haben in festgehalten, ihm Handschellen angelegt und die Polizei gerufen.© Jörg Heckenkamp
Bliecke und Medger sondieren das Terrain. "Wir schauen, wo die Stimmung aufgeheizt ist, wo junge Betrunkene sind. Außerdem ist es wichtig, Präsenz zu zeigen."© Jörg Heckenkamp
Die Polizisten eilen zum Einsatzort in der Tiefgarage.© Jörg Heckenkamp
Ordnungsamt und Polizei zeigen starke Präsenz an Rosenmontag.© Jörg Heckenkamp
Zweiter Einsatz in der Tiefgarage. Auf dem Rückweg von dem Einsatz mit dem mutmaßlichen Dealer sehen die Beamten einen völlig betrunkenen jungen Wildpinkler. Ihm droht ein Ordnungsgeld durch die Stadt.© Jörg Heckenkamp
Die Polizei zeigt Präsenz.© Jörg Heckenkamp
Im Bürgersaal des Alten Rathauses ist die Sicherheitszentrale von Ordnungsamt, Polizei und Sicherheitsdienst BAK eingerichtet.Von dort haben die Kräfte einen guten Blick auf den Marktplatz.© Jörg Heckenkamp
An das Glasverbot hält sich längst nicht jeder.© Jörg Heckenkamp
Hauptsächlich junge Leute, oft alkoholisiert, tummeln sich gegen Ende des Umzuges auf dem Marktplatz.© Jörg Heckenkamp
Der Marktplatz nebst Umgebung ist das Einsatzgebiet von Frank Medger (l., 54) und Karl-Heinz Bliecke (52).© Jörg Heckenkamp
In der lärmigen Kulisse auf dem Marktplatz sind die Funksprüche für die beiden Beamten nur schlecht zu verstehen.© Jörg Heckenkamp
Rosenmontag, 16.10 Uhr: Frank Medger (vorne) und Karl-Heinz Bliecke werden in die Tiefgarage am Roggenmarkt gerufen. Dort haben andere Kräfte einen mutmaßlichen Dealer festgehalten.© Jörg Heckenkamp

Das entspreche dem neuen Sicherheitskonzept. Bliecke erläutert: „Wir wollen Präsenz zeigen.“ Das tun sie in diesem Augenblick. Ihr Revier sind der Marktplatz und Umgebung. Sie bahnen sich ihren Weg durch die lärmende, altersmäßig jung bis sehr junge Masse. Funksprüche sind schlecht zu verstehen. Bliecke muss sich zu seinem Funkgerät hinunterbeugen. Die Zentrale beordert das Duo zur Tiefgarage. Ein Mann sei festgenommen.

Beschleunigten Schrittes bahnen sich die beiden Polizisten ihren Weg durch die Menge. Ein betrunkener junger Mann will sie gerade anpöbeln, als er sieht, dass die Polizisten echt sind: „Oh, Entschuldigung“, sagt er mit schwerer Zunge: „Aber geile Kostüme.“ Bliecke lässt sich nicht ablenken: „Hören wir öfter“, sagt er zum Reporter und hastet weiter.

Karl-Heinz Bliecke und Frank Medger sondieren das Terrain. "Wir schauen, wo die Stimmung aufgeheizt ist, wo junge Betrunkene sind. Außerdem ist es wichtig, Präsenz zu zeigen."

Karl-Heinz Bliecke und Frank Medger sondieren das Terrain. "Wir schauen, wo die Stimmung aufgeheizt ist, wo junge Betrunkene sind. Außerdem ist es wichtig, Präsenz zu zeigen." © Jörg Heckenkamp

In der Tiefgarage müssen sich die beiden orientieren. Ein Funkspruch gibt Klarheit: „Tiefgarage der Volksbank.“ In dem Augenblick kommt auch schon eine Mitarbeiterin des Ordnungsamtes den beiden Beamten entgegen. Die drei beschleunigen ihren Schritt bis zur Einsatzstelle.

