Eltern müssen neben ihrem Impfausweis ab sofort auch einen Testnachweis vorzeigen, wenn sie ihr krankes Kind in eine Kinderarzt-Praxis begleiten. Auch in Werne sieht man sich vor eine Herkulesaufgabe gestellt. © dpa (Symbolbild)
Kinderärzte in Werne

Kollaps droht: Geimpfte Eltern kommen nur mit Test in Kinderarzt-Praxen

Mit dem neuen Infektionsschutzgesetz gilt eine Testpflicht für geimpfte Eltern, wenn sie ihr Kind in eine Kinderarzt-Praxis begleiten. Erste Ärzte drohen mit Schließungen. So reagiert man z. B. in Werne.

Ärger um neue Corona-Regel: Das neue Infektionsschutzgesetz, das am Mittwoch (24. November) in Kraft getreten ist, stellt die Kinderärzte vor neue Herausforderungen. Eltern, die ihre kranken Kinder zum Arzt begleiten, müssen ab sofort einen negativen Testnachweis vorweisen – auch wenn sie geimpft sind. Erste Ärzte drohten deshalb bereits, ihre Praxen zu schließen, sollte es keine Entschärfung des neuen Gesetzes geben.

In Werne steht man in den aufgrund der Erkältungs- und Grippesaison sowieso schon stark belasteten Kinderarztpraxen damit vor einer neuen Herkulesaufgabe. Das liegt auch daran, dass man sich hier überrumpelt fühlt von der neuen Regelung.

Neues Gesetz überrumpelt Werner Kinderärzte

Erst seit Dienstagabend – und damit wenige Stunden vor dem Inkrafttreten – sei sie über das neue Infektionsschutzgesetz informiert worden, berichtet Jasmin Lidgett. Die Kinderärztin aus Werne erklärt, dass man sich deshalb zunächst in der Praxis sortieren müsste. „Leider kommt alles sehr kurzfristig bei uns an. Wir sind noch nicht so weit, darauf reagieren zu können“, sagt sie.

Äußern möchte sie sich deshalb noch nicht zu der verschärften Regelung. Die Möglichkeit, die Tests für begleitende Eltern selbst in der Praxis anzubieten, sieht sie nicht. Sie betont indes: „Wir werden die Kinder weiterhin gut versorgen“. Auch Dr. Michael Gilbert möchte zunächst die Gespräche zwischen dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) und dem Gesundheitsministerium abwarten, bevor er sich äußert. Der Werner Kinderarzt sagt aber: „Selbstverständlich werde ich kein krankes Kind abweisen, weil die Begleitperson keinen aktuellen Test hat.“

Eltern reagieren mit Unverständnis

Bei Werner Eltern stößt die Neuregelung auf Unverständnis: „Ich soll also erst zu einem Testzentrum fahren, während mein krankes Kind im Auto wartet, bevor wir dann in die Praxis fahren können?“, fragt eine zweifache Mutter, die anonym bleiben möchte, perplex.

Wenn das eigene Kind krank ist, würden doch alle Eltern schnellstmöglich versuchen, einen Arzt aufzusuchen. „Viele Testzentren vergeben ja auch Termine. Dann müsste man erst gucken, ob man kurzfristig einen Termin bekommt und ob die Praxis dann noch geöffnet ist“, stellt sie sich ein denkbares Szenario vor.

Bleibt es bei dieser Regelung, werden viele Eltern das aber in Kauf nehmen müssen, glaubt sie. „Wenn das Kind krank ist, fährt man dann eben zum Testzentrum. Aber das geht wieder zu Lasten der Kinder.“

Die Wernerin ist wie ihr Mann zwei Mal geimpft und steht kurz vor der Booster-Impfung. Das Paar testest sich und die beiden kleinen Kinder dennoch mehrmals wöchentlich. „Man kann auch als Geimpfter das Virus in sich tragen. Deshalb testen wir uns regelmäßig, um nochmal ein Stück weiter auf Nummer sicher zu gehen – zum Beispiel, wenn wir Freunde oder die Familie besuchen.“

Die Testpflicht für Eltern in Kinderarzt-Praxen könne sie aber nicht nachvollziehen. „Ich verstehe den Sinn nicht. Man geht ja sowieso mit Maske hinein. Meine Kinder müssen noch keine Maske aufsetzen. Den Zusammenhang verstehe ich nicht“, sagt die Wernerin. Eine verschärfte Maskenpflicht, etwa das Tragen von FFP2-Masken, sei für sie eher denkbar.

Generell, so die Mutter weiter, seien die Kontakte bei dem Arzt ihrer Kinder auf ein Minium begrenzt. Mit anderen Eltern und Patienten käme man eigentlich nicht in Kontakt, berichtet sie. „Die Eltern bleiben eigentlich immer mit ihren Kindern im Auto sitzen, bis sie angerufen werden, wenn sie an der Reihe sind“, erklärt sie das Prozedere bei Dr. Gilbert in Werne.

Erst vor wenigen Tagen hat sie es so gehandhabt, als sie ihre Tochter (4) und ihren Sohn (2) wegen Erkältungen in die Praxis begleitet hat. Künftig muss die Mutter neben ihrem Impf- auch ein Testnachweis vorlegen, wenn sie die Praxis betritt.

Über die Autorin
Redaktion Werne
Studium der Sportwissenschaft. Nach dem Volontariat bei Lensing Media zunächst verantwortlich für die digitale Sonntagszeitung, nun in der Lokalredaktion Werne der Ruhr Nachrichten.
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