Jugendhilfe will Förderschule in Werne - Hat die Inklusion in der Stadt versagt?

hzSchulen in Werne

Die Jugendhilfe Werne plant eine Förderschule in Werne. Ob und in welcher Form die Privatschule ab 2021 kommt, ist noch ungewiss. Klar ist aber, die Politik kann dazu gar nichts entscheiden.

Werne, Selm

, 29.11.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Jugendhilfe Werne möchte wieder eine Förderschule für Werne einrichten. Ab dem Schuljahr 2021/22 sollen auf einer Privatschule Kinder und Jugendliche mit besonderem Förderbedarf unterrichtet werden.

Bisher befinden sich die Verantwortlichen in der Findungsphase, in der rechtliche und wirtschaftliche Grundlagen geklärt werden. Sicher ist aber, dass die Stadt Werne nichts entscheiden darf. Denn die Jugendhilfe als Kooperationspartnerin der Stadt Werne plant eine Schule auf privater Basis.

Bei der Jugendhilfe bleibt als Trägerin das gesamte Risiko

„Wenn jemand eine Privatschule gründet, dann ist das hinzunehmen von den Kommunen. Es ist eine Entscheidung, die allein der Träger trifft. Er trägt auch allein das Risiko“, erklärt Alexander Ruhe, Jugenddezernent der Stadt Werne.

Dennoch beteiligt Uwe Schenk, Geschäftsführer der Jugendhilfe Werne, die Verantwortlichen der Stadt in den Planungen, wie Ruhe erzählt. „Das müsste er theoretisch nicht tun“, so der Jugenddezernent.

100 Kinder in der Förderschule

Er selbst hält sich mit einer Bewertung der Idee einer Förderschule in Werne noch zurück. Schließlich würde man sich noch in der Findungsphase befinden, in der noch viele Fragen zu klären seien. Etwa die, wie viele und welche Schüler künftig tatsächlich auf die Schule gehen sollen.

„Die Zahl der Schüler ist noch offen. Aber in einer Förderschule sind maximal zehn Kinder in einer Klasse. Wenn wir dann alle zehn Jahrgänge nehmen, sind wir bei 100 Kindern“, rechnet Uwe Schenk vor.

Weite Wege zur Förderschule

Die neue Förderschule soll laut Schenk neben den Kindern aus den eigenen Jugendhilfe-Einrichtungen auch für alle anderen Kinder, die einen Förderbedarf in den Schwerpunkten „Lernen“ und „Emotionale und soziale Entwicklung“ haben, geöffnet sein.

Grund für die Planung der Förderschule seien die zunehmenden Probleme, Kinder mit besonderem Förderbedarf adäquat zu unterrichten, so Schenk. Zudem seien im Zuge der Inklusion weniger Förderschulen in der Region vorhanden, sodass die Kinder oft einen weiten Weg zur Schule haben.

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Gemeinsames Lernen seit 2009

Seit 2009 ist Deutschland verpflichtet, behinderte und nicht-behinderte Schüler gemeinsam zu unterrichten. Nach der Stärkung der inklusiven Pädagogik sind immer mehr Förderschulen in der Region geschlossen worden, so etwa die Barbaraschule in Werne. Mit der Astrid-Lindgren-Schule, die im Sommer von Lüdinghausen nach Nottuln zog, fällt ein weiterer Förderschul-Standort in der Nähe weg.

Ist die Eröffnung einer neuen Förderschule also ein Rückschritt in Sachen Inklusion? „Ja, das ist in Teilen eine Rolle rückwärts. Nach Ansicht der Jugendhilfe Werne ist nicht jedes Kind mit besonderem Förderbedarf dazu geeignet, in einer Regelschule so beschult zu werden, dass es dem Kind auch hilft. Es ist auch ein Stück weit die Verabschiedung aus dem inklusiven Schulgedanken, weil man die Kinder wieder herauszieht. Und darüber kann man tatsächlich diskutieren“, sagt Alexander Ruhe.

Standort(e) für neue Förderschule(n) noch unklar

Wo die Jugendhilfe die Förderschule errichtet, ist noch unklar. Sie plant ebenso einen Standort im Südkreis von Coesfeld. Die Entscheidung, ob es zwei Förderschulen oder eine Schule mit zwei Standorten gibt, sei noch nicht gefallen, so Schenk.

Auch in der Standort-Frage sind den Kommunen die Hände gebunden. Theoretisch kann eine private auch gleich neben einer staatlichen Schule eröffnet werden, erklärt Ruhe. Bei staatlichen Schulen könne man immer abwägen, ob die eine die andere Schule in ihrer Existenz gefährdet.

Bei privaten Trägern sei dies aber nicht der Fall. „Das ist deshalb auch eine spannende Diskussion, weil man das bislang noch nicht so kennt“, sagt der Jugenddezernent.

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