Dort, hinter einem Absperrpoller, hockt ein junger Mann. Er schaut mit starren Augen, kann sich schlecht bewegen. Der zweite Blick offenbart, warum. Er ist mit Handschellen gefesselt. Es stellt sich heraus: Ein Team von Ordnungsamt und BAK-Sicherheitsdienst entdeckte den jungen Mann und seine Begleiterin dort in der Tiefgarage. Als sie die beiden überprüfen wollten, wollte der Verdächtige flüchten und leistete Widerstand. Die Ordnungskräfte setzten ihn fest, legten ihm Handschellen an.

Bei der Durchsuchung mutmaßlich Drogen feststellt

Bliecke übernimmt das Kommando. Zieht Gummihandschuhe an, beginnt die Durchsuchung des Mannes. Als die Begleiterin gerade auf ihn einreden will, schneidet er ihr scharf das Wort ab: „Sie sind ruhig und reden nur, wenn Sie gefragt sind.“ Die Autorität in der Stimme des Beamten zeigt Wirkung. Bei der Durchsuchung stellen die Beamten mutmaßlich Drogen fest. Nach der Feststellung der Personalien können die beiden gehen.

Bliecke spricht einen Platzverweis aus: „Für Sie ist Karneval in Werne beendet. Bis morgen früh um sechs haben Sie einen Platzverweis für die Innenstadt.“ Außerdem erwartet den jungen Mann ziemlich sicher eine Strafanzeige wegen Verstoßes gegen des Betäubungsmittelgesetz, eventuell auch eine Anzeige wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte.

Wildpinkler in der Tiefgarage am Roggenmarkt

Es ist 16.30 Uhr. Das ertappte Pärchen trottet genervt davon. Bliecke und Medger wollen gerade die Tiefgarage verlassen, als sie eine hagere Gestalt in eindeutiger Pose an einer Wand sehen: ein junger Mann, betrunken, der sich gerade erleichtert. Verdattert schließt er die Hose, als die Beamten ihn ansprechen.

Während Franz Medger die Personalien des jungen Mannes überprüft, muss Karl-Heinz Bliecke einige Beschwichtigungsversuche des jungen Mannes abwehren. Der will „zehn Euro“ sofort bezahlen, schwört, dass er die Lache wegwischen wird und will den Beamten abklatschen. Bliecke bleibt cool, erklärt dem reuigen Wildpinkler, dass die Stadt ihm wahrscheinlich ein Knöllchen zuschicken wird.

Passant berichtet von betrunkenen jungen Leuten

Endlich ist das Duo wieder an der frischen Luft. Kaum haben die beiden den Kirchplatz erreicht, spricht sie jemand an. Dahinten würden junge Leute, fast noch Kinder, Alkohol in rauen Mengen konsumieren. Er zeigt in Richtung Magdalenenstraße.

Bliecke und Medger machen sich auf den Weg. Tatsächlich haben sich dort mehrere junge Leute, das Alter ist schlecht zu schätzen, in einem Hauseingang niedergelassen. Was sofort auffällt: Sie haben Hochprozentiges in Glasflaschen dabei. Frank Medger konfisziert die Flaschen. Zwei der Jugendlichen stehen auf, räumen Glasscherben weg, die sie offenbar dort verursacht haben.

Stimmung auf Kirchplatz schwankt zwischen ausgelassen und ausrastend

Es ist 16.55 Uhr. Die Stimmung auf Kirch- und Marktplatz schwankt zwischen ausgelassen und ausrastend. Bliecke und Medger erklimmen das Rasenstücke auf dem Kirchplatz, leeren die Schnaps- und Wodka-Flaschen aus. In dem Augenblick ertönt ein lauter Knall.

Elektrisiert schauen beide in Richtung Magdalenenstraße. Wahrscheinlich nur ein Böller, den irgendjemand gezündet hat. Aber Karl-Heinz Bliecke und Frank Medger werden versuchen, dem auf den Grund zu gehen.

Rosenmontag 2020 in Werne ist für sie noch längst nicht vorbei.

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