Hof Schulze Blasum bietet jetzt Spargelfelder zur Miete - 5000 Meter Edelgemüse stehen bereit

Wegen Corona-Krise

Aus der Not heraus hat Johannes Laurenz (35), Inhaber des Hofs Schulze Blasum, eine neue Geschäftsidee entwickelt: Seine Spargelfelder vermietet er meterweise zum selber ernten.

Werne

, 28.03.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
So sieht die Spargelernte bei Schulze-Blasum üblicherweise aus. Die 19 Arbeiter aus Osteuropa dürfen jedoch aufgrund der Corona-Krise nicht anreisen.

So sieht die Spargelernte bei Schulze-Blasum üblicherweise aus. Die 19 Arbeiter aus Osteuropa dürfen jedoch aufgrund der Corona-Krise nicht anreisen. © Helga Felgenträger

Ganz ausgereift ist die neue Geschäftsidee auf Schulze-Blasum noch nicht, ausgeführt wird sie aber in jedem Fall: Die Werner dürfen sich in dieser Saison einen eigenen Streifen Spargel zum selber ernten mieten. Vorsichtig hatte Landwirt Johannes Laurenz auf Facebook nachgefragt, wie die Werner es finden würden, ihr eigenes kleines Stück Spargelfeld zu bewirtschaften.

Die Resonanz war überwältigend: Geschätzt 400 Nachrichten gingen seit seinem Aufruf bei ihm ein. Etwa 80 Prozent von denen zeigten Interesse am Spargelstechen. „Jetzt haben wir so viele Leute heiß gemacht, die werden wir nicht enttäuschen und einen Rückzieher machen. Wie viele jetzt tatsächlich ein Stück Feld bei mir mieten, ist natürlich noch unklar“, betont Laurenz.

Spargelstechen lernen per Youtube-Tutorial

In zwei bis drei Wochen beginne die Spargelsaison. Bis dahin möchte der Landwirt seine Selbsternter über eigene Youtube-Videos geschult haben. In diesen Tutorials lerne man dann beispielsweise, wie man die Mutterpflanze beim Stechen schützt, damit sie für die kommenden Jahre erhalten bleibt. Denn häufig würden ungeübte Spargelstecher zu tief stechen.

Johannes Laurenz mit seinem Spargel.

Johannes Laurenz mit seinem Spargel. © Helga Felgenträger

„Wenn man nur ein paar Meter für den Eigenbedarf erntet, ist das überhaupt keine schwere Arbeit“, erzählt Laurenz und gerät ins Schwärmen. „Es ist immer wieder spannend unter die Planen zu schauen und zu sehen, was einen da erwartet. Nach dem Stechen sieht man dann schon die neuen jungen Triebe, die hervorkommen.“ Ein Meter Spargelfeld soll für rund 5 Euro zu haben sein. Je nach Qualität koste ein Kilo Spargel üblicherweise zwischen 7 und 8 Euro.

15 Hektar Spargelfelder - 75.000 Meter Spargelreihen

Der Grund für die Selbsternter-Aktion ist die Corona-Krise. Denn eigentlich sollten am 27. März 19 Spargelstecher aus Rumänien nach Werne kommen. Die müssen nun auf Anweisung der Regierung daheim bleiben und stellen Laurenz vor ein Problem: 15 Hektar Spargelfelder hat der Landwirt zu bewirtschaften. Auf einen Hektar, also 10.000 Quadratmeter, passen insgesamt 5 Kilometer Spargel. Ein Meter Spargelfeld gibt etwa einen Ertrag von einem Kilo Spargel - und nun fehlen die Arbeiter, die diese insgesamt 75.000 Kilo Spargel ernten sollten.

Auch ungeübte Werner können nun zu Spargelstechern werden - laut Laurenz sei das gar nicht so anstrengend.

Auch ungeübte Werner können nun zu Spargelstechern werden - laut Laurenz sei das gar nicht so anstrengend. © picture alliance/dpa Foto: dpa

Eine handvoll Arbeiter sei schon zur Vorarbeit vor Ort gewesen und bleibe nun auch für die Ernte. Einen Teil des Spargels lasse Laurenz nun bis zum nächsten Jahr weiter wachsen. So werden die Stangen kräftiger. Und einen Hektar öffnet der Landwirt nun für interessierte Bürger. Dabei soll es eine Mindestabnahmemenge geben, die noch nicht fest stünde. Denkbar seien zehn Meter. Für einen Meter lohne sich der Aufwand nicht, so Laurenz.

Spargelstecher müssen sich an die Spielregeln halten

„Unser einziges Problem ist jetzt nur noch die Organisation, wie wir einen Massenauflauf auf dem Hof vermeiden“, so Laurenz. Möglich sei es, Termine zu vereinbaren, damit nicht alle gleichzeitig kämen. Zwischen den Spargelreihen sei ohnehin ein Abstand von zwei Metern. „Wichtig ist, dass sich dann wirklich alle an die Spielregeln halten, damit der Laden nicht berechtigterweise dicht machen muss“, so Laurenz.

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Der Landwirt werde während des Stechens für Rat und Tat vor Ort sein. Außerdem gebe es Aushänge mit Ernteanleitungen. Wer sich für ein eigenes Stück Spargelfeld interessiert, solle sich per E-Mail oder Facebook melden. „Unsere Telefone laufen jetzt schon heiß. Bitte meldet euch schriftlich“, plädiert Laurenz an die Interessenten.

Infektionsrisiko bei pendelnden Arbeitern ist größer

Nicht nur der Spargel stellt Laurenz vor eine Herausforderung: „Wir müssen pokern und uns überlegen, wie viel wir jetzt überhaupt ernten können.“ Er sei das Ping-Pong mit der Regierung leid. „Jeden Tag kommen neue Richtlinien. Erst hieß es, unsere Arbeiter dürfen kommen, jetzt wieder doch nicht. Das macht mich wütend. Das Ganze ist total undurchdacht“, sagt er.

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Denn die rumänischen Spargelstecher kämen seit Jahren nach Werne, seien angelernt und blieben während ihrer Zeit in Werne unter sich. Ungelernte Arbeiter aus der Umgebung bräuchten doppelt so lange, würden doppelt so viel Geld fordern und nach der Arbeit nach Hause fahren - durch das Pendeln sei die Infektionsgefahr viel größer als bei einer geschlossenen Arbeitergruppe auf dem Hof.

Am 4. und 5. April öffnet der Hofladen von Schulze Blasum jeweils von 9-13 Uhr Das Bauernlädchen auf dem Hof Wesselmann zwischen Werne und Herbern zieht eine Woche später nach und öffnet am 11. April. „Die Öffnungszeiten für den weiteren Verlauf teilen wir euch zeitnah mit, sobald sie feststehen“, heißt es auf der Facebookseite des Hofes. In diesem Jahr können Kunden online vorbestellen und bezahlen. Außerdem gibt es einen Lieferservice im Umkreis von 10 Kilometern. Der Vorbestell- und Lieferservice startet voraussichtlich am 15. April. Wer sich ein Spargelfeld mieten möchte, muss sich nicht mehr lange gedulden: Ab dem 15. April soll es losgehen. Die Anmeldung wird vorraussichtlich online erfolgen. „Wir melden uns rechtzeitig mit allen Details“, verspricht der Hof auf seiner Facebookseite.
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