Mit jedem neuen Skandal in der Fleischindustrie schwindet das Vertrauen in den Metzger von nebenan. So schafft ihr euch neue Veganer und am Ende euch selbst ab, meint unsere Autorin. © picture alliance / dpa
Meinung

Ihr Metzger schafft neue Vegetarier und euch selbst ab!

Mit jedem Skandal überdenken Menschen ihr Essverhalten. Wer weiter Fleisch essen will, muss eins: sich auf andere verlassen können. Das Vertrauen bei Mecke in Werne ist nun zerstört.

Immer wieder sorgen Skandale in der Fleischindustrie dafür, dass Menschen ihren Fleischkonsum überdenken. Einige werden zum Vegetarier oder sogar zum Veganer. Ich gebe zu, dass ich nicht so weit gehe und ungern komplett auf Fleisch verzichten möchte. Doch es fällt mir immer schwerer, demjenigen zu vertrauen, der mir vorgaukelt, ein gutes Stück Fleisch bei ihm kaufen zu können.

Natürlich haben die Bilder aus der Viehsammelstelle der Firma Mecke in Werne schockiert. Es ist unfassbar und erschütternd, wie Menschen Tiere auf derartige Weise misshandeln können. Es ist aber auch unverständlich und unverzeihbar, wie Landwirte Kühe und Rinder überhaupt in einen derartigen Zustand bringen können.

Lebende Tiere werden hier offenbar solange auf brutalste Weise ausgebeutet, bis sie kein Geld mehr bringen. Profit kann man mit den Tieren, die lebende Leichen sind, offenbar dennoch machen. Ansonsten würden sie nicht in einer Viehsammelstelle wie der von Mecke landen.

Vertrauen in Metzgerei Mecke in Werne zerstört

Das Vertrauen in den Metzger von nebenan ist langfristig zerstört. Die Metzgerei ist für viele Menschen eine der wenigen Anlaufstellen, die es überhaupt noch gibt, wenn man „gutes Fleisch“ kaufen will. Doch was ist überhaupt „gutes Fleisch“? Bei Mecke in Werne hat man gar „feinstes Fleisch“ angepriesen. Doch wer kann garantieren, dass das Versprechen eingehalten wird? Niemand!

Natürlich gibt es Bio-Siegel oder etwa die Marke Neuland, die qualitativ hochwertiges Fleisch aus artgerechter und umweltschonender Tierhaltung verspricht. Es soll ein strenges Qualitätsmanagement und unregelmäßige Kontrollen bei teilnehmenden Landwirten und Verkaufsstellen geben.

Doch woher weiß ich, dass auch da alles mit rechten Dingen zugeht? Selbst bei der Vorzeigemarke Neuland gab es Skandale. Plötzlich stand Neuland auf Produkten, wo gar kein Neuland drin war. Auch hier kann der Verbraucher nur darauf vertrauen, dass das Fleisch von Tieren stammt, die vernünftig gehalten wurden. Kontrollieren kann er es nicht.

Noch schwieriger als an Fleisch- und Wurstwaren mit Bio- oder Neulandstempel kommt man heutzutage an Produkte direkt vom Landwirt. Und wenn der Kunde im Hofladen seine Nackensteaks für den Grill-Abend kauft, muss er ebenso darauf vertrauen, dass das Fleisch tatsächlich von ähnlich glücklichen Tieren stammt, die er sich im Stall anschauen kann. Weil man nicht selbst Hausschlachtungen durchführen kann, muss man auf die Versprechen anderer bauen, wenn man nicht auf Fleischkonsum verzichten will. Doch mit jedem neuen Skandal schaffen die Fleischer und Metzger neue Vegetarier und am Ende sich selbst ab.

Über die Autorin
Redaktion Werne
Studium der Sportwissenschaft. Nach dem Volontariat bei Lensing Media zunächst verantwortlich für die digitale Sonntagszeitung, nun in der Lokalredaktion Werne der Ruhr Nachrichten.
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