„Was ist uns wichtiger: unsere Kinder oder vier Eichen?“ – Streit um neuen Kita-Standort

Kita am Grote Dahlweg

Eine neue Kita soll am Grote Dahlweg entstehen. Jetzt wurden Details bekannt. Für den Neubau müssten vier Eichen weichen. Das sorgt für Streit in der Politik. Steht der Standort auf der Kippe?

Werne

, 27.06.2019, 17:05 Uhr / Lesedauer: 2 min
„Was ist uns wichtiger: unsere Kinder oder vier Eichen?“ – Streit um neuen Kita-Standort

Um vier Eichen am Grote Dahlweg wird heftig gestritten. Hier soll die neue Kita, die 17. der Stadt Werne, entstehen. Dafür müssen die vier Pflanzen weichen. © Mario Bartlewski

Eigentlich war alles klar: Die neue Kindertagesstätte, die Werne so dringend braucht, entsteht am Grote Dahlweg. Aus 14 möglichen Standorten haben sich die Politiker für den im Evenkamp entschieden. Doch nun könnte die Kehrtwende und das Aus für den Kita-Standort drohen.

Denn: Für den rund 1250 Quadratmeter großen Neubau müssten vier alte Eichen gefällt werden. Und das gefällt nicht jedem. Auch die Informationspolitik der Stadtverwaltung kritisierten die Politiker erneut im Ausschuss für Stadtentwicklung, Planung, Umwelt und Verkehr am Dienstag, 25. Juni.

Rege Diskussionen um vier Bäume

Vier gesunde, alte Eichen mit großem Durchmesser sorgten am Dienstag für heiße Diskussionen. Die alten Bäume sollen für den Neubau der Kita weichen. Dies gab Ralf Bülte, Baudezernent der Stadt, in der Ausschusssitzung bekannt. „Wir haben den Bebauungsplan Hin und Her geschoben. Wir haben alle Varianten geprüft. Aber es gibt zu dieser Idee keine Alternative.“

Für jede gefällte Eiche sollen an anderen Stellen zwei neue Bäume gepflanzt werden. Ein Witz, wie Klaus Schlüter von den Grünen – nicht ganz überraschend – sagte. „Ich müsste doch bescheuert sein, vier gesunde Eichen zu fällen“, pflichtete ihm Peter Roemer von der SPD bei. Nach reger Diskussion stellte Gudrun Holtrup (CDU) dann die provokante Frage: „Was ist uns denn wichtiger: unsere Kinder oder vier Eichen?“

„Was ist uns wichtiger: unsere Kinder oder vier Eichen?“ – Streit um neuen Kita-Standort

Am unteren Fuße des Sportplatzes soll die neue Kita entstehen. Doch der Standort könnte auf der Kippe stehen. © Helga Felgenträger (A)

Keine Alternative zum Abholzen?

Doch zum Abholzen gebe es keine Alternative, so die Stadtverwaltung. Baulich habe man alle Varianten ausgeschöpft, so Bülte. Ein zweigeschossiger Bau käme für Investoren nicht in Frage. Das sorgte für Unverständnis bei den Ausschussmitgliedern.

Deshalb wünschen sich die Politiker nun: neue Vorschläge für den Bau, die die Eichen verschonen. Und: ein Pflanzen-Ersatzkonzept, falls die Eichen entfernt werden müssen. Gelingt dies nicht, könnte der Neubau an diesem Standort platzen. Dann müsste die Verwaltung über einen neuen Platz für die Kita diskutieren.

Neue Standort-Suche würde viel Zeit kosten

Und das würde wieder Zeit kosten. Der Bau am Grote Dahlweg sollte im Herbst 2019 beginnen. Ein Jahr später könnte hier die Kita, in der Nähe des Sportplatzes und in Trägerschaft der Arbeitwohlfahrt (Awo), eröffnen.

Damit hätte die Situation mit vorübergehenden Kita-Plätzen in der ehemaligen Barbaraschule und an der Klöcknerstraße ein Ende. „Die Zeit drängt. Die Barbaraschule zum Beispiel ist auf Dauer nicht als Kita geeignet“, erklärte Petra Göbel aus dem Bau- und Denkmalamt der Stadt Werne.

Standort war klar, Eichen-Abholzung erst jetzt bekannt

Für Ärger sorgte indes die Informationspolitik der Stadtverwaltung. „Wir werden heute zum ersten Mal darüber informiert, dass vier Eichen gefällt werden müssen. Das ist für mich eine unsägliche Informationspolitik der Stadtverwaltung“, monierte Schlüter (Grüne).

Das wollten wiederum die Verantwortlichen der Stadt nicht so stehen lassen. „Das ist eine Unterstellung, dass wir nicht richtig informiert haben. Wir brauchen dringend neue Kitas. Dieser Standort soll bleiben. Sie haben diesen Standort einstimmig beschlossen. Es ist kein Schnellschuss“, sagte Ausschussvorsitzender Michael Zurhorst.

Zeit bleibt bis Montag

Er verwies darauf, dass es in der Sitzung lediglich um die Kenntnisnahme des Sachstandes ginge und nicht um einen Beschluss. Und erst mit dem Bebauungsplan seien die Details bekannt geworden, dass die Eichen weichen müssen, ergänzte Stadtplaner Ralf Bülte.

Dennoch haben die Politiker nur noch bis Montag Zeit, das Thema in ihren Fraktionen zu besprechen. Dann möchte die Verwaltung die frühzeitige Beteiligung starten, das heißt, die Öffentlichkeit über den Bau informieren.

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