Keine Zwänge, keine Satzung – so hat man Spaß im Alter

hzZwar in Werne

Einen furiosen Auftakt nahm das Projekt Zwar im Frühjahr 2019 in Werne. Beim Auftakt-Treffen wurden die Organisatoren beinah überrannt von mehr als 200 Interessenten. Und das Interesse ist geblieben.

Werne

, 17.09.2019, 16:18 Uhr / Lesedauer: 2 min

Man habe rund 250 Teilnehmer in etwa 30 verschiedenen Interessengruppen, sagt Jochen Höinghaus (61), der für die Stadt Werne den Zwar-Prozess koordiniert. Genauere Zahlen gibt es nicht. Das liegt aber in der Natur der Sache: „Zwar ist ja kein Verein mit festen Strukturen“, sagt Jochen Höinghaus.

Zwar – Zwischen Arbeit und Ruhestand – ist eine vier Jahrzehnte alte Erfindung aus Dortmund. Damals ging es darum, Bergleuten und Hüttenwerkern, die mit Mitte 50 in den Vorruhestand sollten, eine sinnvolle Beschäftigung zu bieten. Und zwar auf selbst organisierter Basis.

Zwar-Konzept funktioniert in Werne dank dreier Partner

Das Konzept funktionierte und hat sich auf verschiedene Städte ausgeweitet. Seit März 2019 auch auf Werne. Mithilfe der Kooperationspartner Stadt Werne, Zwar Dortmund und Caritasverband Lünen-Selm-Werne kam es zur Gründung.

Das Prinzip ist relativ einfach: Menschen in fortgeschrittenem Berufs- und Lebensalter sollen eigenverantwortlich Freizeitmöglichkeiten schaffen, um nach der Pensionierung nicht „ins Loch zu fallen“.

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Unbürokratisch, ohne Zwänge und Satzung

Das Ganze möglichst unbürokratisch, ohne Vereinssatzung oder Pöstchen. Dennoch bedarf es eines gewissen Rahmens, damit die Gruppen ans Laufen kommen und am Laufen bleiben. Zwei wichtige Grundparameter gibt es: Jochen Höinghaus als kundiger Ansprechpartner bei der Stadt und die 14-tägigen Treffen in der Cafeteria des Stadthauses.

An jedem Montag in einer ungeraden Kalenderwoche kommen die Zwarler ab 18.30 Uhr zu einem lockeren Kontakgespräch zusammen (Höinghausen: „Jeder andere ist aber selbstverständlich willkommen.“), um sich auszutauschen, Erfahrungen zu teilen oder neue Ideen vorzustellen. Ohne feste Tagesordnung, alles ganz locker.

Diese „Strukturlosigkeit“ ist offenbar genau das, was die Generation zwischen 55 und 75 mag. Selbstorganisiert, keine Verpflichtungen, kein Tadel, wenn man an einer Aktivität mal nicht teilnehmen kann. Das Konzept führt dazu, dass in Werne eine Fülle von Interessengruppen entstanden ist: ob wandern oder walking, ob boulen oder klönen, ob Karten spielen oder nähen.

Mal zählt eine Gruppe bis zu 50 Teilnehmer, mal nur ein Dutzend. Alles ist im Fluss. „Zum Winter hin verschieben sich die Aktivitäten“, sagt Höinghaus. Auf den 14-tägigen Treffen in der Stadthaus-Cafeteria kamen Ideen für Indoor-Aktivitäten wie eine Nähgruppe auf.

Höinghaus ist beeindruckt, dass der Schwung vom Premierentreff bei den Interessenten bis heute anhält: „Es gibt hier keine Zwänge und da haben die Leute einfach Bock drauf.“

  • Wer sich für eine Zwar-Gruppe interessiert, kann eines der 14-tätigen Treffen (jeden Montag in der ungeraden Kalenderwoche ab 18.30 Uhr) besuchen.
  • Oder sich telefonisch an den städtischen Zwar-Koordinator Jochen Höinghause, Tel. (02389) 71-318, wenden.
  • Momentan ist mithilfe des Caritasverbandes der Aufbau einer eigenen Internetpräsenz für Zwar Werne geplant.
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