Klare Kante: Die Stunde der Stammtischparolen-Klopfer muss enden

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Immer lauter, immer derber wird der Ton, mit dem sich Nutzer in den sozialen Netzwerken bekriegen. Dabei wird ordentlich Hass versprüht. Das muss ein Ende haben, findet Redakteurin Eva-Maria Spiller.

Werne

, 01.05.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ich weiß eigentlich gar nicht, warum es mich immer noch schockiert, wenn ich mich bei Facebook einlogge, um zu schauen, was die Menschen in unserem Einzugsgebiet bewegt.

Über die Jahre hat sich die Diskussionskultur im Internet in Luft aufgelöst. Oder sagen wir besser: in Hass verwandelt. Wo man vor gut 15 Jahren noch solide Diskussionen in Foren geführt hat, ohne beleidigend zu werden, posaunt nun gefühlt jeder seine Meinung in den sozialen Netzwerken heraus. Und das oft in keiner besonders netten, geschweige denn sachlichen oder teilweise überhaupt nachvollziehbaren Weise.

Eine einfache Frage wird mit einer Beleidigung beantwortet

Das ist für die meisten nichts Neues. Und doch hat mich eine Diskussion am Montag besonders schockiert: Nachdem die Maskenpflicht nur Stunden zuvor in Kraft getreten war, fragte eine Wernerin in einer Facebook-Gruppe, ob sie auch eine Maske benötige, wenn sie nur kurz zum Bankautomaten gehe.

Eine, wie ich finde, legitime Frage in Zeiten, in denen vieles ungewiss ist und Menschen in der Isolation den Austausch suchen mit allen, die in derselben Situation sind.

Doch anstatt der Frau zu antworten ob ja oder nein, wurde sie schon im zweiten Kommentar als dumm bezeichnet. Es folgten viele weitere Kommentare, die teils sehr beleidigend wurden. Fast niemand stand ihr zur Seite. Geschweige denn kam die Fragestellerin überhaupt noch dazu, zu erwähnen, dass sie bereits eine Maske besitze. Denn da war der Hass-Zug schon in voller Fahrt. Unterwegs weit ab von der eigentlichen Fragestellung.

Immer lauter, immer derber, immer feindseliger

Immer lauter, immer derber, immer feindseliger scheint der Kommentar-Usus online geworden zu sein. Kultur möchte ich das erst gar nicht nennen. Möglichst in die Meinungskerbe hauend, von der der Kommentator sowieso schon weiß, dass sie vorherrscht, werden schnell ein paar fiese Sätze getippt. In lauter Erwartung der Likes und „Richtig so“, die Mitläufer dann dalassen und runtertippen. Hauptsache dazugehören.

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Und wem bringt das was? Dem Kommentator für 5 Minuten Überlegenheitsgefühl, einen Screenshot für die Freude als Beweis, wie man es online jemandem „Dummes“ so richtig gezeigt hat? Und dann?

Es ist schockierend, dass Menschen es für legitim halten, jemanden online als dumm zu bezeichnen. Geborgen hinter dem Bildschirm des eigenen Smartphones.

Deshalb habe ich eine dringende Bitte: Es gibt im Internet schon genug Hass, und gerade in der derzeitigen Situation sollten wir uns das Leben gegenseitig nicht noch schwerer machen. Denn dafür gibt es nie einen legitimen Grund. Werden Sie bitte nicht noch ein weiterer Teil dieses Usus.

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