Kreisverkehr: Wernes neues Schmuckstück hat als Bonus eine Stolperfalle

hzVerkehr in Werne

Hat sich da jemand total verplant oder soll das wirklich so sein? Wernes neuer Kreisverkehr an der Münsterstraße hat eine Stolperfalle an der Burgstraße mit sich gebracht. Wir haben bei der Stadt nachgefragt.

Werne

, 06.08.2020, 13:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Er wurde lange und sorgfältig geplant - und dann endlich auch gebaut: Vor gut einem Monat eröffnete die Stadt feierlich den Kreisverkehr im Bereich Münsterstraße/ Becklohhof/ Burgstraße. Eine Baumaßnahme, die Teil des Mammutprojekts „Werne neu verknüpft“ war. Der Kreisel sollte vor allem mehr Sicherheit und Komfort für Fußgänger und Radfahrer bieten, die zur Querung der einstigen Bundesstraße bis dato die alte und ziemlich steile Fußgängerbrücke nutzen mussten. So viel zumindest zur Theorie. In der Praxis sieht es hingegen ein bisschen anders aus.

Es ist ein lauer Sommerabend. Im Zentrum des Kreisverkehrs wächst saftig-grüner Rasen. Die Bauzäune sind verschwunden, ein paar Baken sind noch da. Außerdem die Hinweisschilder auf die noch fehlende Fahrbahnmarkierung. Ein bisschen Baustellencharakter schwebt also nach wie vor über Wernes neuem „Schmuckstück“ der Verkehrsberuhigung.

Passanten überqueren Burgstraße hier instinktiv

Doch dummerweise hilft das der älteren Dame, die sich mit ihrem Rollator gerade die hohe Bordsteinkante hinunterquält, überhaupt nicht. Ihre Begleiterin muss ihr helfen. Das Ziel der Seniorin ist klar: Sie möchte die Burgstraße überqueren, um auf den Pfad zu gelangen, der zum Moormannteich führt. Und zwar genau an dieser Stelle. Ist schließlich der kürzeste Weg.

Auch ein Radfahrer hat diese Route im Kopf, als er plötzlich abbremsen muss, ungläubig schaut und dann den Kopf schüttelt: „Haben Sie sich auch schon gewundert, was das hier soll? Wer hat sich das bloß ausgedacht“, fragt er.

Wer die Burgstraße direkt am Kreisverkehr überqueren will trifft auf einen hohen Bordstein - hüben wie drüben.

Wer die Burgstraße direkt am Kreisverkehr überqueren will trifft auf einen hohen Bordstein - hüben wie drüben. © Felix Püschner

Tatsächlich war die Überquerung der Burgstraße genau an dieser Stelle einst wesentlich einfacher. Gefühlt in grauer Vorzeit, als es den modernen Kreisverkehr noch nicht gab - dafür aber eine Mittelinsel und einen abgesenkten Bordstein. Das war jahrelang so. Kein Wunder also, dass auch Radfahrer und Senioren mit Rollatoren quasi instinktiv genau hier ihre gewohnte Route wählen.

Aber hat sich die Stadt hier nun wirklich verkalkuliert? Nach all den Überlegungen und der langen Planungsphase? Oder hat vielleicht doch die ausführende Baufirma gepennt und zusätzlich zum Kreisel ungewollt eine Stolperfalle installiert?

Kreisverkehr: Wernes neues Schmuckstück hat als Bonus eine Stolperfalle
„Wir wollten da keinen abgesenkten Bordstein haben.“
Projektleiter Gisbert Bensch

Nein, so ist es nicht, versichert Gisbert Bensch von der Stadt auf Anfrage unserer Redaktion. Der Projektleiter für den Kreisverkehr-Bau stellt klar: „Wir wollten da keinen abgesenkten Bordstein haben.“ Und das habe gleich mehrere Gründe - allen voran die Sicherheit der Fußgänger und Radfahrer. Aufgrund der Fahrbahnenge ist eine „vernünftige“ Mittelinsel laut Bensch hier nicht möglich. Und ohne Insel sei die Querung schlichtweg nicht so sicher, wie man es sich auf Seiten der Stadt wünscht.

„Wir wollen nicht, dass jemand dort die Fahrbahn überquert“, sagt Bensch. Deswegen auch kein abgesenkter Bordstein. Klingt schlüssig. Und dann wäre da noch Grund Nummer zwei. Mit dem ist allerdings ein weiteres Projekt verbunden, dessen Umsetzung noch ein Weilchen auf sich warten lassen dürfte: die neue Führung für den Radverkehr. Bensch hierzu: „Im Zuge der Streckenplanung, die jetzt begonnen wird, werden wir den Radverkehr anders gestalten. Da wollen wir eine komfortable Lösung finden.“

So sieht der Kreisverkehr an der Einmündung zum Becklohhof aus. Eine Stolperfalle gibt es hier nicht.

So sieht der Kreisverkehr an der Einmündung zum Becklohhof aus. Eine Stolperfalle gibt es hier nicht. © Felix Püschner

Weitere Maßnahmen an Horne und Moormannteich

Und natürlich spielt dabei auch die geplante Neugestaltung rund um den Moormannteich eine Rolle. Denn sowohl die Horne als auch der Teich sollen im Zuge von „Werne neu verknüpft“ bekanntlich umgestaltet werden. Wie der gesamte Bereich der Münsterstraße zwischen Steintorkreuzung und Penningrode dann einmal aussehen wird, ist noch nicht klar. Was feststeht ist allerdings: Der hohe Bordstein an der Burgstraße bleibt.

Und Bensch hat noch einen Tipp: Wer etwa zehn Meter weiter in die Burgstraße hineingehe könne sie dort überqueren. Da gibt es nämlich einen abgesenkten Bordstein. Und damit eine sichere, stolperfreie Alternativ-Route.

Jetzt lesen

Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt