Leerstand in Werne: Stadt schreckt vor Beschlagnahmung zurück

hzWohnen in Werne

Hunderte Werner suchen eine bezahlbare Wohnung. Zugleich stehen schon seit Jahren Häuser leer, rotten vor sich hin. Hat die Verwaltung eine Handhabe, um gegen diese Gammelhäuser vorzugehen?

Werne

, 07.02.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

In Berlin kam es laut Medienbericht zu einer Beschlagnahmung eines leer stehenden „Geisterhauses“. In der Hauptstadt ist der Bedarf an preiswertem Wohnraum besonders groß. Das Bezirksamt Pankow hat ein solches Gammelhaus mit 19 Wohnungen kurzerhand beschlagnahmt und will es nun renovieren und noch 2020 wieder bewohnbar machen. Ein Beispiel für Werne?

„Solch eine Beschlagnahmung ist schon ein sehr drastisches Mittel“, sagt der Werner Planungsdezernent Ralf Bülte. Er ist sich zudem nicht sicher, ob es das in Berlin angewandte Zweckentfremdungsgesetz in der Form auch in Nordrhein-Westfalen gibt.

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Außerdem macht Bülte unterschiedliche Grundvoraussetzungen zwischen dem Fall in Berlin und den Werner Verhältnissen aus. „In Berlin geht es um leerstehende Wohngebäude. Bei den markanten Werner Fällen handelt es sich um Einzelhandels-Standorte, eventuell inklusive einer Wohnung.“

Bei den von Bülte angeführten „markanten Fällen“ handelt es sich um zwei stadtprägende Fachwerkhäuser mit unterschiedlichem Verwahrlosungs-Zustand. Eines der auffälligsten Gammelhäuser ist die ehemalige Gaststätte Gerstenberger am Kirchhof. Schon seit vielen Jahren signalisieren eine Behelfstür und eine Bauzaun: Leerstand, hier tut sich nichts.

Bautür und vernagelt mit schäbigen Spanplatten

„Insgesamt ist dieses denkmalgeschützte Gebäude noch in einem vergleichsweise guten Zustand. Es ist dicht und von ihm geht keine Gefahr aus“, sagt Bülte. Dass das schöne Fachwerkhaus leer steht und die Fenster mit schäbigen Spanplatten vernagelt sind, mag auf Passanten und auswärtige Besucher befremdlich wirken und ist alles andere als eine Visitenkarten für Werne. Aber einen Grund etwa für eine Beschlagnahmung sei das laut Bülte noch lange nicht.

Leerstand in Werne: Stadt schreckt vor Beschlagnahmung zurück

Einen traurigen Anblick bietet das leere und vergammelte Haus an der Südmauer 27. © Foto: Jörg Heckenkamp

Etwas anders steht es um das Gebäude Südmauer 27, in dem sich früher eine Schuhmacher-Werkstatt befand. Dieses denkmalgeschützte Haus, das übrigens dem gleichen Eigentümer wie der Kirchhof 3 gehört, weist deutlich sichtbare Schäden auf. Doch da das Eigentumsrecht in Deutschland hoch gehandelt wird, sind auch hier Zwangsmaßnahmen schwierig.

Ein weiterer Einwand gegen Zwangsmaßnahmen laut Bülte: „Wenn man eine solche Immobilie als Stadt übernimmt, muss man auch Geld investieren.“ Hier stünde dann schnell die Frage im Raum: Wer soll das bezahlen?

Zwar will laut Medienbericht aus Berlin das Bezirksamt Pankow die Kosten für die Wohnungsrenovierung vorstrecken und sie später vom Eigentümer zurückfordern. Doch ob das alles ohne langwierigen Rechtsstreit funktioniert, ist fraglich.

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