Johannes zur Bonsen ist seit Mitte vergangenen Jahres Klimaschutzmanager in Werne. © Stadt Werne
Interview

Klimaschutz in Werne: Gefahrenkarte könnte eine teure Sache werden

Werne soll klimafreundlicher werden. Dafür hat die Stadt seit 2020 einen eigenen Manager. Ende 2021 soll das Konzept samt Maßnahmenkatalog verabschiedet werden. Ein Aspekt ist besonders relevant.

Mehr Bäume für die Werner Innenstadt, Starkregen-Gefahrenkarten und weitere PV-Anlagen – auch in Gewerbegebieten: Der Entwurf des Katalogs mit Klimaschutzmaßnahmen für die Lippestadt umfasst gut 50 Punkte. Im Interview erklärt Klimaschutzmanager Johannes zur Bonsen unter anderem, wo die Schwerpunkte liegen und was die nächsten Schritte sind.

Herr zur Bonsen, der Maßnahmenkatalog wirkt für eine kleine Stadt wie Werne schon recht üppig. Stand es um den Klimaschutz hier tatsächlich so schlecht?

Nein, es ist völlig normal, dass Klimaschutzkonzepte so viele Maßnahmen beinhalten. Das sieht man auch in den Konzepten anderer Kommunen. Auch dort sind in der Regel Dutzende Punkte in Katalogen aufgeführt. Das liegt vor allem daran, dass Klimaschutz viele Handlungsfelder umfasst.

Wie gut war es denn bislang um die Klimafreundlichkeit in Werne bestellt?

Wir haben vor einigen Monaten in Zusammenarbeit mit einem Fachbüro eine Endenergie- und Treibhausgasbilanz erstellt, die systematisch erfasst hat, in welchen verschiedenen Bereichen Emissionen anfallen – zum Beispiel in kommunalen Einrichtungen, im Verkehr aber auch in privaten Haushalten und im Gewerbesektor. Es ist so, dass die Emissionen in Werne in den letzten Jahrzehnten durchaus gesunken sind – allerdings nicht so stark wie in anderen Kommunen. Das ist für uns eine Motivation, den Klimaschutz hier noch stärker anzugehen.

Beim Klimastreik zogen in Werne bereits Hunderte Menschen durch die Straßen.
Beim Klimastreik zogen in Werne bereits Hunderte Menschen durch die Straßen. © Vanessa Trinkwald (Archiv) © Vanessa Trinkwald (Archiv)

Bei dem Maßnahmenkatalog handelt es sich bislang lediglich um einen Entwurf. Enthält er dennoch Punkte, die bereits fix sind?

Verabschiedet wird der Katalog gemeinsam mit dem Klimaschutzkonzept letztlich erst bei der Ratssitzung im Dezember. Vorher tagt noch der Ausschuss für Umwelt, Mobilität und Klimaschutz. Wir werden uns mit den Fraktionen im Vorfeld zu den Entwürfen der Klimaschutzmaßnahmen noch abstimmen und gegebenenfalls Anpassungen vornehmen. Grundsätzlich ist es so, dass der Beschluss eines solchen Konzeptes ein Commitment für den Klimaschutz darstellt.

Die Maßnahmen, die dort drinstehen, sollten auch umgesetzt werden. Wobei es natürlich immer einen gewissen Spielraum gibt. Man kann ja nicht abschätzen, wie sich die Situation in den nächsten zwei Jahren entwickelt – etwa mit Blick auf Fördergelder.

Es gibt aber doch sicher Maßnahmen, die eine höhere Priorität haben oder etwa nicht?

Es gibt auf jeden Fall Maßnahmen, die ein größeres Klimaschutzpotenzial als andere haben. Zum Beispiel im Bereich der klimafreundlichen Mobilität oder bei der Sanierung städtischer Gebäude. Allerdings ist Letzteres erfahrungsgemäß auch ziemlich teuer. Da ist man schnell bei 10.000 oder sogar 100.000 Euro. Der Ausbau der Erneuerbaren Energien, etwa von PV-Anlagen, ist langfristig ebenfalls ein wichtiger Baustein.

