Kontaktliste: Donald Duck und Mickey Maus zu Gast in Werner Gastronomien

hzCoronavirus in Werne

Wer ins Café, Restaurant oder Kino geht, muss seine Kontaktdaten korrekt ausfüllen - anderenfalls droht demjenigen eine Geldstrafe. Werner Gastronomen berichten über Falschinformationen auf Kontaktlisten.

von Charlotte Schuster

Werne

, 09.10.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Als Gast in Gastronomien und anderen Freizeiteinrichtungen ist man coronabedingt dazu verpflichtet, seine Kontaktdaten gewissenhaft anzugeben. Somit sollen mögliche Infektionsketten nachvollzogen werden.

Wer sich mit falschen Daten in einer Gastronomie oder einem Café in die Gästeliste einträgt, muss seit dem 1. Oktober ein Bußgeld in Höhe von 250 Euro zahlen. In manchen Werner Gaststätten sei es zuvor tatsächlich häufiger vorgekommen, dass die Gäste falsche Angaben zu ihrer Person gemacht haben.

Donald Duck zu Gast bei Stilvoll am Rathaus

Andreas Nozar, der Inhaber des Restaurants Stilvoll im Rathaus äußert, dass sich schon einmal ein Gast als Donald Duck eingetragen habe. Der Name Max Mustermann, welcher häufig als Beispielname in Dokumenten verwendet wird, wurde auch schon in die Kontaktliste eingetragen.

Das Restaurant Wienbrede habe ähnliche Erfahrungen gemacht. Dort wurden die beiden Disney-Charaktere Donald Duck und Mickey Maus als Name vermerkt, berichtet die Servicekraft Nadine Mersch.

Künftig werden Menschen, die auf die Kontaktlisten in Gastronomien beispielweise „Donald Duck“ schreiben, mit einem Bußgeld von 250 Euro bestraft.


„Das funktioniert nur auf Basis von gegenseitigem Vertrauen“

Natürlich besteht auch die Möglichkeit, dass die Gäste falsche Informationen zu ihrer Person angeben, die nicht direkt als „erfunden“ enttarnt werden können. Nozar kann sich auch gut vorstellen, dass so etwas vorkommt: „Einfach Müller mit irgendeiner Nummer angeben, sodass man nicht nachverfolgt werden kann“.

Auch Sanimir Cufurovic, der Inhaber des Restaurants Hornemühle, gibt zu, dass man nicht immer wissen könne, ob die Gäste ihre richtigen Kontaktdaten aufschreiben. Um sich da ganz sicher sein zu können, müsse man den Ausweis aller Personen verlangen. „Das funktioniert nur auf Basis von gegenseitigem Vertrauen“, betont er.

Die Servicekraft des Restaurants Wienbrede glaubt nicht, dass ein Gast falsche Angaben im Restaurant Wienbrede machen würde, da sie und ihr Team von vielen Stammgästen bereits die Namen kennen würden.

Gast muss korrekte Angaben machen, sonst wird er nicht bedient

Wenn ein Gast auffällig falsche Daten auf die Kontaktliste vermerken würde, sehe die Reaktion bei allen Gastronomen ähnlich aus. Sie würden den Gast aufmerksam darauf machen, dass er korrekte Angaben machen muss.

„Der Gast ist dazu verpflichtet seine Kontaktdaten korrekt anzugeben. Tut er das nicht, darf ich ihn nicht bedienen“, erklärt Cufurovic. Mersch merkt aber an, dass es normalerweise schwer ist herauszustellen, ob richtige Daten angegeben werden. Man dürfe sich auch nicht den Ausweis zeigen lassen - das wäre die Aufgabe des Ordnungsamts.

Zudem äußert Nozar, dass man zunächst meistens nur nachschaut, ob der Zettel überhaupt ausgefüllt worden ist. Erst später kontrolliere man welche Informationen genau angegeben worden sind. Er führt fort, dass man mittlerweile ein besonderes Auge auf die Korrektheit und Vollständigkeit der Daten haben müsse, da die Gastronomen dazu verdonnert wurden, besser aufzupassen.

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Gäste füllen Kontaktformular sorgfältiger aus

Zu Beginn der Corona-Krise sei es häufiger mal passiert, dass Gäste das Kontaktformular partout nicht ausfüllen wollten, sagt Andreas Nozar. Mittlerweile passiere das aber nicht mehr. „Wenn wir den Gästen das Formular geben, sagen wir immer ‚einmal ihre Hausaufgaben machen‘ dazu. Dann müssen sie gleich lachen und füllen es auch vernünftig aus“, führt er weiter fort.

Im Restaurant Wienbrede und im Restaurant Hornemühle sei sowas zum Glück noch nie vorgekommen, da die beiden Restaurants vor allem von Stammgästen und Familien besucht werden. Sanimir Cufurovic hat das Gefühl, dass seine Gäste - insbesondere in den vergangenen Tagen - ihre Daten sehr sorgfältig angegeben haben, da sie mittlerweile wissen würden wie ernst die Lage sei.

Kontaktformulare bedeuten zusätzliche Arbeit für Gastronomen

Neben ihren eigentlichen Tätigkeiten, sollen Gastronomen möglichst Acht darauf geben, dass ihre Gäste das Kontaktformular vollständig und korrekt ausfüllen. Das ist eine zusätzliche Arbeit, die Zeit und Kosten in Anspruch nimmt.

Andreas Nozar kritisiert, dass den Wirten sehr viel zugemutet wird. Es müsse sehr viel Verwaltungsarbeit bewerkstelligt werden. Grundsätzlich sei es in Ordnung, dass es die Kontaktformulare gibt. Bisher gab es im Stilvoll im Rathaus noch keinen Coronafall und dementsprechend mussten die Formulare mit den Kontaktdaten auch noch nicht an das Ordnungsamt weitergegeben werden, berichtet er. Wenn man die Formulare der vergangenen vier Wochen immer wieder wegwerfen muss, „hat man das Gefühl, dass die ganze Arbeit für die Katz war“, bemängelt er.

Nadine Mersch findet die Kontaktlisten zur möglichen Nachverfolgung von Corona zwar wichtig, jedoch verstehe sie auch, dass die Gäste das Ausfüllen dieser als anstrengend empfinden. Ältere Leute haben besonders häufig bedenken, was mit ihren Daten passiert, erklärt sie.

Cufurovic von dem Restaurant Hornemühle sieht das etwas anders: „Ich persönlich empfinde die Kontaktformulare nicht als Arbeit. Sie sind mittlerweile schon in meine Arbeit integriert“.

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