„Für mich war es keine Heldentat“: Stefan Suttorp (52) wird als Ersthelfer ausgezeichnet

hzErsthelfer am Unfallort

Weil er sich als Ersthelfer bei einem Unfall engagierte, erhielt Stefan Suttorp (52) aus Werne den Preis „Held der Straße“. Was er getan hat, ist für ihn selbstverständlich, nicht heldenhaft.

Werne, Stockum

, 24.06.2019, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Er ist der „Held der Straße“, aber doch ganz bescheiden. Stefan Suttorp (52) aus Werne wurde vom Automobilclub von Deutschland und Goodyear als „Held der Straße“ des Monats Mai 2019 gekürt. Was er getan hat, ist für den Werner selbst allerdings gar keine Heldentat.

Er hat als Ersthelfer bei einem Verkehrsunfall in Werne geholfen. Suttorp habe nicht lange überlegen müssen, ob er anhält. „Hilfe kann jeder leisten“, sagt der 52-Jährige. Er stand einem Mann in einer prekären Situation Anfang des Jahres zur Seite.

Schneebedeckte und glatte Fahrbahn

Werne glich am 30. Januar 2019 einer einzigen weißen Landschaft. Viel Schnee lag auf den Straßen. Auch der Kiwitzheidweg war schneebedeckt. Entsprechend langsam fuhr Stefan Suttorp nach Dienstende am Gersteinwerk Stockum mit seinem Pkw nach Hause. So dunkel wie der Abend war, so dunkel war auch die Person gekleidet, die er gegen 21.40 Uhr am Straßenrand sah.

Erst habe er den jungen Mann nur im Augenwinkel gesehen. „Da hat einer mit seiner Hand gewinkt“, erzählt Stefan Suttorp. Er wendete daraufhin sein Auto in einer Hofeinfahrt. „Ich habe dann die Stelle, an der der Mann stand, mit meinem Licht ausgeleuchtet“, erklärt Suttorp.

„Für mich war es keine Heldentat“: Stefan Suttorp (52) wird als Ersthelfer ausgezeichnet

Stefan Suttorp mit seiner Auszeichnung zum „Held der Straße“. Zusätzlich zu dem Preis gab es noch kleine Präsente von Goodyear und dem Automobilclub von Deutschland. © Goodyear

Junger Mann stand unter Schock

Als er ausstieg, erkannte Suttorp überhaupt erst, was passiert war. Der junge Mann – Suttorp schätzt ihn auf Anfang 20 – war mit seinem Auto von der glatten Fahrbahn abgekommen. „Sein Auto lag auf dem Dach, völlig zerstört, tief im Graben. Wie er da ohne eine Schramme rausgekommen ist, ist mir ein Rätsel“, sagt Stefan Suttorp. Auch wenn der Mann nicht sichtbar verletzt war, stand er unter Schock.

Um so wichtiger war es, dass Stefan Suttorp richtig reagiert hat. Der Verunglückte habe gerade mit seinem Handy den Rettungsdienst angerufen. „Er konnte aber nicht wirklich ein Wort sagen oder erklären, wo wir sind. Dann habe ich das übernommen“, erzählt Suttorp.

„Er wollte nur eben tanken fahren“

Und er hat den jungen Mann in sein Auto gesetzt, mit ihm gewartet, bis der Rettungsdienst und die Polizei eintrafen, ihm eine Decke gegeben. Der Mann hatte nur ein schwarzes, kurzärmeliges Hemd an. „Er wollte nur eben tanken fahren, weil der Sprit so günstig war, hat er mir erzählt“, sagt Stefan Suttorp.

Der junge Mann habe sich nach dem Unfall, bei dem sein Fahrzeug komplett zerstört wurde, auch darüber geärgert, dass er gerade vollgetankt habe, erzählt Suttorp weiter. Dass der Mann großes Glück im Unglück hatte, war ihm selbst da noch gar nicht bewusst.

Stefan Suttorp ist als Ersthelfer vorbereitet

Glück hatte er auch, dass Stefan Suttorp vor Ort war. Der 52-Jährige ist auf solche Situationen gut vorbereitet. Jährlich nimmt er als Leitstandfahrer am Gersteinwerk an Lehrgängen zum Thema Erste Hilfe teil. So ist Suttorp, der erstmals als Ersthelfer zum Einsatz kam, gut auf brenzlige Situationen vorbereitet.

„Es ist wichtig, dass wir diese Lehrgänge machen. Man weiß, was zu tun ist. Und man bleibt selbst dabei ruhig“, erklärt der Werner. Dass er nach dem Unfall im Januar anhielt und dem Mann half, war für ihn „ganz normal“.

„Ich fühle mich nicht heldenhaft“

Er habe nicht darüber nachgedacht, ob da jemand die Zivilcourage ausnutzen könnte, ihn vielleicht überfallen könnte. „Da war nur eine junge Person zu sehen, die sichtlich Hilfe brauchte. Da habe ich überhaupt nicht daran gezweifelt, ob das alles echt ist“, sagt Suttorp.

Überrascht wurde der Werner allerdings vier Monate später. Da erhielt er die Auszeichnung „Held der Straße“. „Da war ich sehr überrascht. Aber ich fühle mich nicht heldenhaft. Für mich war das selbstverständlich.“

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