Hauch von Simjü: Kirmesorgel spielt vor Seniorenheimen in Corona-Krise

Ablenkung in Corona-Krise

Willkommene Abwechslung und ein Hauch von Simjü: In den Werner Seniorenheimen St. Katharina und Antonius erklang nun die Kirmesorgel der Dortmunder Schaustellerfamilie Dölfi Hirsch.

Werne

von Rainer Schulz

, 19.04.2020, 11:57 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ein Hauch von Kirmes: Hirsch's 33er Ruth & Sohn – Kirmesorgel erklang vor den Werner Seniorenheimen - sehr zur Freude der Bewohner.

Ein Hauch von Kirmes: Hirsch's 33er Ruth & Sohn – Kirmesorgel erklang vor den Werner Seniorenheimen - sehr zur Freude der Bewohner. © Rainer Theodor Antonius Schulz

In Seniorenheimen herrscht bekanntlich wegen des Coronavirus nach wie vor striktes Besuchsverbot. Nicht sanktioniert ist dagegen die lebensbereichernde Unterhaltung der Bewohner, Patienten und Mitarbeiter, zum Beispiel mit Musik.

Das nutzte Simjü-Schausteller Dölfi Hirsch mit seiner 115 Jahre alten Schwarzwälder Kirmesorgel, die mit dem Tonumfang einer Kirchenorgel und der Lautstärke einer Blaskapelle an beiden Seniorenheimen jeweils eine Dreiviertelstunde am Donnerstagnachmittag,16. April, konzertierte.

Märsche und Operetten

Auf Vermittlung von Kirsten und Rainer Schulz erklang dort die historische Orgel. Zur Freude der Senioren und ihrer Betreuer kamen schmissige Märsche, Operettenmelodien und Schlager sowie Berliner Gassenhauer wie „Das ist die Berliner Luft“ und „Es war in Schöneberg . . .“ zu Gehör – was ganz nach dem Geschmack der auf ihren Balkonen sitzenden Senioren war.

Dölfi Hirsch (l.) steht mit (v.l.) Patrick Arens, Dölfi Hirsch jr. und Markus Heitmann vor seiner Kirmesorgel.

Dölfi Hirsch (l.) steht mit (v.l.) Patrick Arens, Dölfi Hirsch jr. und Markus Heitmann vor seiner Kirmesorgel. © Rainer Theodor Antonius Schulz

Immer wieder spendeten sie nach den einzelnen Musikstücken kräftigen Beifall. „Ich habe ganz bewusst die Notenkisten mit den traditionellen Stücken ausgesucht“ betonte Dölfi Hirsch, der seit Ende der 1960er-Jahre mit verschiedenen Fahrgeschäften und in den vergangenen 20 Jahren mit Kinderschleifen wie „Truck-Stop“ zu Simjü auf dem Kurt-Schumacher-Platz gastiert.

„Ein Stück zurückgeben“

„Hier nach Werne sind wir besonders gern gekommen, zumal wir auf diese Weise den zurzeit einsamsten Menschen etwas von dem zurückgeben können, was wir Schausteller an der Maikirmes und Simjü haben“, unterstrich Hirsch, der aus einem uralten Schaustellergeblüt stammt. Die Maikirmes wurde in dieser Woche bereits abgesagt aufgrund des Coronavirus.

Umso schöner, dass es nun doch einen Hauch von Kirmes in Werne gab. Mit von der Partie als die Orgel erklang waren sein Sohn Dölfi jr. und Schwiegersohn Markus Heitmann, seines Zeichens Vorsitzender des Schaustellerverbandes Münsterland, sowie der Vorsitzende des Schaustellervereins Rote Erde Dortmund, Patrick Arens.

Ein Hauch von Kirmes: Hirsch's 33er Ruth & Sohn – Kirmesorgel erklang vor den Werner Seniorenheimen - sehr zur Freude der Bewohner.

Ein Hauch von Kirmes: Hirsch's 33er Ruth & Sohn – Kirmesorgel erklang vor den Werner Seniorenheimen - sehr zur Freude der Bewohner. © Rainer Theodor Antonius Schulz

Historische Orgel wie auf der Titanic

Bei der Kirmesorgel handelt es sich um eine so genannte 33er Ruth und Sohn, die 1905 in Waldkirch (Schwarzwald) gebaut wurde. Am Rande: Eine komplett identische Ruth-Orgel spielte einst auf der Titanic. Dieses Instrument liegt freilich seit dem Untergang im Schiffsbauch auf dem Meeresboden.

„Spieltisch“ und Notenkasten hinter den Kulissen

„Spieltisch“ und Notenkasten hinter den Kulissen © Rainer Theodor Antonius Schulz

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