Sven Laube wohnt an der Varnhöveler Straße, an der im 50er-Bereich seit Jahren die Geschwindigkeiten überschritten werden. © Privat
Verkehr in Werne

Im Schnitt 27 km/h zu schnell: Anwohner an Varnhöveler Straße machtlos

50 km/h gilt auf einem Teil der Varnhöveler Straße. Doch viele Autofahrer halten sich nicht daran. Die Anwohner wissen nicht mehr weiter, Antworten vom zuständigen Kreis sind ernüchternd.

Eigentlich gilt auf einem Teilstück der Varnhöveler Straße in Werne seit Herbst 2019 Tempo 50. Das hatte die Stadt Werne entschieden, nachdem sich Anwohner über überhöhte Geschwindigkeiten von Autofahrern auf der Strecke beschwert hatten. Die Stadt hatte daraufhin eine Anordnung an den Kreis Unna geschrieben, dass sie Tempo 50 auf einem Teil der Varnhöveler Straße als wichtig erachtet. Doch noch immer werden dort Autofahrer mit überhöhter Geschwindigkeit gemessen.

Sven Laube wohnt seit über 10 Jahren an der Varnhöveler Straße. Mit den Jahren, sagt der Werner, habe die Problematik zugenommen. Er wandte sich mit seinen Nachbarn an die Stadt. „Das ist letztes Jahr massiv schlimmer geworden. Vorher war die Straße marode. Da haben die Leute aufgepasst.“ Doch mit der Sanierung der Straße 2019 und dem fehlenden Mittelstreifen habe die Problematik zugenommen.

Im Durchschnitt sind Autofahrer 27 km/h zu schnell unterwegs

Stadt, Kreis und auch die Polizei haben an der Stelle schon einige Male geblitzt. „Jedes Mal, wenn ich eine Mail schreibe, dann wird Tage danach geblitzt.“ Doch mehr passiere nicht. In einem Schreiben des Kreises Unna an Sven Laube heißt es, man habe sich nun hinreichend zu dem Thema ausgetauscht. Und: „Ich habe die Straße weder gebaut noch wurde von mir die Geschwindigkeit angeordnet“, schreibt ein Mitarbeiter des Kreises. Kontrollen fänden statt, „mehr kann der Kreis Unna als Straßenverkehrsbehörde nicht machen.“

Die Verkehrsüberwachung auf der Varnhöveler Straße obliegt dem Kreis Unna. Die Stadt hat auf die Anwohnereingaben hin allerdings Verkehrsüberwachungen durchgeführt, wie Adrian Kersting, Abteilungsleiter im Straßen- und Verkehrsamt der Stadt Werne, erklärt.

Wichtig dabei ist die sogenannte V85-Geschwindigkeit, die als wichtigste Bewertungsgröße zur Abbildung des tatsächlichen Fahrverhaltens dient. Sie ist das Geschwindigkeitsniveau, das von 85 Prozent der Fahrzeuge erreicht wird. Die Stadt hat an der Straße in zwei Zeiträumen gemessen: am 20. Juni 2018 um 12.10 Uhr und am 18., 19. und 20. September je um 10.25 Uhr. 2018 maß der Kommunalbetrieb der Stadt eine V85 von 58 Kilometern pro Stunde, vom 18. bis 20. September 2020 je eine V85 von 77 Kilometern pro Stunde – 27 km/h über den erlaubten 50. In einer Mail der Stadt an Sven Laube heißt es, dass diese Überschreitung auch dort als erhöhte Gefahr wahrgenommen werde. Die Maximalgeschwindigkeiten lagen bei der Messung 2018 bei 86, 2020 zwischen 131 und 140 km/h.

Kreis Unna spricht von einer Maximalüberschreitung von 45 km/h

Auf Anfrage heißt es vom Kreis Unna, dass man in Höhe der Hausnummer 69 bis 73 eine Messstelle für mobile Geschwindigkeitsüberwachung eingerichtet habe. Und: „An der Messstelle hat die kreiseigene mobile Geschwindigkeitsüberwachung im Jahr 2019 insgesamt 148 Verstöße und im Jahr 2020 insgesamt 180 Verstöße dokumentiert. Der höchste hier bekannte Verstoß lag bei 45 km/h Überschreitung und somit bei 95 km/h gemessener Geschwindigkeit“, sagt Pressesprecherin Birgit Kalle.

Als Unfallhäufungsstelle sei der Bereich bisher nicht aufgefallen, so Kalle weiter. Das bestätigt auch die Kreispolizeibehörde in Unna, wie Pressesprecherin Vera Howanietz erklärt. Die Polizei hatte im Mai 2020 drei Mal in dem betroffenen Abschnitt geblitzt – immer zu anderen Uhrzeiten. Je eine weitere Messung folgte im Juni und im August 2020. Der „Spitzenreiter“ sei im Juni mit 93 km/h bei den erlaubten 50 km/h erwischt worden, so die Polizeisprecherin.

Im Mai wurden Höchstgeschwindigkeiten von 86, 89 und 81 km/h gemessen. Doch zum Ende seien die Auffälligkeiten immer geringer geworden. „Im Moment liegt da kein Augenmerk drauf, weil wir da sonst keine Anhaltspunkte für Gefährlichkeiten haben“, sagt Howanietz. Sven Laube wünscht sich für den Abschnitt ein Überholverbot, eine höhere Frequenz der Messungen oder eine fest installierte Blitzanlage. Doch auf seine Wünsche habe er bisher keine Antwort erhalten, so der Werner.

Über die Autorin
Redakteurin
Gebürtige Münsterländerin, seit April 2018 Redakteurin bei den Ruhr Nachrichten, von 2016 bis 2018 Volontärin bei Lensing Media. Studierte Sprachwissenschaften, Politik und Journalistik an der TU Dortmund und Entwicklungspolitik an der Philipps-Universität Marburg. Zuletzt arbeitete sie beim Online-Magazin Digital Development Debates.
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