Landwirte in Werne haben Probleme, gute und bezahlbare Erntehelfer zu finden

hzLandwirtschaft in der Corona-Krise

Die Corona-Krise trifft auch viele Landwirte in Werne. Vor allem Spargel- und Erdbeerbauern finden kaum Erntehelfer. Osteuropäische Helfer dürfen nicht einreisen, deutsche sind ungelernt und teuer.

Werne

, 01.04.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auch in der Landwirtschaft in Werne sind die Auswirkungen der Corona-Krise spürbar. Vor allem Landwirte, die sich auf sogenannte Sonderkulturen, also Spargel, Erdbeeren oder Kartoffeln, spezialisiert haben, sind in Sorge. Das liegt vor allem an der personellen Lage, wie Robert Schulze Kalthoff (47), Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsvereins Werne, berichtet.

„Diese Landwirte haben massive Probleme. Denn sie finden keine Erntehelfer, weil die Helfer aus Rumänien oder Polen nicht einreisen dürfen.“ Aufgrund der Corona-Krise gilt für die Saisonkräfte ein Einreisestopp.

300.000 Saisonarbeiter helfen jährlich bei der Ernte

Jährlich greifen laut Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft deutschlandweit Landwirte in 300.000 Fällen auf Saisonarbeiter zurück - 90 Prozent kommen nicht aus Deutschland. Nun müssen die Landwirte schauen, wie sie die Ernte ohne diese Helfer einfahren können.

Deutsche Erntehelfer kommen in der Regel nicht als Alternative in Frage. „Sie sind ungelernt. Und sie sind die Arbeiten auf dem Feld nicht gewohnt“, erklärt Schulze Kalthoff. Deshalb sind sie auch weniger produktiv. Etwa 20 Prozent der Menge, die ein gelernter Erntehelfer aus Osteuropa schafft, würde ein deutscher, ungelernter Helfer schaffen, schätzt der Experte ein.

Die Saisonkräfte aus Osteuropa arbeiten nicht nur schneller, sondern sie sind auch günstiger. Das bestätigt auch Spargelbauer Johannes Laurenz aus Werne. Ungelernte Arbeiter bräuchten doppelt so lange und würden doppelt so viel Geld fordern, so der Landwirt vom Hof Schulze Blasum.

Deutsche Helfer sind ungelernt und teurer

Während ein Erntehelfer aus Rumänien etwa 10 Euro pro Stunde plus Leistungszulage bekommt, wünscht sich ein deutscher Zeitarbeiter 35 Euro, so Robert Schulze Kalthoff weiter. „Doch wie viel soll der Spargel dann kosten für den Kunden? 25 Euro pro Kilogramm Spargel möchte auch keiner bezahlen.“

Oft würde man sich auf einen Stundenlohn von 15 oder 16 Euro mit deutschen Erntehelfern einigen. Dennoch sei aus wirtschaftlicher Sicht die Unterstützung deutscher Kräfte keine Alternative.

Landwirt Johannes Laurenz (r.) spricht während der Erntezeit im Juni 2019 mit einem Erntehelfer aus Rumänien.

Landwirt Johannes Laurenz (r.) spricht während der Erntezeit im Juni 2019 mit einem Erntehelfer aus Rumänien. © Andrea Wellerdiek (A)

Gefahr der Virus-Infektion geringer durch ausländische Helfer

Und Schulze Kalthoff glaubt, dass auch die Gefahr, sich durch das Coronavirus gegenseitig zu infizieren, bei Helfern aus Osteuropa geringer ist. „Sie bleiben unter sich in ihren Unterkünften. Sie haben weniger soziale Kontakte mit anderen als ein deutscher Mitarbeiter, der abends wieder nach Hause fährt.“

Weil deutsche Erntehelfer keine Alternative sind, bedeutet die Corona-Krise für viele Landwirte: Mehrarbeit, bei den noch vorhandenen Mitarbeitern und den Bauern selbst.

Finanzspritze hilft in der Corona-Krise nur bedingt

Auch Landwirte haben in dieser schwierigen Zeit, die Möglichkeit, sich finanzielle Unterstützung des Landes NRW zu sichern. Nach seinem Kenntnisstand gibt es derzeit aber keinen Landwirt aus Werne, der diese Soforthilfe in Anspruch nehmen will, erzählt Schulze Kalthoff.

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Er glaubt, dass diese finanzielle Unterstützung - je nach Betriebsgröße gibt es einen einmaligen Zuschuss von maximal 25.000 Euro - nur kurzfristig helfen würde. Schließlich würde etwa ein Spargelbauer sein gesamtes Jahresgehalt innerhalb von drei Monaten verdienen. „Wenn die Ernte wegfällt, dann wird es sehr schwierig“, sagt Schulze Kalthoff.

Für die Landwirte seien deshalb die eigenen Rücklagen entscheidend in dieser Krise. Dann ließe sich auch ein solches Ausnahmejahr überstehen - allerdings mit vielen Einschränkungen.

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Bleibt noch das Prinzip Hoffnung. „Im Moment spielt uns das Wetter in die Karten. Weil es sehr kühl ist, verzögert sich die Spargelernte. Wir hoffen, dass sich die Ernte nach hinten verschiebt und dass bald wieder Erntehelfer ins Land kommen dürfen“, sagt Robert Schulze Kalthoff.

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Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat die Online-Vermittlungsplattform www.daslandhilft.de eingerichtet, auf der Arbeitgeber und -nehmer zusammengebracht werden. Die Aktion richtet sich auch an Mitarbeiter, die derzeit nicht in ihrer Branche, etwa Gastronomie oder Einzelhandel, arbeiten können.

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