Fast ein Jahr lang kämpfen Bettina Schriever und Horst Nußbaum vom Stadthotel im Kolpinghaus bereits mit den Auswirkungen der Corona-Krise. © (A) Felix Püschner
Gastronomie in Werne

„Hoffe auf vollen Biergarten“: Werner Gastronomen zu neuen Coronaregeln

Gastronomien mit Außenbereich sollen bald wieder öffnen können. Wir haben mit dem Stadthotel und dem Stilvoll im Rathaus gesprochen, wie sie sich auf eine Wiedereröffnung vorbereiten.

Nach Monaten der Schließung können zumindest die Gastronomien mit Außenbereich darauf hoffen, ab dem 22. März wieder öffnen zu können. Das ist das Ergebnis, auf das sich Bund und Länder am späten Mittwochabend (4. März) beim neuesten Coronagipfel verständigt haben. Vorausgesetzt, die Inzidenz des jeweiligen Kreises oder der kreisfreien Stadt liegt dann seit 2 Wochen stabil unter 50.

Horst Nußbaum aus Werne ist Inhaber des Stadthotels im Kolpinghaus, das über eine große Außenanlage verfügt. Er sieht den neuesten Bund-Länder-Regeln mit Hoffnung, aber auch mit Skepsis entgegen: „Im Moment sind wir in der Kette noch das letzte Glied. Wenn ich mir dann heute die neuen Zahlen ansehe, steht das in keinem Verhältnis. Da ist keine Stagnation, die gehen ja schon wieder leicht nach oben.“ Andererseits müsse man fairerweise aber auch sagen: „Die können ja auch nicht zaubern. Klar, für uns Gastronomen ist es sehr sehr wichtig, wenn wir einen Fixtermin hätten. Man hat sich ja nicht innerhalb von 24 Stunden darauf eingerichtet, die Lagerbestände aufgefüllt, die Ware bestellt und die Kühlhäuser angestellt.“

Nußbaum musste schon zwei Mal Waren wegwerfen

Doch auch wenn die Gastronomien gerade „in die Röhre“ schauten, sagt Nußbaum: „Lieber ‘ne Woche später als zu früh.“ Denn nichts sei schlimmer, als zu einem fixen Termin wieder aufzumachen, dann steige die Inzidenz und die Gastronomen könnten wieder ihre Türen schließen. „Das ist uns schon zwei Mal passiert, dann können wir die ganze Ware wieder wegschmeißen.“ Getränke ließen sich noch einigermaßen leicht zurückgeben, aber im Speisenbereich sei das natürlich nicht möglich. „Da denken ja viele gar nicht dran, was das für Summen sind.“

Die Kurzfristigkeit ist auch das, was Andreas Nozar vom Stilvoll im Rathaus stört: den Betrieb wieder hoch zu fahren, brauche Vorlaufzeit. Der Getränkelieferant etwa müsse erst einmal auf die Brauerei warten, die ebenfalls den Betrieb wieder erst ankurbeln müsse. „Wir brauchen drei bis vier Wochen Vorlaufzeit.“

Für ihn sind die aktuellen Aussagen von Bund und Ländern noch zu vage. Ebenso wie die Auflagen, die mit einem Gastrobesuch auf Gäste und Betreiber zukommen. Brauche es Schnelltests? Welche Bedingungen sind an die Öffnung geknüpft? Und über allem schwebe das allgegenwärtige Damoklesschwert der steigenden Inzidenz. „Es bringt uns nichts, wenn wir 14 Tage später wieder alles zu machen müssen“, so Nozar. Entsprechend bereite er derzeit auch noch nicht die Wiedereröffnung vor. Denn er fürchtet bei einer verfrühten Öffnung vor allem, dass eine hohe Inzidenz der Gastroszene den ertragreichen Sommer zerstören könnte.

Nußbaum hofft, das Ostergeschäft mitnehmen zu können

Horst Nußbaum vom Stadthotel will in diesem Jahr ausschließlich in seinem Außenbereich bewirten, in dem er circa 120 Gäste begrüßen kann. Der Bereich verfüge über eine eigene Küche und eigene Kühlhäuser. Die Innengastronomie soll geschlossen bleiben. Die große Außenanlage lasse es zu, dass man die Platzzahl nicht reduzieren müsse und die Tische gut verteilen könne. „Die Außengastro hat jetzt einen riesen Vorteil“, so der Werner. „Da können wir uns im Gegensatz zu Kollegen ohne Außengastro ganz anders aufstellen.“

„Wir sind dabei, den Biergarten herzurichten und unsere Hoffnung ist, dass wir das Ostergeschäft mitnehmen dürfen. Das würde uns auch sehr gut tun“, so der Gastronom. Derzeit werde ein Außenzelt aufgebaut, das das ganze Jahr über stehen bleiben soll und bei Bedarf beheizt und auch beleuchtet werden könne.

Die Außengastronomie starte erfahrungsgemäß immer mit Ostern. „Das ist so eine Faustregel“, sagt Nußbaum. Zwar glaube er nicht, dass die Kunden sofort mit Tag 1 wieder in die Gastronomien strömten, er denkt aber, dass viele auf auswärtigen Urlaub verzichten und sich eher in den eigenen Heimatorten aufhielten. „Ich hoffe auf einen vollen Biergarten.“ Wie es mit den restlichen Gastronomiebetrieben mittelfristig weitergeht, das wollen Bund und Länder am 22. März beraten.

Über die Autorin
Redakteurin
Gebürtige Münsterländerin, seit April 2018 Redakteurin bei den Ruhr Nachrichten, von 2016 bis 2018 Volontärin bei Lensing Media. Studierte Sprachwissenschaften, Politik und Journalistik an der TU Dortmund und Entwicklungspolitik an der Philipps-Universität Marburg. Zuletzt arbeitete sie beim Online-Magazin Digital Development Debates.
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