Platz für Photovoltaik-Anlagen ist in Werne noch reichlich – zum Beispiel auf den Dächern einiger Lagerhallen…

Da führen wir auch gerne Gespräche und vermitteln zwischen Firmen und externen Beratungsstellen wie beispielsweise der Energieagentur NRW. Aktuell plant beispielsweise die Firma Garbe, PV-Anlagen auf dem Hallendach zu installieren. Lokal erzeugter grüner Strom auf so einer großen Fläche – das hat ein hohes Potenzial, Treibhausgase einzusparen. Wir können für solche Dinge werben. Ob er auf seinem Dach PV-Anlagen installiert oder nicht, bleibt aber letztlich eine Entscheidung des Gebäudebesitzers.

Beim Kostenpunkt fällt im Maßnahmenkatalog unter anderem die Erstellung einer Starkregengefahrenkarte ins Auge. Die soll bis zu 150.000 Euro kosten. Ist das ein Druckfehler?

Nein, die Kosten dafür sind stark projektabhängig und fangen bei 20.000 Euro an. Eine detaillierte Untersuchung der Topografie hat ihren Preis. Dennoch ist das ein sehr wichtiger Punkt. Die jüngsten Ereignisse in NRW zeigen doch, was passieren kann, wenn das Thema Überflutungsvorsorge nicht an aktuelle und zukünftige Herausforderungen angepasst wird.

Es gibt Modelle und Szenarien, die davon ausgehen, dass die Zahl der Starkniederschlagstage in den nächsten Jahrzehnten signifikant steigen wird. Das bedeutet nicht, dass dabei immer Menschen zu Tode kommen. Aber wenn es dann jedes Mal 50 überflutete Keller gibt, ist das ja auch ein bedeutender Schaden.

Beim Starkregen Mitte Juli 2021 standen Teile Wernes unter Wasser. Darunter auch die Kreuzung Münsterstraße/Hansaring/Penningrode.
Beim Starkregen Mitte Juli 2021 standen Teile Wernes unter Wasser. Darunter auch die Kreuzung Münsterstraße/Hansaring/Penningrode. © Jörg Heckenkamp (A) © Jörg Heckenkamp (A)

Die Gefahrenkarte zählt zum Handlungsfeld „Klimafolgenanpassung“. Dort ist auch der Punkt „Bäume in die Stadt“ aufgeführt. Können sich die Werner also bald auf eine parkähnliche Altstadt freuen?

Es geht ja grundsätzlich bei Begrünungsmaßnahmen im Kontext von Klimaschutz um Hitzevorsorge in Bereichen, die besonders von Überwärmung betroffen sind. Dazu gehört perspektivisch die historische Innenstadt, aber auch die großen Gewerbegebiete. An diesen Stellen werden wir schauen, inwiefern die lokalen Akteure bereit sind, da etwas umzusetzen, zum Beispiel durch Baumpflanzung oder Fassadenbegrünung. Aktuell steht die Zahl von 20 Bäumen pro Jahr im Katalog. Aber das ist bislang nur ein erster Ansatz und keine fixe Zahl. Das gehört zu den Dingen, die wir mit der Politik noch diskutieren werden.

Maßnahmenkatalog umfasst mehrere Handlungsfelder

  • Der Maßnahmenkatalog zum Klimaschutzkonzept ist in mehrere Handlungsfelder aufgeteilt. Dazu gehören Mobilität, Erneuerbare Energien und Energieeffizienz, Klimabildung, Klimafolgenanpassung sowie der Bereich Gewerbe, Handel und Dienstleistungen. Angegeben ist für alle einzelnen Maßnahmen, wann sie starten sollen, wie hoch der finanzielle Aufwand ist und wer für die Umsetzung verantwortlich ist (zum Beispiel der KBW, die Wirtschaftsförderung oder die Stadtplanung). Ein Großteil der Maßnahmen soll kurzfristig beziehungsweise bereits im kommenden Jahr umgesetzt werden.
  • Im Handlungsfeld Mobilität sind unter anderem ein klimafreundlicher städtischer Fuhrpark aufgeführt sowie der Ausbau der Ladeinfrastruktur für E-Autos und Car-Sharing-Angebote. Zum Handlungsfeld Erneuerbare Energien und Energieeffizienz zählen hingegen die Erarbeitung einer Solargründach-Strategie für kommunale Liegenschaften, PV-Anlagen auf Parkflächen im Stadtgebiet und die Einbindung von Wohnungsbaugesellschaften in Klimaschutzaktivitäten.
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Geboren 1984 in Dortmund, studierte Soziologie und Germanistik in Bochum und ist seit 2018 Redakteur bei Lensing Media.
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